Schuhkarton-Streit: Deichmann droht Niederlage vor Gericht
Veröffentlicht am: 28.11.2025 um 16:10 Uhr | dpa.deIm Streit um MĂŒllkosten steht die Schuhfirma Deichmann vor einer Gerichtsniederlage. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen gab am Freitag eine vorlĂ€ufige Rechtsauffassung bekannt, der zufolge Deichmann nicht von einer sogenannten Systembeteiligungspflicht befreit wird. Bei diesem System mĂŒssen Firmen Geld zahlen fĂŒr die Entsorgung und Verwertung von Verpackungen, die bei privaten Endkunden landen. Ăberwacht wird dies von der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR). Gegen diese Behörde aus OsnabrĂŒck hatte Deichmann geklagt.
Bei der Verhandlung am Freitag hatte Kurt SchĂŒler von der Gesellschaft fĂŒr Verpackungsmarktforschung ein Gutachten vorgestellt, dem zufolge in Deutschland inzwischen rund 62 Prozent der SchuhkĂ€ufer den Schuhkarton aus dem Laden mitnehmen oder ihn nach einer Online-Bestellung zugeschickt bekommen. Das waren etwa acht Prozentpunkte mehr als 2020. WĂ€ren es unter 50 Prozent gewesen, so wĂ€re Deichmann vermutlich von der MĂŒllkostenpflicht befreit worden.
«Das klingt wie eine UrteilsverkĂŒndung»
Die Deichmann-AnwĂ€ltin Claudia Schoppen zeigte sich enttĂ€uscht von der vorlĂ€ufigen EinschĂ€tzung des Gerichts. «Das klingt wie eine UrteilsverkĂŒndung.» Das Gutachten sei nicht aussagekrĂ€ftig und nicht reprĂ€sentativ. Die Marktforscher hĂ€tten zu wenige GeschĂ€fte aufgesucht. Das Gutachten ist ursprĂŒnglich von 2020, damals suchten Vertreter der Gesellschaft fĂŒr Verpackungsmarktforschung 46 Firmenstandorte auf. AuĂerdem holte sie zusĂ€tzliche Marktdaten ein.
Auf Bitte des Gerichts aktualisierte die Gesellschaft ihr Gutachten dieses Jahr und suchte dafĂŒr 20 weitere GeschĂ€fte auf, fĂŒnf davon waren von Deichmann. AnwĂ€ltin Schoppen verwies auf Erkundungen von Deichmann selbst, denen zufolge 60 Prozent der Kunden den Schuhkarton dalĂ€sst. Diese Firmenerhebung spiele fĂŒr das Urteil aber keine Rolle, sagte der Richter. Aus seiner Sicht ist das strittige Gutachten durchaus aussagekrĂ€ftig und valide. Nach der vorlĂ€ufigen EinschĂ€tzung am Nachmittag zog sich die Kammer des Gerichts zurĂŒck, um zu beraten. Das Urteil sollte noch am Freitag verkĂŒndet werden.
