Deutschland, International

Vor 100 Jahren hob Lufthansa erstmals ab

06.04.2026 - 05:00:07 | dpa.de

Die Lufthansa bekennt sich endlich zu ihrer vollstÀndigen Geschichte. Doch zum 100. Jahrestag des Erstflugs steht das Unternehmen nicht allzu glÀnzend da. Neue Turbulenzen zeichnen sich ab.

  • Lufthansa eröffnet ein neues Besucher- und Kongress-Zentrum in Frankfurt. - Foto: Hannes P. Albert/dpa
  • Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat in MĂŒnchen schon einmal vorgefeiert. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Lufthansa feiert ihr JubilĂ€um auch mit auffĂ€lligen Sonderlackierungen. - Foto: Malin Wunderlich/dpa
  • Ein Hingucker kommt nach Frankfurt: Eine Lockheed Constellation Superstar. - Foto: Boris Roessler/dpa
Lufthansa eröffnet ein neues Besucher- und Kongress-Zentrum in Frankfurt. - Foto: Hannes P. Albert/dpa Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat in MĂŒnchen schon einmal vorgefeiert.  - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa Lufthansa feiert ihr JubilĂ€um auch mit auffĂ€lligen Sonderlackierungen.  - Foto: Malin Wunderlich/dpa Ein Hingucker kommt nach Frankfurt: Eine Lockheed Constellation Superstar.  - Foto: Boris Roessler/dpa

Lufthansa-Chef Carsten Spohr will das JubilĂ€um seines Unternehmens groß feiern. Die beiden historischen Propeller-Flugzeuge im nagelneuen Frankfurter Besucherzentrum «Hangar One» sind auf Hochglanz poliert. Doch das Unternehmen selbst glĂ€nzt nicht wie gewĂŒnscht und muss sich wegen des Irankrieges auf die nĂ€chste Krise einrichten. 

Was wird gefeiert?

Bevor der Kanzler und viele weitere GĂ€ste am 15. April in Frankfurt erwartet werden, feiert Lufthansa zunĂ€chst am Ostermontag am Geburtsort der Deutschen Luft Hansa AG. Drei Monate nach der vertraglichen GrĂŒndung hob am 6. April 1926 der erste Linienflug von Berlin-Tempelhof mit dem Ziel ZĂŒrich ab. Wegen der fehlenden Reichweite des eingesetzten Fokker-Grulich-Flugzeugs wurden Zwischenlandungen in Halle, Erfurt und Stuttgart eingeplant. 

In der ersten, noch getrennt geschriebenen Luft Hansa wurden auf Druck der Reichsregierung die bis dahin konkurrierenden Unternehmen Aero Lloyd und Junkers Luftverkehr gebĂŒndelt und eng unter staatliche Kontrolle genommen. Das Unternehmen war stark auf Subventionen angewiesen und schon zu Zeiten der Weimarer Republik Bestandteil der vom Versailler Vertrag untersagten und daher verdeckten WiederaufrĂŒstung.

Wie wird gefeiert?

Mit einigem Aufwand hat der MDax-Konzern viele AktivitĂ€ten auf das JubilĂ€um ausgerichtet. Das gilt fĂŒr neue Angebote bei Service und Bordverpflegung ebenso wie fĂŒr eine Markenkampagne. Neben der Frankfurter Unternehmenszentrale wird am 15. April das neue Besucherzentrum «Hangar One» feierlich eröffnet, in dem zwei historische Flugzeuge die frĂŒhe Luftfahrttechnik anschaulich machen. Einen Festakt gab es bereits in MĂŒnchen, Berlin ist zum JubilĂ€um des Erstfluges dran. Zudem tragen sechs Flugzeuge auffĂ€llige JubilĂ€ums-Lackierungen mit einem dunkelblauen Kranich.

Was ist das Besondere an dem JubilÀum? 

Mit der Feier zur GrĂŒndung ihrer problematischen VorgĂ€ngerin hat sich die heutige Lufthansa ehrlich gemacht: Erstmals bekennt sie sich zu ihrer vollstĂ€ndigen Geschichte, ohne die dunkle Seiten insbesondere in der Zeit des Nationalsozialismus zu leugnen oder zu verschweigen. Schon frĂŒh setzten Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder auf die Hitler-Partei NSDAP, wie der Historiker Manfred Grieger in einer neuen Unternehmensgeschichte aufgezeigt hat. 

In ihrem Streben nach «Luftgeltung» unterstĂŒtzten die Nazis hochfliegende PlĂ€ne der Lufthansa zum Netzausbau und bemĂ€chtigten sich im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs des Unternehmens vollstĂ€ndig. «Die Lufthansa war ein Unternehmen des Nationalsozialismus», fasst Grieger zusammen. Besonders deutlich wurde das in der hemmungslosen Ausbeutung von weit mehr als 10.000 Zwangsarbeitern in der RĂŒstungsproduktion und Flugzeugwartung. 

Was hat die zweite Lufthansa mit der VorgÀngerin zu tun?

