Quartalszahlen, Deutschland

Fast drei Milliarden - Rekordverlust fĂŒr Siemens Energy

07.08.2023 - 08:40:02

Die Probleme mit der Windkraft bei Siemens Energy lassen nicht nach. Im abgelaufenen Quartal und voraussichtlich auch im ganzen GeschĂ€ftsjahr sorgen sie fĂŒr Rekordverluste.

Die Windkrafttochter Gamesa hat Siemens Energy so tief wie noch nie in die roten Zahlen gezogen. Im dritten GeschĂ€ftsquartal steht beim Energietechnikkonzern mit Sitz in MĂŒnchen unter dem Strich ein Verlust von gut 2,9 Milliarden Euro, wie er am Montag mitteilte. Es ist das mit Abstand grĂ¶ĂŸte Minus, das in der kurzen Geschichte des Konzerns bisher aufgelaufen ist. Schuld sind vor allem Probleme bei Gamesa und ein durch sie ausgelöster negativer Steuereffekt. Im gesamten GeschĂ€ftsjahr erwartet Energy nun sogar 4,5 Milliarden Euro Verlust - auch das ein Rekord. Ein Überblick ĂŒber die Lage bei Energy:

Die Probleme

Der grĂ¶ĂŸte Posten - hier geht es um rund 1,6 Milliarden Euro, wie Energy nun konkretisierte - sind QualitĂ€tsmĂ€ngel bei Windturbinen an Land. Diese können dadurch hĂ€ufiger ausfallen. Noch ist das selten, wie es bei Energy heißt, doch die Reparaturen, die dies verhindern sollen, werden vor allem in den nĂ€chsten beiden Jahren viel Geld kosten. Weil dafĂŒr RĂŒckstellungen gebildet werden, drĂŒckt die Summe aber bereits jetzt auf das Ergebnis.

Hinzu kommen auch Probleme beim Offshore-GeschÀft. Hier leidet Energy unter alten, unprofitablen VertrÀgen und Problemen beim Hochfahren seiner Produktion. Die Belastungen daraus betragen rund 600 Millionen Euro.

Die Belastungen lösen zudem einen negativen Steuereffekt aus, wie Finanzchefin Maria Ferraro erklĂ€rte. Er drĂŒckt mit weiteren 700 Millionen Euro auf das Ergebnis.

Offene Fragen

Energy hatte die erneuten Schwierigkeiten beim Sorgenkind Gamesa bereits Ende Juni öffentlich gemacht. Damals war der Konzern aber an vielen Stellen noch vage geblieben. So wurden die Belastungen damals mit mindestens einer Milliarde angegeben.

Auch jetzt gab es noch nicht auf alle Fragen Antworten. Bis wann Energy hofft, in die Gewinnzone zu kommen, will Konzernchef Christian Bruch erst im November beantworten. Vor einiger Zeit stand dieses Ziel noch fĂŒr das kommende Jahr in der Prognose.

Die Ursachen

Unter anderem gibt es Defizite bei Lagern und RotorblĂ€ttern. So könnten in den Lagern Partikel auftreten und bei den riesigen RotorblĂ€ttern komme es teilweise zu kleinen Falten, wie Gamesa-Chef Jochen Eickholt erklĂ€rte. Zumindest teilweise sieht Energy hier auch Zulieferer in der Verantwortung. Mit einigen sei die Zusammenarbeit beendet worden, sagte er, teilweise werde auch ĂŒber EntschĂ€digungen diskutiert. Allerdings ist die Haftung von Zulieferern hĂ€ufig in der Höhe begrenzt - und auf jeden Fall kleiner als der Schaden, wie Eickholt erklĂ€rte.

Beim Hochlauf der Produktion fĂŒr Offshoreanlagen kommt Gamesa nicht so schnell voran, wie gewĂŒnscht. Einerseits geht es dabei um den Aufbau der Fabriken, andererseits um die Suche nach Mitarbeitern.

Zudem ließen sowohl Games-Chef Eickholt als auch Konzernchef Christian Bruch durchblicken, dass in der Windbranche zu sehr auf Geschwindigkeit gesetzt worden sei. «Man muss sich fragen, wie schell kann so ein GeschĂ€ft wachsen», sagte Bruch. Offenbar will er nun etwas langsamer vorgehen: Die Abfolge fĂŒr Gamesa sei Stabilisierung, ProfitabilitĂ€t, Wachstum.

Die neuen Turbinen der problematischen Baureihen, die inzwischen ausgeliefert werden, sind laut Eickholt robuster. Komplett ausschließen ließen sich technische Risiken im Anlagenbau aber nicht.

Der Rest des Konzerns

Jenseits von Gamesa lief es fĂŒr Energy deutlich besser. Die drei anderen Bereiche, Gas Services, Grid Technologies und Transformation of Industry konnten ihre Ergebnisse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verbessern. Und auf Konzernebene legten auch Auftragseingang und Umsatz zu. Die Leistung der ĂŒbrigen GeschĂ€ftsbereiche gebe ihm «Vertrauen in die FĂ€higkeit unseres Unternehmens, GeschĂ€fte wieder wirtschaftlich erfolgreich aufzustellen», sagte Bruch.

Das Muster zeigt sich bereits seit einigen Jahren. Hatten bei der Abspaltung von Siemens und dem Börsengang von Energy im Jahr 2020 noch viele das herkömmliche GeschĂ€ft mit Anlagen fĂŒr fossile EnergietrĂ€ger als Problem gesehen, ist es seit einiger Zeit immer wieder Gamesa, das fĂŒr Probleme und Gewinnwarnungen sorgt. In Folge hat Energy noch kein GeschĂ€ftsjahr und nur wenige Quartale mit einem Gewinn abgeschlossen.

Der Ausblick

Um das Sorgenkind besser in den Griff zu bekommen, hat Energy seine Windkrafttochter, die lange Zeit nur eine Mehrheitsbeteiligung war, inzwischen komplett ĂŒbernommen. Daran, ob und wie schnell die Probleme nun gelöst werden, dĂŒrfte dabei auch die Zukunft von Konzernchef Bruch hĂ€ngen.

Die Aktie legte am Montag eine Achterbahnfahrt hin. Am Morgen bĂŒĂŸte sie zunĂ€chst bis zu 7 Prozent ein, drehte dann vorĂŒbergehend deutlich ins Plus, bevor sie am spĂ€ten Vormittag wieder mit AbschlĂ€gen gehandelt wurde.

@ dpa.de