Inflation steigt wieder - plus 2,3 Prozent im Juli
30.07.2024 - 14:24:20Im Juli lagen die Verbraucherpreise um 2,3 Prozent ĂŒber dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Damit endet zunĂ€chst der Trend von allmĂ€hlich fallenden Inflationsraten: Noch im Juni hatten die Statistiker einen Anstieg der Verbraucherpreise um 2,2 Prozent verzeichnet nach 2,4 Prozent im Mai.
Im Vormonat Juni hatten sinkende Preise fĂŒr Energie und nur noch moderate ZuwĂ€chse bei den Nahrungsmittelpreisen die Inflation in Deutschland gedĂ€mpft. Dienstleistungen wurden dagegen deutlich teurer, was sich etwa in der Gastronomie oder AutowerkstĂ€tten bemerkbar macht. Bei Dienstleistungen schlagen sich die zuletzt höheren TarifabschlĂŒsse von Gewerkschaften nieder. Auch die Kaltmieten zogen im Juni weiter an.
Angesichts der krĂ€ftigen GehaltszuwĂ€chse bleibt der private Konsum der wichtigste Hoffnungsschimmer fĂŒr die schwĂ€chelnde deutsche Volkswirtschaft, die im zweiten Quartal ĂŒberraschend um 0,1 Prozent schrumpfte. FĂŒr die zweite JahreshĂ€lfte lieĂen die ĂŒbrigen Stimmungsindikatoren nur wenig Schwung erwarten, schreibt etwa Volkswirt Marc Schattenberg von Deutsche Bank DE0005140008 Research. "Entscheidend wird daher vor allem sein, wie sich angesichts der realen Kaufkraftgewinne der private Verbrauch entwickelt."
Ăkonomen hatten zuletzt eher einen Trend zu stabilen Preisen im Sommer erwartet. So ergab eine Umfrage des Ifo-Instituts unter Unternehmen zu ihren PreisplĂ€nen, dass in den konsumnahen Bereichen seltener Preiserhöhungen geplant sind.
Inflationsrate sinkt langsam - doch Preisniveau bleibt höher als zuvor
Zwar sind die extrem hohen Inflationsraten der vergangenen beiden Jahre Geschichte. Im Jahresschnitt erwarteten fĂŒhrende Wirtschaftsforschungsinstitute eine deutliche AbschwĂ€chung der Inflation in Deutschland auf 2,3 Prozent - nach 5,9 Prozent 2023. Doch zuletzt verlief der RĂŒckgang zĂ€h. Volkswirte verwiesen auf gestiegene Löhne, die zu Preiserhöhungen von Unternehmen fĂŒhren können.
Auch spĂŒren Verbraucher beim Einkaufen oder Essengehen nach wie vor das krĂ€ftig gestiegene Preisniveau. Nahrungsmittel haben sich in den vergangenen Jahren im Schnitt um mehr als 30 Prozent verteuert, ergab eine Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes fĂŒr den Zeitraum von Januar 2020 bis Mai 2024.
Inflationswelle nach Ukraine-Krieg belastet Haushalte
Auf lÀngere Sicht ist die Kaufkraft der Verbraucher angesichts der enormen Inflation der vergangenen Jahre gesunken. Zwar wuchs das mittlere Haushaltseinkommen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes von 2022 auf 2023 um 5,1 Prozent - die Teuerungsrate lag aber bei 5,9 Prozent. Die Inflation hatte sich nach dem russischen Angriff auf die Ukraine Anfang 2022 rasant beschleunigt, weil Energie und in der Folge auch Produktion und importierte Waren viel teurer wurden.
Sinkende Inflation gibt EZB Spielraum
Sollte die Inflation im Jahresverlauf in Deutschland wie auch im Euroraum insgesamt sinken, gĂ€be das der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB) im Jahresverlauf Spielraum fĂŒr weitere Leitzinssenkungen. Sie hat im Juni erstmals seit der Inflationswelle die Leitzinsen wieder um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Im Juli lieĂ die Notenbank die Zinsen unverĂ€ndert und hielt sich die TĂŒr offen fĂŒr eine weitere Zinssenkung bei ihrer Sitzung Mitte September.
GrundsĂ€tzlich sieht die EZB bei einer Inflationsrate von 2,0 Prozent PreisstabilitĂ€t gewahrt. Geringere Raten oder gar sinkende Verbraucherpreise (Deflation) bergen die Gefahr, dass Unternehmen wie Konsumenten ihre Investitionen und Anschaffungen verschieben, weil sie noch niedrigere Preise erwarten. Das hĂ€tte negative Folgen fĂŒr das Wirtschaftswachstum.
Höhere Teuerungsraten schwĂ€chen hingegen die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Das bremst den privaten Konsum, der eine wichtige StĂŒtze der Konjunktur in Deutschland ist. Gewerkschaften versuchen, die PreissprĂŒnge mit hohen TarifabschlĂŒssen auszugleichen. Auch stiegen zuletzt die Renten deutlich: Die BezĂŒge fĂŒr mehr als 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland wurden zum 1. Juli um 4,57 Prozent erhöht.