Mit dem «Dritten Reich» ist auch die erste Lufthansa untergegangen. Zehn Jahre lang durften die Deutschen unter der Kontrolle der Alliierten keine Flugzeuge bauen oder selbst betreiben. Als die zweite Deutsche Lufthansa AG im Jahr 1955 an den Start ging, war sie zwar keine Rechtsnachfolgerin der ersten Gesellschaft, hatte aber dennoch einige personelle KontinuitÀten in ihren Facheliten. Das ikonische Kranich-Symbol hatte man sich ebenso gesichert wie den Namen und die blau-gelbe Farbgebung. 

Wie hat sich das Unternehmen seitdem entwickelt?

Die zunĂ€chst staatliche Deutsche Lufthansa AG wurde im Unterschied zu ihrer VorgĂ€ngerin nicht mit der deutschen Flugzeugindustrie verbunden. Sie nahm ihren Linienbetrieb am 1. April 1955 auf und erarbeitete sich im Wirtschaftswunder vor allem mit US-amerikanischen Boeing-Flugzeugen Marktanteile. VollstĂ€ndig privatisiert wurde sie schließlich 1997 und wandelte sich zum Luftverkehrskonzern mit eigenen Sparten fĂŒr die Wartung, Fracht und anfĂ€nglich noch Verpflegung. 

Nach dem Aufbau des internationalen Kooperations-Netzwerks «Star Alliance» begann das Unternehmen zudem, einstmals staatliche Fluggesellschaften der Nachbarstaaten zu ĂŒbernehmen. Es entstand der nach Umsatz viertgrĂ¶ĂŸte Luftverkehrskonzern der Welt. Heute gehören die einstigen Staats-Carrier der Schweiz, Belgiens, Österreichs und Italiens zur Lufthansa-Gruppe, die als NĂ€chstes fĂŒr die portugiesische TAP bieten will. In der Corona-Krise wurde Lufthansa von den Herkunftsstaaten ihrer Airlines mit Milliardenhilfen gerettet, die bereits wieder zurĂŒckgezahlt sind. 

Wie steht das Unternehmen aktuell da? 

In den Augen vieler Anleger und auch des eigenen Aufsichtsrats ist die Lufthansa ziemlich ertragsschwach unterwegs. Obwohl das kapitalintensive Unternehmen ein immer grĂ¶ĂŸeres Rad dreht und im vergangenen Jahr den Umsatz erneut um fĂŒnf Prozent auf 39,6 Milliarden Euro geschraubt hat, wurde unter dem Strich mit 1,3 Milliarden Euro weniger Gewinn gemacht als 2024. Die RĂŒckkehr in den mittlerweile erweiterten Spitzen-Index Dax hat die Lufthansa nach ersten KursabschlĂ€gen wegen des Iran-Kriegs vorerst verpasst.

Hilfreich waren 2025 billiges Kerosin und eine deutlich verbesserte PĂŒnktlichkeit, die zu geringeren EntschĂ€digungszahlungen an Passagiere fĂŒhrte. Bei der mit Abstand grĂ¶ĂŸten Gesellschaft, der Kernmarke Lufthansa, lĂ€uft ein Sanierungsprogramm, in dessen Verlauf im Konzern rund 4.000 Stellen abgebaut werden sollen. 

ZusĂ€tzlichen Umsatz und geringere Kosten sollen in den kommenden Jahren neue, effizientere Interkontinental-Flugzeuge und die neue Kabinenausstattung «Allegris» bringen. Kommerzielle StĂŒtzen sind die Wartungstochter Lufthansa Technik und das Frachtunternehmen Lufthansa Cargo. Bei den Airlines hat die kleine Swiss rund die HĂ€lfte des operativen Gewinns von 1,1 Milliarden Euro eingeflogen. 

Wie sind die Perspektiven?

GrundsÀtzlich wird der Luftverkehr schneller von politischen Krisen getroffen als andere Branchen. Der von den USA und Israel begonnene Iran-Krieg hat die Kerosinpreise schnell in die Höhe getrieben und gefÀhrdet nach Corona erneut die Lieferketten. Sollte der Krieg lÀnger anhalten, könnten Kaufkraftverluste infolge von Inflation und WirtschaftsschwÀche die Airlines Kunden kosten.

In einer internen Brandrede hat Spohr seine Mannschaft bereits auf hĂ€rtere Zeiten eingestimmt. Er lĂ€sst Szenarien prĂŒfen, einen Teil der Flotte vorĂŒbergehend stillzulegen und BeschĂ€ftigte in Kurzarbeit zu schicken. Kurzfristig erzielen Lufthansa und andere Airlines auf ihren Asien-Routen aber höhere Einnahmen, weil die arabische Konkurrenz ihre Drehkreuze nahe am Kriegsgebiet nicht oder nur eingeschrĂ€nkt nutzen kann. 

Offen ist die Frage nach weiteren Streiks des fliegenden Personals. Deren Gewerkschaften Vereinigung Cockpit und Ufo haben sich mit Urabstimmungen streikbereit gemacht und schon mehrfach die Arbeit niedergelegt. Offiziell geht es in den Auseinandersetzungen um Randthemen wie die betriebliche Altersversorgung bei den Piloten oder den Manteltarifvertrag bei den Flugbegleiterinnen und Flugbegleitern. Dahinter steht aber die Konzernstrategie, zunehmend Flugzeuge und ArbeitskrÀfte auf Flugbetriebe zu verlagern, in denen geringere tarifliche Standards gelten.

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