SparplÀne: Volkswagen will JubilÀumsprÀmien streichen
02.11.2024 - 14:34:22Volkswagen hat bei den laufenden Tarifverhandlungen auch den Wegfall von Bonuszahlungen an langjĂ€hrige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ins Spiel gebracht. So sollen unter anderem die JubilĂ€umsgratifikationen wegfallen. «Wir haben diesen Vorschlag gemacht», sagte eine Unternehmenssprecherin. Nach Angaben des Betriebsrats stehen Tausende von VW-BeschĂ€ftigten kurz vor den JubilĂ€ums-PrĂ€mien, die der Vorstand nun streichen will. Zuvor hatten der «Business Insider» und das Redaktionsnetzwerk Deutschland darĂŒber berichtet.
Nach dem derzeitigen Tarifvertrag wird fĂŒr die 25-jĂ€hrige Werkszugehörigkeit das 1,45-fache eines Monatsverdienstes und fĂŒr eine 35-jĂ€hrige Zugehörigkeit das 2,90-fache eines Monatsverdienstes als zusĂ€tzlicher Einmalbetrag brutto ausgezahlt.
Mehr als 10.000 betroffenÂ
Wie aus Betriebsratskreisen verlautete, standen bei VW mit Stand 31. MĂ€rz 2024 knapp 6.000 BeschĂ€ftigte kurz vor den relevanten JubilĂ€en: Demzufolge waren knapp 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 24 Jahre im Unternehmen und rund 4.000 BeschĂ€ftigte 34 Jahre. Einige von ihnen könnten bereits die Sonderzahlungen bekommen haben â so sei der September ein traditioneller Einstellungsmonat wegen des Ausbildungsbeginns am Monatsersten.Â
Aber auch die Zahl der Mitarbeiter, die 23 oder 33 Jahre im Unternehmen sind, ist hoch â in Betriebsratskreisen rechnet man mit 5.000 bis 6.000 VW-BeschĂ€ftigten, die knapp vor den JubilĂ€umszahlungen stehen. NĂ€hme man BeschĂ€ftigte hinzu, die nur noch zwei oder weniger Jahre auf ein JubilĂ€um warten, seien mehr als 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen.
Vorstand will Tariflöhne drĂŒcken
Volkswagen will wegen schwacher Verkaufszahlen bei den Tarifverhandlungen einen Sparkurs durchsetzen und unter anderem die Tariflöhne um zehn Prozent senken. Das Management sieht die WettbewerbsfĂ€higkeit des Autobauers gefĂ€hrdet. Im September hatte das Unternehmen die seit mehr als 30 Jahren geltende BeschĂ€ftigungssicherung gekĂŒndigt. Von Mitte kommenden Jahres an wĂ€ren betriebsbedingte KĂŒndigungen möglich.Â
Auch WerksschlieĂungen hatte Volkswagen in den Raum gestellt, aber ohne eine konkrete Zahl oder Standorte zu nennen. Nach Angaben des Betriebsrats ist geplant, mindestens drei Werke in Deutschland zu schlieĂen und Zehntausende ArbeitsplĂ€tze abzubauen. VW beschĂ€ftigt in Deutschland rund 120.000 Mitarbeiter, davon rund die HĂ€lfte in Wolfsburg. Insgesamt betreibt die Marke VW in Deutschland zehn Werke, davon sechs in Niedersachsen, drei in Sachsen und eines im nordhessischen Baunatal.Â
Landkreise von Krise geschockt
Die Krise bei VW könnte aus Sicht des Landkreistags zu Problemen auf dem Land fĂŒhren. «Die aktuellen Entwicklungen bei VW sind nicht nur fĂŒr den Wirtschaftsstandort Deutschland insgesamt, sondern gerade auch fĂŒr die Kfz-Zuliefererbetriebe, die gröĂtenteils im lĂ€ndlichen Raum ansĂ€ssig sind, ein echter Schock», sagte VerbandsprĂ€sident Achim Brötel (CDU) den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.Â
Die absehbaren Einschnitte bei VW sehe man daher mit groĂer Sorge, ergĂ€nzte Brötel. «Da geht es auch um eine Vielzahl von ArbeitsplĂ€tzen in den lĂ€ndlichen RĂ€umen, um Steuereinnahmen und nicht zuletzt um ganz konkrete Zukunftsperspektiven fĂŒr viele Menschen und ihre Familien.»
Mehrheit gegen staatliche Rettung
Eine mögliche staatliche Rettung von VW-Werken sehen viele Menschen in Deutschland nach einer Umfrage kritisch. 61 Prozent der Befragten lehnten es in einer Civey-Umfrage fĂŒr das Nachrichtenportal «web.de» ab, dass der Staat eingreift, um WerksschlieĂungen zu verhindern. 25 Prozent waren dafĂŒr. Befragt wurden in der reprĂ€sentativen Umfrage demnach vom 30. Oktober bis 1. November 5.001 Menschen.
Der Staat ist beim Volkswagen-Konzern ein wichtiger Faktor. Das Land Niedersachsen hĂ€lt 20 Prozent der Stimmrechte. MinisterprĂ€sident Stephan Weil (SPD) und seine Stellvertreterin Julia Willie Hamburg (GrĂŒne) sitzen fĂŒr das Land im Aufsichtsrat. Zusammen mit den Arbeitnehmervertretern haben sie dort die Mehrheit, bei wichtigen Entscheidungen hat das Land ein Veto-Recht.


