Ukraine wartet auf zugesagte Milliardenhilfe
22.08.2024 - 06:18:18Es gebe zwar viele politische ErklĂ€rungen von den Partnern Kiews und viele weitere seien zu erwarten, sagte Selenskyj in seiner allabendlichen Videoansprache. "Aber wir brauchen einen echten Mechanismus." Sein Land benötige die Erlöse aus den Vermögenswerten Russlands fĂŒr die Verteidigung gegen den Aggressor. "Die entsprechenden Diskussionen laufen schon viel zu lange, und wir brauchen endlich Entscheidungen."
Die sieben groĂen westlichen Industriestaaten (G7) hatten bei ihrem Gipfel im Juni neue Finanzhilfen fĂŒr Kiew beschlossen. Der Kredit in Höhe von 50 Milliarden Dollar soll durch ZinsertrĂ€ge aus eingefrorenem russischen Vermögen abgesichert werden.
Weiter schwere KĂ€mpfe
Russische Truppen setzten derweil ihre Angriffe zur Ausweitung ihrer Gebietseroberungen rund um den Donbass fort. Nach Darstellung des Generalstabs in Kiew gab es rund um Pokrowsk schwere KĂ€mpfe. Auch aus Torezk wurden heftige Gefechte gemeldet, in deren Verlauf die russischen StreitkrĂ€fte demnach von Luftangriffen mit Gleitbomben unterstĂŒtzt wurden. Die Angaben konnten nicht unabhĂ€ngig geprĂŒft werden.
"Wir durchschauen die Bewegungen des Feindes und verstĂ€rken uns", sagte Selenskyj. Er ermahnte die westlichen Partner, rechtzeitig die zugesagten Waffen und Munition zu liefern. "Das ist fĂŒr die Verteidigung von grundlegender Bedeutung."
Kiew setzt Angriffe bei Kursk fort
Die ukrainischen StreitkrĂ€fte setzten indes ihren VorstoĂ auf russisches Gebiet bei Kursk fort. "Wir kontrollieren bestimmte Gebiete", sagte Selenskyj, ohne weitere Details zu nennen. Er dankte zudem den bei Kursk eingesetzten ukrainischen Soldaten "fĂŒr die weitere Aufstockung des Austauschfonds" - eine Umschreibung fĂŒr die Gefangennahme weiterer russischer Soldaten, die als Faustpfand gegen ukrainische StaatsbĂŒrger in den HĂ€nden der Russen ausgetauscht werden sollen.
Russland und die Ukraine tauschen regelmĂ€Ăig Kriegsgefangene aus. Vor allem in der Anfangsphase der Operation hat die Ukraine viele Kriegsgefangene gemacht, zumal auf russischer Seite zunĂ€chst keine besonders erfahrenen und schlagkrĂ€ftigen Einheiten im Einsatz waren.
Ukrainische Luftwaffe bombardiert Ziele bei Kursk
Der ukrainische Luftwaffenchef Mykola Oleschtschuk berichtete von erfolgreichen EinsĂ€tzen seiner Kampfflieger in der westrussischen Region Kursk. Dabei seien vor allem PrĂ€zisionsbomben gegen russische Stellungen und Truppenansammlungen eingesetzt worden. Auch diese Angaben konnten nicht ĂŒberprĂŒft werden.
Auch wenn russische Einheiten inzwischen dazu ĂŒbergegangen seien, verlassene HĂ€user in ihre Verteidigungslinien zu integrieren, könnten sie sich den Angriffen nicht entziehen. "Wir sehen alles, wir wissen alles", schrieb Oleschtschuk auf der Plattform Telegram. "Unsere PrĂ€zisionsbomben finden Euch ĂŒberall."
Unter PrĂ€zisionsbomben sind Gleitbomben zu verstehen, die ins Ziel ferngesteuert werden können. Bei dem Vormarsch im Gebiet Kursk wurden unter anderem zwei wichtige BrĂŒcken ĂŒber den Fluss Sejm von Kampffliegern zerstört.
Oleschtschuk machte keine Angaben dazu, welche Flugzeugtypen die Ukraine bei ihren Angriffen eingesetzt hat. Nach Ăberzeugung ukrainischer MilitĂ€rexperten kamen die vom Westen zur VerfĂŒgung gestellten Kampfflugzeuge vom amerikanischen Typ F-16 bisher nicht zum Einsatz. Die Ukraine hat noch Kampfjets vom sowjetischen Typ Mig-29 in ihrem Bestand.
Nach ukrainischer Darstellung wurden in der Region russische Luftangriffe auf Ortschaften beobachtet, die sich noch unter der Kontrolle der russischen StreitkrĂ€fte befanden. Insgesamt habe es im Tagesverlauf 17 russische Luftangriffe mit 27 Gleitbomben gegen russische Dörfer gegeben, teilte der Generalstab in Kiew mit. Diese Angaben konnten ebenso wenig unabhĂ€ngig geprĂŒft werden.

