Konsumkrise, Verbraucher

Konsumkrise: Verbraucher essen mehr in Handelsgastronomie

12.09.2024 - 04:03:35

Die KaufzurĂŒckhaltung trifft viele Branchen hart - nicht jedoch die Gastronomie-Betreiber im Umfeld von EinzelhandelsgeschĂ€ften. Sie verzeichnen ein krĂ€ftiges Plus, wie eine Untersuchung zeigt.

Die gestiegenen Preise und die wirtschaftliche Unsicherheit drĂŒcken vielen Verbrauchern auf die Stimmung: Die Gastronomieangebote im deutschen Handel haben davon zuletzt profitieren können, wie eine Studie des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI zeigt. «Die Konsumenten haben versucht, die Kosten zu reduzieren und preisgĂŒnstige Alternativen gewĂ€hlt. Die Handelsgastronomie bietet gute Produkte zu vielfach niedrigeren Preisen als in der klassischen Gastronomie», sagte Studienautor Olaf Hohmann. 

Die Handelsgastronomie verzeichnete dadurch begĂŒnstigt im Jahr 2023 einen Rekordumsatz von 11,7 Milliarden Euro - rund 16 Prozent mehr als im Vorjahr. «Das starke Umsatzwachstum hat uns ĂŒberrascht», sagte Hohmann, der Leiter Forschungsbereich Handelsgastronomie beim EHI ist. FĂŒr das Plus hĂ€tten sowohl Preissteigerungen als auch zunehmende Besucherfrequenzen gesorgt. Knapp 60 Prozent der Unternehmen sehen einen positiven Einfluss der Konjunkturentwicklung auf ihre Gastronomie, wie eine EHI-Umfrage unter HĂ€ndlern zeigt, nur jeder Zehnte einen negativen. 

Zur Handelsgastronomie zĂ€hlen sĂ€mtliche gastronomischen Angebote wie zubereitete Speisen und GetrĂ€nke, die im Zusammenhang mit HandelsaktivitĂ€ten stehen. Dazu zĂ€hlen unter anderem BĂ€ckereien, CafĂ©s, heiße Theken und integrierte Restaurants im Umfeld von SupermĂ€rkten, Einkaufszentren, Tankstellen, Möbel- und BaumĂ€rkten. 

«Der Snack zwischendurch wird immer wichtiger»

Aus Sicht von EHI-Experte Hohmann profitiert die Branche auch von einem verĂ€nderten Essverhalten. «Der Snack zwischendurch wird immer wichtiger. Es gibt nicht mehr nur die klassischen Mahlzeiten wie FrĂŒhstĂŒck, Mittag- und Abendessen. Die Leute essen dann, wenn sie Hunger haben.» Die Verbraucher greifen bei den Gastronomieangeboten im Handel bevorzugt zu Klassikern. Schnitzel, belegte Brötchen, Frikadellen und andere Fleischspeisen, Hausmannskost und Pizza sind die meistverkauften Speisen. Die am hĂ€ufigsten verkauften GetrĂ€nke waren Softdrinks, Kaffee und Wasser.

Die Handelsunternehmen haben dabei weiterhin mit verschiedenen Schwierigkeiten zu kĂ€mpfen. Am schwierigsten ist es laut der Umfrage, Personal zu finden und zu halten sowie den Betrieb trotz der hohen Rohstoff- und Energiepreise wirtschaftlich zu fĂŒhren. Jeder zweite HĂ€ndler nennt, gefragt nach den grĂ¶ĂŸten Herausforderungen, die Preis-Leistungs-Vorstellungen der Konsumierenden.

Bei der Nutzung der gastronomischen Angebote gibt es der Studie zufolge erhebliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Fast zwei Drittel der EinkĂ€ufe und Ausgaben entfallen auf Menschen ab 45 Jahren. Der Anteil der Verbraucher unter 24 liegt lediglich bei 8 Prozent. «Schnell verfĂŒgbare Speisen wie Schnitzel und Frikadellen sind bei Älteren sehr beliebt, bei JĂŒngeren weniger», so Hohmann. Viele HĂ€ndler orientierten sich jedoch stĂ€rker an Trends und hĂ€tten inzwischen auch vegetarische und vegane Angebote auf der Karte.

@ dpa.de