Lagarde dÀmpft Hoffnung auf schnelle Zinssenkung - Trump ist eine 'Bedrohung'
12.01.2024 - 11:26:52Die Zinsen wĂŒrden erst gesenkt, sobald man ĂŒberzeugt sei, dass die Inflation wieder ihr 2-Prozent-Ziel erreichen wird, sagte Lagarde am Donnerstagabend dem französischen Fernsehsender "France 2". "Ich kann Ihnen kein Datum nennen", so die PrĂ€sidentin. "Aber wenn wir die 2 Prozent erreichen, wie wir fĂŒr 2025 erwarten - und Daten das in den kommenden Monaten bestĂ€tigen -, bin ich sehr zuversichtlich, dass die Zinsen sinken werden."
Zuletzt hatten die FinanzmĂ€rkte auf eine erste Zinssenkung der EZB im FrĂŒhjahr spekuliert. Aus jĂŒngsten Aussagen von Notenbankern geht aber hervor, dass eher im Sommer mit einem solchen Zinsschritt zu rechnen ist.
Der Chef der kroatischen Zentralbank, Boris Vujcic, hatte am Donnerstag gesagt, die MĂ€rkte seien weiterhin zu optimistisch, was den Zeitpunkt der ersten Zinssenkung angeht. Ăhnlich hatte sich das Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel am Mittwoch geĂ€uĂert, die Diskussionen zu diesem Thema als verfrĂŒht bezeichnet hatte.
Laut Lagarde befindet sich die Eurozone nicht in einer ernsthaften Rezession und die schlimmste Phase der InflationsbekĂ€mpfung sei vorbei. "Ich denke, wir haben den gröĂten und schwierigsten Teil ĂŒberstanden - sofern wir nicht mit einem weiteren groĂen Schock konfrontiert werden", sagte sie in dem Interview.
Lagarde unterstrich allerdings die Bedeutung der jĂŒngsten Lohnentwicklung. "Die Löhne werden im Rahmen von Verhandlungen und TarifvertrĂ€gen in einer Weise erhöht, die ĂŒber der Inflationsrate liegt", sagte sie. "Wir befinden uns in einer Aufholphase, die sich ĂŒber zwei oder drei Jahre erstrecken wird."
Auch auf die bevorstehende PrĂ€sidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten im November dieses Jahres nahm Lagarde Bezug, obwohl sich Notenbanker im Allgemeinen zurĂŒckhaltend zu politischen Themen Ă€uĂern.
Ein Blick auf die erste Amtszeit von Donald Trump im WeiĂen Haus zeige, dass eine RĂŒckkehr des republikanischen Kandidaten eine Gefahr fĂŒr Europa wĂ€re, sagte die EZB-PrĂ€sidentin. "Wenn wir Lehren aus der Geschichte ziehen wollen, dann ist das eindeutig eine Bedrohung." Es reiche schon, sich die Handelszölle, das Engagement fĂŒr die Nato und den Kampf gegen den Klimawandel anzusehen. Allein in diesen drei Bereichen seien die Interessen der USA in der Vergangenheit nicht im Einklang mit den europĂ€ischen Interessen gewesen.
Die US-PrÀsidentschaftswahl lÀuft derzeit auf ein erneutes Aufeinandertreffen zwischen Trump und PrÀsident Joe Biden hinaus. Trotz Gerichtsverfahren gegen Trump und möglicher Verurteilungen liegt der republikanische Ex-PrÀsident in Umfragen aktuell vor dem Amtsinhaber.

