EU, Finanzindustrie

EZB-PlĂ€ne zum digitalen Euro stoßen auf Kritik der BankenverbĂ€nde

20.12.2025 - 13:33:54

Die PlĂ€ne der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB), den digitalen Euro ab 2029 einzufĂŒhren, geraten zunehmend unter Druck.

Zwar unterstĂŒtzen deutsche GeschĂ€ftsbankenverbĂ€nde das Projekt grundsĂ€tzlich - doch sie bezweifeln, dass die Notenbank die richtige Instanz ist, ein neues europĂ€isches Zahlungssystem zu gestalten. In der "Welt" werfen Vertreter des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) sowie des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) der EZB fehlende MarktnĂ€he und mangelnde Erfahrung im Wettbewerb um kundenorientierte Zahlungsdienste vor. Seit dem 1. November befindet sich der digitale Euro nach zweijĂ€hriger Vorbereitungsphase in einer neuen Entwicklungsstufe. Das Eurosystem arbeitet nun konkret auf eine mögliche EinfĂŒhrung in wenigen Jahren hin.

Doch die Kritik verschĂ€rft sich. DSGV-Vorstand Joachim Schmalzl sagte, die Zentralbank ĂŒberschĂ€tze ihre FĂ€higkeit, ein marktfĂ€higes Produkt zu schaffen. "Wenn nun eine europĂ€ische Verwaltungsbehörde wie die EZB sagt: `Ich mache das selber und löse das fĂŒr euch`, ist das aus unserer Sicht nicht die erfolgversprechendste Variante", so Schmalzl. "Ihr fehlen Markterfahrung und die Verbindung zu den Kunden." Die VerbĂ€nde plĂ€dieren dafĂŒr, dass privatwirtschaftliche Akteure die operative Ausgestaltung ĂŒbernehmen. Zahlungsverkehr sei "immer ein kooperatives GeschĂ€ft", sagte BVR-VorstĂ€ndin Tanja MĂŒller-Ziegler. Nur integrative AnsĂ€tze unter Einbindung bestehender Bankeninfrastrukturen könnten Europas AbhĂ€ngigkeit von US-Anbietern verringern. Ein digitaler Euro, der an Bankkonten angebunden sei, könne zur SouverĂ€nitĂ€t beitragen - eine von der EZB selbst betriebene zweite Zahlungsinfrastruktur hingegen nicht. Zugleich wenden sich die VerbĂ€nde gegen BefĂŒrchtungen, der digitale Euro könnte einen schleichenden RĂŒckzug des Bargelds auslösen. Schmalzl verweist auf das dicht ausgebaute Automaten- und Filialnetz von Sparkassen und Volksbanken: "Wir bekennen uns klar zum Bargeld." Die Wahlfreiheit der Verbraucher sei nicht bedroht. Skeptisch zeigen sich beide VerbĂ€nde hingegen gegenĂŒber Kommunikationsstrategien der BefĂŒrworter. Kritiker des Projekts wurden auf dem Karrierenetzwerk LinkedIn pauschal als Gegner Europas dargestellt. MĂŒller-Ziegler sagte dazu: "Was habe ich fĂŒr Argumente, wenn ich `Behörde statt Markt` verteidigen soll?" Ordnungspolitisch sei zudem ungeklĂ€rt, wie eine Institution, die gleichzeitig Aufseher ĂŒber Banken und Zahlungssysteme ist, zugleich selbst zum Zahlungsanbieter werden könne. "Der Schiedsrichter sollte nicht selber mitspielen", warnte Schmalzl. Die VerbĂ€nde verlangen eine streng auf das Zahlungsmittel begrenzte Rolle der EZB und eine klare demokratische Kontrolle möglicher Weiterentwicklungen. Ob der digitale Euro ĂŒberhaupt ein konkretes Problem löst, bleibt nach Ansicht der Banken offen. "Im jetzigen Design: keins", sagte MĂŒller-Ziegler. Mehrwert biete einzig eine Offline-Variante, die Zahlungen auch bei Ausfall bestehender Systeme ermögliche.

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