Lufthansa schafft Einstieg bei Ita Airways
25.05.2023 - 18:28:40Nach monatelangen Verhandlungen mit dem italienischen Staat hat die Lufthansa den Einstieg bei der Fluggesellschaft Ita Airways geschafft. FĂŒr zunĂ€chst 41 Prozent der Anteile soll der deutsche MDax-Konzern 325 Millionen Euro ins Eigenkapital der Gesellschaft zahlen, hatten Medien bereits vorab berichtet. Das Wirtschafts- und Finanzministerium in Rom als bisheriger Alleineigner verpflichte sich, weitere 250 Millionen Euro einzubringen. Zuvor hatte das Ministerium die Einigung vermeldet, ohne Details zu nennen.
Den Berichten zufolge sollen weitere 500 Millionen Euro nach der geplanten RĂŒckkehr in die Gewinnzone fĂŒr weitere 50 bis 55 Prozent der Anteile flieĂen. Der italienische Staat bliebe somit - anders als zunĂ€chst von Lufthansa geplant - vorerst an Bord. Der Deal steht unter dem Vorbehalt wettbewerbsrechtlicher PrĂŒfungen auf nationaler und europĂ€ischer Ebene.
Die 2020 gegrĂŒndete Italia Trasporto Aereo (Ita) hatte im Oktober 2021 den Flugbetrieb der insolventen VorgĂ€ngerin Alitalia ĂŒbernommen, ist allerdings nicht deren Rechtsnachfolgerin. Start- und Landerechte wie auch die Marke Alitalia hat sich die Ita allerdings gesichert. Der legendĂ€re Name könnte unter dem neuen Konzerndach möglicherweise schon bald wieder reaktiviert werden. Als neuer Ita-Chef ist Lufthansa-Strategiechef Jörg Eberhart im GesprĂ€ch, der bereits die in Norditalien aktive Regionaltochter Air Dolomiti geleitet hat.
Rote Zahlen als Nachwirkung der Corona-Pandemie
Im vergangenen Jahr hat die Ita bei einem Umsatz von knapp 1,6 Milliarden Euro unter dem Strich einen Verlust von 486 Millionen Euro eingeflogen. Als Grund fĂŒr die roten Zahlen nannte das Unternehmen Ende MĂ€rz die Nachwehen der Corona-Pandemie, die gestiegenen Treibstoffkosten infolge des Ukraine-Kriegs sowie den schlechten Euro-Dollar-Kurs.
FĂŒr 2027 werden nun 94 Flugzeuge und ein Umsatz von 4,1 Milliarden Euro angepeilt. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sprach von einer Win-Win-Situation fĂŒr Italien, die Ita und sein Unternehmen. Er will die schlanke Alitalia-Nachfolgerin mit ihrer jungen Flotte ĂŒber höhere Auslastung, gĂŒnstigeren Einkauf und bessere Flugkoordination in die Gewinnzone bringen.
Lufthansa: Ausweitung nach Italien schon lĂ€nger gewĂŒnscht
Die Lufthansa will auf ihrem zweitwichtigsten Auslandsmarkt schon seit vielen Jahren FuĂ fassen. Ein 2009 gestarteter Versuch unter dem Namen Lufthansa Italia fand schon 2011 sein Ende. Derzeit lockt der Konzern lediglich mit FlĂŒgen der Air Dolomiti Umsteiger aus dem reichen Norditalien ans Drehkreuz MĂŒnchen. Nun erwirbt die Lufthansa mit der Ita Marktanteile in dem von externen Billigfliegern wie Ryanair und Easyjet beherrschten Umfeld.
Die Deutsche Lufthansa AG hat bereits die ehemaligen Staatsfluglinien der NachbarlĂ€nder Schweiz, Ăsterreich und Belgien ĂŒbernommen und als eigenstĂ€ndige Marken weitergefĂŒhrt. Die belgische Sabena-Nachfolgerin Brussels Airlines hatte Lufthansa in zwei Stufen ĂŒbernommen und zunĂ€chst ebenfalls mit einer Minderheit begonnen. Als ein weiteres mögliches Ăbernahmeziel gilt die portugiesische Tap.


