FlughÀfen, Deutschland

BundesbĂŒrger in Reiselaune - Herausforderung fĂŒr FlughĂ€fen

21.06.2023 - 06:30:35

Die Sommerreisewelle steht bevor. FlughÀfen sehen sich nach den Problemen 2022 besser auf den Ansturm vorbereitet. FachkrÀftemangel bereitet allerdings Hotels und GaststÀtten Sorge.

Die Menschen in Deutschland lassen sich die Reiselaune trotz hoher Inflation und gestiegener Preise fĂŒr die schönsten Wochen des Jahres nicht verderben. Veranstalter berichten kurz vor Beginn der Sommerferien im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen am Donnerstag (22. Juni) von krĂ€ftiger Nachfrage und haben teilweise die KapazitĂ€ten aufgestockt. FlughĂ€fen steht nach dem Chaos des vergangenen Sommers der HĂ€rtetest noch bevor. Die Branche zeigt sich zuversichtlich, dass es besser laufen wird als 2022.

Reisen im Schnitt teurer

«Die Reisepreise sind gestiegen, keine Frage», sagt der PrĂ€sident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), Norbert Fiebig, und verweist auf die insgesamt hohe Inflation. Durch die gestiegenen Energiekosten sei vor allem der Fluganteil bei Veranstalterreisen teurer geworden. Bei Hotels kĂ€men höhere Lebensmittelpreise hinzu. Preiserhöhungen fielen je nach Ziel und Hotel unterschiedlich hoch aus. Nach einer Auswertung des Vergleichsportals Check24 ist zum Beispiel Sardinien sogar etwas gĂŒnstiger als im Sommer 2022. Im Schnitt der 30 meistgebuchten Ziele zahlten Pauschalreisende fĂŒr eine Kombination aus Flug und Hotel bei Buchungen bis Ende Mai demnach allerdings rund acht Prozent mehr als in den Sommerferien 2022.

Keine großen Last-Minute-SchnĂ€ppchen

Nach EinschĂ€tzung Fiebigs sind angesichts hoher Nachfrage und gut ausgelasteter KapazitĂ€ten die großen Last-Minute-SchnĂ€ppchen fĂŒr den Sommer 2023 eher nicht zu erwarten. Auch in diesem Jahr werde es Reisen fĂŒr Kurzentschlossene geben. «Allerdings wird die Auswahl wegen noch etwas geringeren KapazitĂ€ten im Vergleich zu Vor-Corona aller Wahrscheinlichkeit nach nicht so umfangreich sein, wie wir das frĂŒher schon mal gesehen haben.»

Herausforderung fĂŒr FlughĂ€fen

Vertreter von FlughĂ€fen und Reisebranche sind zuversichtlich, dass sich ein Flugchaos wie im vergangenen Jahr in diesem Sommer so nicht wiederholt. Die Situation bleibe herausfordernd, erklĂ€rte der Betreiber des Frankfurter Flughafens, Fraport. «Aber wir sind vorsichtig optimistisch auch fĂŒr die kommenden Sommermonate gemeinsam mit unseren Partnern einen stabilen Betrieb in FRA mit den fĂŒr die Ferienzeit phasenweise ĂŒblichen Wartezeiten sicherzustellen.»

Insbesondere Personalmangel bei Fluggesellschaften und FlughĂ€fen hatte im vergangenen Sommer fĂŒr teils lange Wartezeiten bei der Abfertigung und Problemen beim GepĂ€ck gesorgt.

Nach Angaben des Flughafenverbandes ADV wurden an Airports unter anderem Prozesse verbessert und Mitarbeiter angeworben. Der weitgehend problemlose Ablauf in den Osterferien war aus Sicht von ADV-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Ralph Beisel nur eine erste BewĂ€hrungsprobe. «Die volle LeistungsfĂ€higkeit der AblĂ€ufe zeigt sich erst in den Sommermonaten, wenn Terminals, Vorfelder und auch der von der Flugsicherung kontrollierte Luftraum dauerhaft Höchstbelastungen ausgesetzt sind.»

Die Reisesaison 2023 werde deutlich besser laufen, aber die BewĂ€ltigung der Stoßzeiten werde je nach Flughafen und Prozessstelle fordernd sein, erwartet Beisel. DER Touristik-Manager Sven Schikarsky schließt lĂ€ngere Wartezeiten zu Stoßzeiten nicht aus. «Wir gehen jedoch nicht davon aus, dass es erneut ein Flugchaos wie im vergangenen Sommer geben wird.»

Lust auf Urlaubsreisen groß

«Wir sehen, dass trotz der Inflation die Lust auf Urlaub und Reisen wieder sehr groß ist», berichtet DER Touristik-Produktchef Schikarsky: «Wir liegen vom Umsatz her ĂŒber Sommer 2019 und in vielen Zielgebieten auch bei der GĂ€stezahl, zum Beispiel in Spanien, in der TĂŒrkei, Griechenland, Italien, Ägypten und Tunesien.»

Deutschlands grĂ¶ĂŸter Reisekonzern Tui blickt nach eigenen Angaben auf eine starke Sommersaison «und in den letzten Wochen erstmals auch wieder mit GĂ€stezahlen ĂŒber dem Jahr 2019». Veranstalter wie Alltours und Schauinsland-Reisen haben angesichts der Nachfrage Flugkontingente aufgestockt oder bieten wie der Spezialanbieter ChamĂ€leon Reisen Zusatztermine fĂŒr beliebte Ziele an.

Auch der Tourismus zwischen RĂŒgen und Garmisch-Partenkirchen profitiert von der Reiselust der Menschen. «Die durchschnittliche Buchungslage in den deutschen Urlaubsregionen ist bereits gut», sagt der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Deutschen Tourismusverbandes (DTV), Norbert Kunz. Im April lag die Zahl der Übernachtungen von GĂ€sten aus dem In- und Ausland nur noch 0,2 Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau. Auch die Zahl der auslĂ€ndischen GĂ€ste steige wieder. «Insofern blickt der Deutschlandtourismus mit Zuversicht auf die Sommersaison.»

FachkrÀftemangel bereitet Sorgen

Das Thema FachkrĂ€ftemangel beschĂ€ftigt Hotels, GaststĂ€tten und Co. in Deutschland allerdings auch in diesem Jahr. «Hotel- und KĂŒchenpersonal und ReinigungskrĂ€fte werden dringend gesucht», berichtet Kunz. Gerade in der Saison seien Servicemitarbeiter unverzichtbar. «Das kann bedeuten, dass Öffnungszeiten verkĂŒrzt und das Angebot, beispielsweise auf der Speisekarte, reduziert werden.»

@ dpa.de