Datenanalyse, Wirtschaftskrise

Datenanalyse: Wirtschaftskrise erfasst zunehmend Mittelstand

21.02.2025 - 06:08:45

Die Konjunkturflaute erfasst nach EinschĂ€tzung des NĂŒrnberger IT-Dienstleisters Datev zunehmend den deutschen Mittelstand.

"Die Wirtschaftskrise trifft insbesondere das verarbeitende Gewerbe", sagte Robert Mayr, Vorstandschef von Datev, das fĂŒr seinen Mittelstandindex monatlich Millionen von Umsatzsteuerdaten, Lohn- und Gehaltsabrechnungen auswertet. "Im verarbeitenden Gewerbe sind die UmsĂ€tze zu Jahresbeginn deutlich gefallen. Preisbereinigt sinken die UmsĂ€tze dort schon seit drei Jahren."

Die Krise belaste besonders Kleinstunternehmen. WÀhrend die BeschÀftigung im Mittelstand insgesamt stabil sei, habe bei Firmen mit maximal zehn BeschÀftigten der Personalabbau begonnen, sagte Mayr der Deutschen Presse-Agentur. "Kleinstunternehmen, die oft stark mit der Region verbunden sind und teils seit Generationen am Standort, halten so lange, wie es geht an ihren Mitarbeitern fest. Wenn sie BeschÀftigung abbauen, ist das ein Warnsignal."

In den Mittelstandsindex von Datev fließen Umsatzsteuervoranmeldungen von rund einer Million Firmen sowie Lohn- und Gehaltsabrechnungen von mehr als acht Millionen BeschĂ€ftigten ein. Damit ermöglicht er einen detaillierten Blick auf Kleinstunternehmen, kleine und mittlere Unternehmen. Datev ist als genossenschaftlicher IT-Dienstleister vor allem auf Steuerberater und WirtschaftsprĂŒfer spezialisiert.

"Je kleiner, desto schwieriger die Lage"

Der gesamte Mittelstand leide unter BĂŒrokratie und steigenden Kosten, sagte Mayr. Zugleich seien die Löhne im Ringen um FachkrĂ€fte in den vergangenen Jahren stark gestiegen.

Kleinstunternehmen könnten aber BĂŒrokratielasten schwerer schultern und sich oft schlechter gegen Konkurrenz wehren. "Je kleiner, desto schwieriger die Lage", sagte Mayr. "Ein lokaler EinzelhĂ€ndler, der gerade ein maues WeihnachtsgeschĂ€ft erlebt hat, kann mit dem Online-Handel nicht mithalten und ein örtlicher BĂ€cker nicht mit den Preisen in SupermĂ€rkten konkurrieren." Ein Schreiner oder BĂ€cker könne auch nicht seinen Standort verlagern, "der ist regional gebunden und gibt irgendwann einfach auf".

Einzelne Lichtblicke

Dennoch zeige der Mittelstandsindex von Datev einzelne positive Entwicklungen. So hĂ€tten sich die Gastronomie und das Baugewerbe auf niedrigem Niveau weitgehend stabilisiert. "Dagegen sind die UmsĂ€tze und BeschĂ€ftigung in staatsnahen Bereichen zuletzt ĂŒberdurchschnittlich gewachsen."

Mit Blick auf die Bundestagswahl sieht Mayr an mehrere Stellen Entlastungsbedarf fĂŒr den Mittelstand. "Viele Unternehmen wĂŒnschen sich schnellere Prozesse und mehr Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung."

@ dpa.de