BewÀhrungsstrafe im Prozess um German-Pellets-Pleite
11.04.2025 - 10:17:13Die Zinsversprechen von sieben bis acht Prozent, die der Holzverarbeiter German Pellets aus Wismar gab, waren verlockend. Und nicht wenige Anleger aus ganz Deutschland - davon zeigte sich der Vorsitzende Richter am Landgericht Schwerin ĂŒberzeugt - investierten, weil sie in Zeiten des Klimawandels und steigender Ăl- und Gaspreise moderne Holzfeuerungsanlagen als zukunftstrĂ€chtig ansahen. Zeugen sagten vor Gericht aus, dass sie den Erwerb sogenannter Genussrechte als Teil ihrer Altersvorsorge eingeplant hatten.
Doch mit der Insolvenz des auf massives Wachstum getrimmten Unternehmens German Pellets am 10. Februar 2016 war der GroĂteil des angelegten Geldes verloren. Die Einlagen summierten sich nach frĂŒheren Angaben auf insgesamt etwa 260 Millionen Euro bei schĂ€tzungsweise 17.000 Betroffenen. Die strafrechtliche Aufarbeitung der Firmenpleite fand mit der Verurteilung des frĂŒheren GeschĂ€ftsfĂŒhrers nun ihren Abschluss.
BewĂ€hrungsstrafe von zwei JahrenÂ
Das Landgericht sprach den heute 68 Jahre alte FirmengrĂŒnder nach mehr als zweijĂ€hriger Prozessdauer der vorsĂ€tzlichen Insolvenzverschleppung sowie des mehrfachen Betrugs schuldig. Mit dem StrafmaĂ folgten die Richter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die im Verlaufe des Verfahrens einen GroĂteil ihrer Anklagepunkte zurĂŒcknahm. Im Gegenzug hatte der Angeklagte die verbliebenen Taten eingerĂ€umt. Im Rahmen eines sogenannten VerstĂ€ndigungsgesprĂ€ches war ihm eine Haftstrafe von maximal zwei Jahren in Aussicht gestellt worden, ausgesetzt zur BewĂ€hrung. Das Urteil ist noch nicht rechtskrĂ€ftig.Â
VorwĂŒrfe wie bandenmĂ€Ăiges Handeln, Steuerhinterziehung oder Vorenthalten von Sozialleistungen fielen nicht mehr ins Gewicht. Als Zeitpunkt der ZahlungsunfĂ€higkeit wurde nach Angaben des Richters der 1. Dezember 2015 festgelegt, und nicht MĂ€rz 2015, wie zu Prozessbeginn noch angenommen. Damit verringerte sich der Zeitraum der Insolvenzverschleppung erheblich und somit auch die Zahl der FĂ€lle von Anlagenbetrug.Â
Laut Verteidigung fielen 97 Prozent der ursprĂŒnglichen VorwĂŒrfe weg. Die verfahrensrelevante Schadenssumme habe sich durch den kĂŒrzeren Tatzeitraum von 77,3 Millionen auf 2,5 Millionen Euro verringert. Ins Gewicht fielen dem Urteil zufolge letztlich die Insolvenzverschleppung, der Betrug an 20 Anlegern bei German Pellets, der Betrug an 11 Investoren, die Geld fĂŒr den Kauf eines belgischen Kohlekraftwerkes bereitgestellt hatten, und der Betrug an dem österreichischen GeschĂ€ftspartner MFC.
Ehrgeizigen ExpansionsplĂ€neÂ
Laut Gericht hatten die ErtrĂ€ge der German Pellets GmbH, nach eigenen Angaben einst WeltmarktfĂŒhrer bei Herstellung und Vertrieb von Holzpellets fĂŒr Heizungen, aus den laufenden GeschĂ€ften und Bankkredite nicht mehr ausgereicht, um die ehrgeizigen ExpansionsplĂ€ne in Europa und den USA zu finanzieren. Deshalb habe das weit verzweigte Unternehmen ĂŒber die Ausgabe von Genussrechten neue Geldquellen erschlossen, Zinsen und RĂŒckzahlungen dann aber nicht mehr bedienen können. Der Versuch einer Insolvenz in Eigenverantwortung scheiterte.
Nach den Worten des Vorsitzenden Richters lieĂen Zeugenaussagen darauf schlieĂen, dass die finanzielle Lage des Unternehmens schon im Verlaufe des Jahres 2015 sehr angespannt war. DarĂŒber seien Anleger nicht informiert worden. Doch hĂ€tten bei diesen angesichts des damals allgemein niedrigen Zinsniveaus bei den hohen Renditeversprechen alle Alarmglocken schrillen mĂŒssen. «Sie gingen bewusst ins Risiko», sagte der Richter. In mehr als 100 FĂ€llen hatten nach Gerichtsangaben Anleger versucht, in Zivilverfahren Geld zurĂŒckzubekommen, meist aber ohne oder nur geringem Erfolg.
Richter: German Pellets war ein Leuchtturm
Bei dem Urteil sei dem frĂŒheren GeschĂ€ftsfĂŒhrer zugutegehalten worden, dass er nicht vorbestraft sei und nicht aus GrĂŒnden persönlicher Bereicherung gehandelt habe. Der Mann, der zunĂ€chst im Verlagswesen in Hessen und ThĂŒringen tĂ€tig war, habe die Chancen des Brennstoffes Holz frĂŒhzeitig erkannt und mit viel Engagement einen Konzern aufgebaut. «German Pellets war in Deutschland und Europa ein Leuchtturm», sagte der Richter. Dem Verurteilten sei es darum gegangen, sein Lebenswerk zu retten, was ihm aber nicht gelang.
Das Mutter-Pelletwerk im Wismarer Holzhafen wird seit 2016 von einem neuen Eigner betrieben und beschĂ€ftigt etwa 60 Mitarbeiter. Auch die anderen frĂŒheren Betriebsteile laufen nach Angaben des Gerichts bis heute weiter. Dem Vernehmen nach brachten die FirmenverkĂ€ufe 45 Millionen Euro, 36 Millionen davon gingen an die Banken. Die Gesamtforderungen sollen sich auf 427 Millionen Euro summieren, hieĂ es. Laut Medienberichten waren zunĂ€chst Forderungen im Umfang auch von zwei Milliarden Euro angemeldet worden. Das seit neun Jahren laufende Insolvenzverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Das Amtsgericht in Schwerin erwartet fĂŒr Ende August einen nĂ€chsten Bericht des Insolvenzverwalters.







