Oxfam, Superreiche

Oxfam: Superreiche werden trotz Inflation und Krisen noch reicher

15.01.2024 - 12:03:46

Die meisten Menschen auf der Welt haben zuletzt harte Zeiten erlebt. Die Reichen dagegen sind laut Oxfam die großen Gewinner der Krisenjahre - Diskussionsstoff fĂŒr das Weltwirtschaftsforum in Davos.

Die Krisen und Kriege der vergangenen Jahre haben die Schere zwischen Arm und Reich auf der Welt noch weiter auseinandergetrieben. Das geht aus einem Bericht hervor, den die Entwicklungsorganisation Oxfam am Montag vor dem Start des Weltwirtschaftsforums in Davos veröffentlichte. Demnach haben die fĂŒnf reichsten Menschen der Welt - allesamt MĂ€nner - ihr Vermögen seit 2020 mehr als verdoppelt. Gleichzeitig wurden fast fĂŒnf Milliarden Menschen, die Ă€rmsten 60 Prozent, noch Ă€rmer.

Dem Oxfam-Bericht liegen Daten aus verschiedenen Quellen zugrunde. So fĂŒhrte Oxfam etwa Forbes-SchĂ€tzungen zum Vermögen von MilliardĂ€ren mit SchĂ€tzungen der Bank Credit Suisse zum weltweiten Vermögen zusammen.

Bald der erste BillionÀr?

Bei ihrer Auswertung kommt die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation zu dem Schluss, dass die Welt bei der aktuellen Wachstumsrate schon in zehn Jahren ihren ersten Dollar-BillionĂ€r haben könnte. Die globale Armut dagegen wĂ€re auch in 230 Jahren noch nicht vollstĂ€ndig ĂŒberwunden.

«MilliardĂ€re werden reicher, die Arbeiterklasse hat zu kĂ€mpfen und die Armen leben in Verzweiflung. Das ist der unglĂŒckliche Zustand der Weltwirtschaft», schreibt US-Senator Bernie Sanders im Vorwort der Studie. Niemals zuvor habe es eine solche Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen gegeben. Auch die Gier, Arroganz und Verantwortungslosigkeit seien beispiellos.

MilliardÀrsvermögen wÀchst schneller als Inflation

Die fĂŒnf reichsten MĂ€nner haben den Oxfam-Daten zufolge seit 2020 einen Gewinn von durchschnittlich 14 Millionen US-Dollar pro Stunde gemacht. Ihr Vermögen stieg von 405 Milliarden Dollar im Jahr 2020 auf zuletzt 869 Milliarden Dollar. Das Vermögen aller MilliardĂ€re insgesamt wuchs dreimal so schnell wie die Inflationsrate.

Zugleich hĂ€tten 4,77 Milliarden Menschen, die Ă€rmsten 60 Prozent der Menschheit, seit 2020 zusammen 20 Milliarden Dollar Vermögen verloren. Bei 791 Millionen Arbeitern hielten die Löhne laut Oxfam nicht mit der Inflationsrate mit. Jeder von ihnen habe in zwei Jahren im Schnitt fast einen Monatslohn eingebĂŒĂŸt.

Die Vorstandsvorsitzende von Oxfam Deutschland, Serap Altinisik, sieht die Gesellschaft deswegen vor einer immer grĂ¶ĂŸeren Zerreißprobe. «WĂ€hrend Milliarden von Menschen die Schockwellen von Pandemie, Inflation und Krieg ertragen mĂŒssen, boomen die Vermögen der MilliardĂ€r*innen», sagte sie. Die Ungleichheit verstĂ€rke geschlechtsspezifische und rassistische Diskriminierungen, weil marginalisierte Gruppen wie Frauen oder nicht-weiße Menschen besonders betroffen seien. «Sie untergrĂ€bt die Demokratie und trĂ€gt maßgeblich dazu bei, dass die Klimakrise sich zu einer Katastrophe ausweitet», sagte Altinisik.

Oxfam: Vermögensteuer könnte in Deutschland Milliarden bringen

Oxfam fordert daher eine Besteuerung hoher Vermögen. Die Mittel daraus mĂŒssten in den Klimaschutz, den Ausbau von Bildung, Gesundheitsversorgung und sozialer Sicherung investiert werden. Das gelte in Deutschland genau wie weltweit. Auch in Deutschland sei das Gesamtvermögen der fĂŒnf reichsten BĂŒrger seit 2020 inflationsbereinigt um fast drei Viertel (73,85 Prozent) gewachsen, von rund 89 auf etwa 155 Milliarden US-Dollar.

Die Entwicklungsorganisation schlĂ€gt folgendes Vermögensteuermodell vor: Zwei Prozent auf Vermögen von mehr als fĂŒnf Millionen US-Dollar, drei Prozent auf Vermögen von mehr als 50 Millionen Dollar und fĂŒnf Prozent auf Vermögen, die eine Milliarde Dollar ĂŒberschreiten.

Allein in Deutschland könnten so nach Oxfam-SchĂ€tzungen 93,6 Milliarden US-Dollar an Einnahmen pro Jahr generiert werden. Etwas mehr als 200.000 Menschen mĂŒssten höhere Steuern zahlen, rund 0,24 Prozent der Bevölkerung. Weltweit könnte eine Vermögensteuer fĂŒr MillionĂ€re und MilliardĂ€re laut Oxfam jedes Jahr 2,5 Billionen Dollar einbringen.

@ dpa.de