Preise, Löhne

Preise in der EU steigen schneller als die Löhne

01.07.2024 - 13:30:34

Die Reallöhne der BeschÀftigten in der EU sind 2023 weiter gesunken.

Trotz stĂ€rkerer LohnzuwĂ€chse und sinkender Inflation sei die Kaufkraft im Schnitt um 0,6 Prozent gesunken, heißt es im aktuellen Tarifbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Auch in Deutschland gingen die Reallöhne um 0,3 Prozent zurĂŒck. Schuld seien die Preissteigerungen, die von den Lohnerhöhungen nicht ausgeglichen werden konnten.

GegenĂŒber 2022 habe sich der Kaufkraftverlust aber deutlich verlangsamt, so das WSI weiter. Wegen der damals hohen Inflationsraten waren die Löhne in der EU preisbereinigt um 4,2 Prozent eingebrochen, in Deutschland sogar um 4,4 Prozent. FĂŒr das laufende Jahr zeichne sich zwar in fast allen EU-LĂ€ndern wieder ein Plus bei den Reallöhnen ab. Dies werde die RĂŒckgĂ€nge der vergangenen Jahre aber nicht ausgleichen, so die WSI-Experten. Preisbereinigt lĂ€gen die Tariflöhne in Deutschland inzwischen 0,8 Prozent unter dem Niveau von 2015.

Tschechen mit dem stĂ€rksten RĂŒckgang

Insgesamt gingen die Reallöhne 2023 in 12 der 27 EU-LĂ€nder zurĂŒck. Besonders deutliche Kaufkraftverluste gab es in Tschechien (minus 4,4 Prozent), auf Malta (minus 3,8 Prozent) und in Italien (3,3 Prozent). In mehreren EU-LĂ€ndern legten die Reallöhne aber auch zu, am stĂ€rksten im Niedriglohnland RumĂ€nien (plus 7,7 Prozent) und in Belgien (5,3 Prozent), wo die Löhne per Gesetz automatisch mit der Inflation steigen.

Aus Sicht der Arbeitnehmer sei die Krise noch nicht ĂŒberwunden, urteilten die WSI-Forscher Thilo Janssen und Malte LĂŒbke. "Sie haben den Großteil der realen Einkommenseinbußen getragen, die mit dem Energiepreisschock infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine verbunden waren." Bei der Lohnentwicklung gebe es "weiterhin Aufholbedarf". Schließlich hĂ€tten sich die Verbraucherpreise dauerhaft erhöht, sie stiegen mit dem Auslaufen der Inflationswelle nur nicht mehr so schnell.

@ dpa.de