EU-PrĂŒfer, Geld

EU-PrĂŒfer: Geld aus Coronatopf geht zu langsam an EU-LĂ€nder

02.09.2024 - 17:09:32

Die schleppende Auszahlung der Mittel aus Corona-Aufbaufonds der EuropÀischen Union gefÀhrdet dem EU-Rechnungshof zufolge das Erreichen der Ziele des in der Pandemie geschaffenen Fördermitteltopfs.

Zwar steige der Anteil der von der EuropĂ€ischen Kommission ausgezahlten Mittel, heißt es in einem von den EU-PrĂŒfern veröffentlichten Bericht. Trotzdem seien die EU-LĂ€nder möglicherweise nicht in der Lage, die Mittel rechtzeitig auszuschöpfen, um geplante Projekte vor Ende der Laufzeit der Förderperiode abzuschließen und so die erhofften wirtschaftlichen und sozialen Gewinne zu erzielen. Grund sind aus Sicht des Hofes etwa Verzögerungen in den LĂ€ndern.

Beispiellos kreditfinanzierter Fördermitteltopf

Der ursprĂŒnglich 724 Milliarden Euro umfassende Fördermitteltopf mit dem Namen Aufbau- und ResilienzfazilitĂ€t (ARF) wurde 2021 geschaffen, um die wirtschaftlichen SchĂ€den durch die Corona-Pandemie zu bewĂ€ltigen. Er lĂ€uft bis 2026. Einen Teil des Geldes bekommen die LĂ€nder als ZuschĂŒsse, die nicht zurĂŒckgezahlt werden mĂŒssen, den Rest als Darlehen. DafĂŒr wurden in der EU erstmals im großen Stil gemeinsam Schulden gemacht. Ende 2058 sollen die Schulden spĂ€testens beglichen sein.

Um die Hilfen zu erhalten, mĂŒssen Mitgliedsstaaten einen Plan mit konkreten Investitions- und Reformvorhaben vorlegen. Die Gelder sind leistungsabhĂ€ngig und sollen erst dann gezahlt werden, wenn zugesagte Etappenziele und Zielwerte bei der Umsetzung geplanter Reformen und Investitionen erreicht wurden.

In Deutschland sollen mit Geld aus dem Fördertopf unter anderem mit verschiedenen Maßnahmen Planungs- und Genehmigungsverfahren im Verkehrssektor beschleunigt werden und die Digitalisierung der Verwaltung vorangetrieben werden. Insgesamt wird die Bundesrepublik jĂŒngsten Angaben zufolge 30,3 Milliarden Euro an nicht zurĂŒckzahlbaren ZuschĂŒssen abrufen können.

Zur Halbzeit weniger als ein Drittel ausgezahlt

Bis Ende 2023 waren weniger als ein Drittel der Mittel aus dem Wiederaufbaufonds ausgezahlt worden, wie die fĂŒr die Verwaltung der Gelder zustĂ€ndige EU-Kommission im Februar mitgeteilt hatte. Fast alle LĂ€nder hatten laut Rechnungshof ihre ZahlungsantrĂ€ge mit Verzögerungen bei der Kommission eingereicht. GrĂŒnde dafĂŒr seien hĂ€ufig etwa Unsicherheiten bei Umweltvorschriften und unzureichende VerwaltungskapazitĂ€ten gewesen. Auch sei etwa die fĂŒr die Umsetzung von Maßnahmen erforderliche Zeit unterschĂ€tzt worden.

Zur Mitte der Laufzeit des Fördermitteltopfs hĂ€tten die EU-LĂ€nder auch weniger als 30 Prozent ihrer vorab festgelegten Etappenziele und Zielwerte erreicht, sagte Ivana Maletic vom Rechnungshof mit Sitz in Luxemburg. "Wir weisen darauf hin, dass damit Risiken verbunden sind." Bis Ende vergangenen Jahres seien ZahlungsantrĂ€ge fĂŒr weniger als 30 Prozent der insgesamt mehr als 6.000 Etappenziele und Zielwerte eingereicht worden. Das bedeute, dass eine erhebliche Zahl an Zielen - "und darunter möglicherweise die schwierigsten" - noch erreichtwerden mĂŒsse.

Antwort der EU-Kommission

Die EU-Kommission treffe Maßnahmen, um die rechtzeitige und wirksame Umsetzung von Reformen und Investitionen durch die Mitgliedstaaten zu verbessern und Auszahlungen zu beschleunigen, hieß es von der BrĂŒsseler Behörde in einer Reaktion. Sie sei bereit, die Mitgliedstaaten weiterhin zu unterstĂŒtzen und zu beraten und insbesondere mögliche verbleibende Unsicherheiten auszurĂ€umen.

@ dpa.de