GeneralsekretĂ€r will BĂŒndnisrolle ausweiten
02.04.2024 - 18:54:59Wie mehrere Diplomaten am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur bestĂ€tigten, hat der Norweger dafĂŒr unter anderem den Aufbau einer speziellen Nato-Mission fĂŒr das von Russland angegriffene Land vorgeschlagen.
Zudem will er die BĂŒndnispartner dazu bewegen, der Ukraine fĂŒr die kommenden fĂŒnf Jahre militĂ€rische UnterstĂŒtzung im Wert von 100 Milliarden Euro zuzusagen. GesprĂ€che zu den VorschlĂ€gen laufen den Angaben zufolge derzeit im VerteidigungsbĂŒndnis. EndgĂŒltige Entscheidungen sollen beim BĂŒndnisgipfel im Juli in Washington getroffen werden.
Koordinierung von Waffenlieferungen
Kernaufgabe der "Nato Mission Ukraine" wĂŒrde im Fall einer Zustimmung der Mitgliedstaaten die Koordinierung von Waffenlieferungen und AusbildungsaktivitĂ€ten fĂŒr die ukrainischen StreitkrĂ€fte werden. Diese Koordination nehmen derzeit die USA wahr. Sie organisieren dazu regelmĂ€Ăig Treffen auf ihrem LuftwaffenstĂŒtzpunkt im rheinland-pfĂ€lzischen Ramstein oder zum Beispiel in BrĂŒssel.
Die Idee von Stoltenberg sei es, die UnterstĂŒtzung der Ukraine zu vergemeinschaften, um sie weniger abhĂ€ngig von politischen Entwicklungen in einzelnen BĂŒndnisstaaten zu machen, hieĂ es. Dies gelte besonders vor dem Hintergrund einer möglichen RĂŒckkehr von Donald Trump als PrĂ€sident ins WeiĂe Haus. Damit verbunden ist die Sorge, dass der Republikaner dann die US-UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine stark reduzieren oder sogar einstellen könnte. Um einen Einsatz von Nato-Truppen in der Ukraine gehe es nicht, wurde betont.
Gerechtere Lastenteilung
Details zu dem Vorschlag fĂŒr das 100-Milliarden-Euro-Paket blieben zunĂ€chst offen. Insbesondere die Frage, ob bereits getĂ€tigte UnterstĂŒtzungszusagen von einzelnen Staaten eingerechnet werden sollten oder nicht, blieb unbeantwortet. Diplomaten sagten, es gehe bei dem VorstoĂ Stoltenbergs auch um eine gerechtere Lastenteilung bei der UnterstĂŒtzung der Ukraine. Derzeit ist es so, dass östliche Alliierte sowie LĂ€nder wie Deutschland, die Niederlande und die USA im VerhĂ€ltnis zu ihrer Wirtschaftskraft deutlich höhere BeitrĂ€ge leisten als LĂ€nder wie Frankreich, Italien und Spanien.
Eine weitere Idee von Stoltenberg ist es den Angaben zufolge, einen Nato-Rahmen fĂŒr bilaterale Sicherheitsvereinbarungen mit der Ukraine zu schaffen. Details blieben allerdings auch bei diesem Punkt zunĂ€chst unklar.
Keine Entscheidungen bei AuĂenministertreffen
Ein Nato-Sprecher wollte sich am Dienstagabend nicht inhaltlich zu den VorschlĂ€gen Ă€uĂern. Er sagte lediglich, bei dem AuĂenministertreffen an diesem Mittwoch und Donnerstag solle darĂŒber diskutiert werden, wie man die UnterstĂŒtzung der Nato fĂŒr die Ukraine schlagkrĂ€ftiger, berechenbar und dauerhaft machen könne. EndgĂŒltige Entscheidungen werde es aber noch nicht geben.
Als schwierig gelten die GesprĂ€che auch wegen der Positionierung der Bundesregierung. Insbesondere das Kanzleramt hatte sich in der Vergangenheit immer wieder ablehnend zu VorschlĂ€gen geĂ€uĂert, die ein stĂ€rkeres Nato-Engagement bei der UnterstĂŒtzung der Ukraine vorsehen. BegrĂŒndet wurde dies hauptsĂ€chlich mit der Sorge vor einer Eskalation und Ausweitung des Ukraine-Kriegs auf Nato-Gebiet. Bis heute werden beispielsweise von der Nato selbst keine tödlichen Waffen an die Ukraine geliefert.

