LĂ€nder sollen Bundesgeld vorrangig in Kita-Personal stecken
23.07.2024 - 12:49:26Stattdessen soll das Geld ab 2025 hauptsĂ€chlich in die Sicherung und Gewinnung von FachkrĂ€ften flieĂen, wie aus einem Papier zur geplanten Neuauflage des Kita-QualitĂ€tsgesetzes hervorgeht, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.
Bislang konnten die BundeslĂ€nder die Mittel in Höhe von zwei Milliarden Euro jĂ€hrlich bis zu einem Prozentsatz von maximal 49 Prozent zur Senkung oder Abschaffung von Kita-GebĂŒhren verwenden. Mit dem neuen Gesetz, das in den kommenden Wochen das Kabinett passieren soll, soll diese Möglichkeit kĂŒnftig entfallen. Bislang machen nach Angaben des Familienministeriums nur sechs BundeslĂ€nder ĂŒberhaupt von der Möglichkeit Gebrauch, einen Teil der entsprechenden Bundesmittel fĂŒr niedrige Kita-BeitrĂ€ge auszugeben. Das Land Berlin, in dem die Kindertagesbetreuung bis auf einen Grundbetrag und mögliche Zuzahlungen kostenfrei ist, nehme beispielsweise nur die Landesmittel dafĂŒr in Anspruch, heiĂt es.
Ministerium rechnet nicht mit höheren Kita-GebĂŒhren
Deshalb rechnet das Ministerium nach eigenen Angaben auch nicht damit, dass die Neuerung zu höheren Kita-GebĂŒhren fĂŒhrt. Die LĂ€nder hĂ€tten weiterhin die Möglichkeit, die Entlastung von Eltern bei den GebĂŒhren ĂŒber ihre Landesmittel zu finanzieren, heiĂt es. AuĂerdem solle es eine Ăbergangsfrist von einem halben Jahr geben, in dem die Verwendung der Mittel fĂŒr die Steuerung von Kita-GebĂŒhren wie bisher erlaubt bleibe. In Kraft treten soll das neue Kita-QualitĂ€tsgesetz zum 1. Januar 2025. Die Abstimmung innerhalb der Bundesregierung dazu habe aber gerade erst begonnen.
In diesem und im vergangenen Jahr hat der Bund die QualitÀt an Kitas mit Mitteln in Höhe von vier Milliarden Euro gefördert. Weitere vier Milliarden Euro soll es in den kommenden zwei Jahren, also 2025 und 2026, geben.
Zehntausende Kita-FachkrÀfte fehlen
Mit der GesetzesĂ€nderung sollen die LĂ€nder verpflichtet werden, das Geld kĂŒnftig mindestens in eine MaĂnahme zur Gewinnung und Sicherung von qualifiziertem Personal zu investieren, heiĂt es in dem Papier. Bundesfamilienministerin Lisa Paus (GrĂŒne) betonte, dass bei der Förderung von Kitas in Zukunft vor allem die QualitĂ€t der Einrichtungen im Vordergrund stehen werde - daher die Fokussierung auf FachkrĂ€fte. Investitionen in die frĂŒhe Bildung seien "zentral fĂŒr den Bildungserfolg und Chancengerechtigkeit unserer Kinder", sagte Paus der dpa. Bundesweit verfolge die Regierung hier das Ziel, "gleichwertige Standards in allen Kitas" zu erreichen.
Eine ZielgröĂe fĂŒr das angestrebte Personal nennt die Ministerin allerdings nicht. Paus hatte aber unlĂ€ngst gesagt, dass bis 2030 mit 50 000 bis 90 000 fehlenden FachkrĂ€ften in Deutschlands Kitas zu rechnen sei. Laut dem kĂŒrzlich veröffentlichten Kita-Bericht des ParitĂ€tischen Wohlfahrtsverbands könnten es im gesamten Bereich der Kinderbetreuung sogar 125 000 fehlende FachkrĂ€fte sein. Wie diese LĂŒcke personell geschlossen werden kann, ist nicht klar.
Linke: Beitragsfreiheit gegen QualitÀt ausgespielt
Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Elke Hannack, Ă€uĂerte sich positiv zu dem Vorhaben. Das Gesetz ermögliche es, "das Geld dort einzusetzen, wo es dringend gebraucht wird: um FachkrĂ€fte zu gewinnen sowie bessere BetreuungsschlĂŒssel und bedarfsgerechte Angebote zu realisieren", sagte sie laut Mitteilung. Dennoch mĂŒssten Eltern mit geringem Einkommen weiter eine Beitragsentlastung bekommen. Hier seien die LĂ€nder in der Verantwortung.
Die Vorsitzende der Linken-Gruppe im Bundestag, Heidi Reichinnek, kritisierte Paus' PlĂ€ne. Die Ministerin solle "endlich offen aussprechen, was es brĂ€uchte, um am FachkrĂ€ftemangel wirklich etwas zu Ă€ndern: Es braucht Geld, um einen besseren Fachkraft-Kind-SchlĂŒssel zu ermöglichen", sagte Reichinnek laut Mitteilung. Stattdessen werde Beitragsfreiheit gegen QualitĂ€t ausgespielt.

