Hamas und Israel vereinbaren Feuerpause - Geiseln gegen HĂ€ftlinge
22.11.2023 - 06:35:12 | dpa.deDer Beginn der Kampfpause werde innerhalb von 24 Stunden bekannt gegeben, teilte das AuĂenministerium des Golfemirats am Mittwochmorgen mit. Der Vereinbarung nach sollen mit der "humanitĂ€ren Pause" auch eine "gröĂere Zahl" an Hilfskonvois sowie mehr Treibstoff in den Gazastreifen kommen.
Die Hamas soll dem Deal zufolge 50 Frauen und MinderjÀhrige unter den rund 240 Geiseln freilassen, die beim Terrorangriff am 7. Oktober aus Israel verschleppt wurden. Im Gegenzug soll eine nach Angaben Katars noch unbestimmte Zahl an weiblichen und minderjÀhrigen Gefangenen aus israelischen GefÀngnissen entlassen werden. Laut Hamas handelt es sich um 150 HÀftlinge, die freikommen sollen.
Einem Bericht der "Times of Israel" zufolge sollen die freizulassenden palĂ€stinensischen HĂ€ftlinge in die jeweilige Stadt oder Ortschaft zurĂŒckkehren, "in der sie vor ihrer Inhaftierung lebten, einschlieĂlich im Westjordanland und in Ost-Jerusalem". Bei den freizulassenden Geiseln soll es sich israelischen Medien zufolge um 30 Kinder, acht MĂŒtter sowie zwölf Ă€ltere Frauen handeln.
Die Feuerpause könnte nach Angaben Katars verlĂ€ngert werden. FĂŒr jeden zusĂ€tzlichen Tag mĂŒsste die Hamas der israelischen Regierung zufolge zehn weitere Geiseln freilassen. Israel geht davon aus, dass so insgesamt 80 Geiseln freikommen könnten. Regierungschef Netanjahu betonte jedoch, dass der Krieg auch nach der Umsetzung des Abkommens fortgefĂŒhrt werde, "bis wir alle unsere Ziele erreicht haben".
Israels Regierung hatte der mehrtĂ€gigen Feuerpause in der Nacht zu Mittwoch im Gegenzug fĂŒr die Freilassung von israelischen Geiseln zugestimmt. Das israelische Kabinett billigte die entsprechende Vereinbarung mit der Hamas, wie ein Regierungssprecher bestĂ€tigte. Die Hamas hatte erklĂ€rt, ihre Zustimmung an die Vermittler in Ăgypten und Katar ĂŒbermittelt zu haben. Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu zufolge soll das Rote Kreuz zudem Zugang zu den restlichen Geiseln bekommen.
In Israel wird erwartet, dass die schrittweise Freilassung der 50 Geiseln bereits am Donnerstag beginnen könnte. An jedem Tag der Kampfpause sollen Medienberichten zufolge zwischen 10 und 13 Geiseln frei kommen. Ăber sechs Stunden tĂ€glich soll demnach die LuftĂŒberwachung des MilitĂ€rs ĂŒber dem Gazastreifen eingestellt werden.
Die Vereinbarung ist ein möglicher Lichtblick im seit sechs Wochen anhaltenden Gaza-Krieg. Sie gibt ein wenig Hoffnung fĂŒr einige der Geiseln, die Hamas-Terroristen bei ihrem verheerenden Ăberraschungsangriff am 7. Oktober verschleppt hatten. Und sie könnte der notleidenden Zivilbevölkerung im Gazastreifen zumindest einige Tage ohne Kampfhandlungen verschaffen. Im Gazastreifen wurden seit Kriegsbeginn nach Angaben der Hamas bislang mehr als 13 000 Menschen getötet, der UN zufolge wurden 1,7 Millionen Menschen durch KĂ€mpfe vertrieben.
Katar sowie Ăgypten hatten in Absprache mit den USA in den vergangenen Wochen zwischen Israel und der Hamas vermittelt. Vor allem Katar hat sehr gute Kontakte zur Hamas, in dem Emirat am Golf lebt auch die Hamas-FĂŒhrungsspitze. Katars MinisterprĂ€sident und AuĂenminister Mohammed bin Abdulrahman Al Thani hatte erst am Sonntag gesagt, die HĂŒrden vor einem Deal seien nur noch sehr niedrig und die offenen "Knackpunkte eher praktisch und logistisch".
Terroristen der Islamistenorganisation Hamas hatten am 7. Oktober im SĂŒden von Israel Massaker mit rund 1200 Todesopfern verĂŒbt. Israels MilitĂ€r flog daraufhin zahlreiche Luftangriffe auf den Gazastreifen und rĂŒckte mit Bodentruppen in das abgeriegelte KĂŒstengebiet ein. Wegen der zivilen Opfer wĂ€chst international die Kritik am Vorgehen der israelischen Armee. Das israelische MilitĂ€r wirft der Hamas wiederum vor, Angriffe aus Wohngebieten und KrankenhĂ€usern heraus zu verĂŒben und Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.
Von den 240 Verschleppten wurden seit Kriegsbeginn bislang vier weibliche Geiseln von der Hamas freigelassen. Eine junge Soldatin konnte vom MilitĂ€r befreit werden. Die Armee fand zudem die Leichen zweier Frauen. Unter den EntfĂŒhrten sind zahlreiche AuslĂ€nder und DoppelstaatsbĂŒrger, darunter mehrere Deutsche. Wie viele noch am Leben sind, ist unklar.
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