ROUNDUP, Selenskyj

Selenskyj deutet mehr Gegenangriffe an

22.08.2025 - 06:35:05

Die Ukraine muss sich nach den Worten ihres PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj aus dem Dauerzustand der stĂ€ndigen Verteidigung gegen russische Angriffe lösen und selbst aktiv zum Angriff ĂŒbergehen.

"Dieser Krieg muss beendet werden, wir mĂŒssen Druck auf Russland ausĂŒben", sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. Kremlchef Wladimir Putin verstehe "nichts außer Macht und Druck".

Die ukrainische Armee werde Land und Volk weiter schĂŒtzen. Doch US-PrĂ€sident Donald Trump habe völlig recht, dass dies nicht nur in der Verteidigung geschehen mĂŒsse, so der ukrainische PrĂ€sident.

Trump zieht Vergleich zum Sport

Trump hatte am Donnerstag auf seiner Plattform Truth Social geschrieben: "Es ist sehr schwer, wenn nicht unmöglich, einen Krieg zu gewinnen, ohne das Land des Invasors anzugreifen." Zudem schrieb er: "Es ist wie bei einer großen Sport-Mannschaft, die eine fantastische Abwehr hat, aber nicht offensiv spielen darf. Da gibt es keine Chance zu gewinnen." Sein AmtsvorgĂ€nger Joe Biden habe der Ukraine nicht erlaubt zurĂŒckzuschlagen.

Die ukrainischen StreitkrĂ€fte unternahmen in den vergangenen Tagen bereits Gegenangriffe, so in der Region Sumy im Nordosten und bei Pokrowsk im SĂŒdosten. Bei Pokrowsk habe es erste Erfolge gegeben, teilte Armeechef Olexander Syrskyj auf Telegram mit. Dort seien sechs Orte zurĂŒckerobert worden. Die Berichte konnten nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒft werden.

Eine große Offensive ukrainischer Truppen im Sommer vergangenen Jahres war jedoch an den tief gestaffelten russischen Verteidigungslinien zerbrochen. Russische MilitĂ€rs hatten zuvor in der erwarteten Stoßrichtung tiefe Minenfelder angelegt und diese mit massiver Artillerie geschĂŒtzt.

Auch diplomatische BemĂŒhungen aufrechterhalten

Selenskyj sagte weiter, abseits der militĂ€rischen EinsĂ€tze wolle die Ukraine auch die diplomatischen BemĂŒhungen aufrechterhalten, um Wege zu Verhandlungen und Frieden zu finden. Unter anderem sei die MilitĂ€rfĂŒhrung im Kontakt mit auslĂ€ndischen Partnern, um an der militĂ€rischen Komponente der Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine zu arbeiten.

Es ist im GesprĂ€ch, dass die europĂ€ischen Partner die Ukraine nach einem Friedensschluss mit TruppenprĂ€senz absichern. Doch Russland hat andere Vorstellungen. Nach den Worten des russischen Außenministers Sergej Lawrow sollen vielmehr die Veto-MĂ€chte des UN-Sicherheitsrats, darunter auch Russland, den Frieden garantieren. Da Russland einen Einsatz jederzeit blockieren könnte, kommt diese Variante fĂŒr Kiew nicht infrage.

Selenskyj: Russland nicht an Frieden interessiert

Die Ukraine wehrt sich seit knapp dreieinhalb Jahren gegen eine russische Invasion. Nach dem Alaska-Gipfel am Freitag vergangener Woche hatten US-PrĂ€sident Trump, der ukrainische PrĂ€sident Selenskyj und europĂ€ische Spitzenpolitiker am Montag ĂŒber einen Friedensprozess fĂŒr die Ukraine beraten. Als NĂ€chstes soll nach Trumps Vorstellungen ein Treffen Putins mit Selenskyj stattfinden. Moskau Ă€ußerte sich dazu bislang ausweichend.

Selenskyj warf Moskau nun vor, nicht an einem Frieden interessiert zu sein. "Ehrlich gesagt sind die Signale aus Russland derzeit einfach unanstÀndig", sagte er. "Sie versuchen, sich aus der Notwendigkeit eines Treffens herauszuwinden. Sie wollen diesen Krieg nicht beenden. Sie setzen ihre massiven Angriffe gegen die Ukraine und ihre sehr heftigen Angriffe an der Front fort."

Kallas: Putin nicht an Verhandlungen interessiert

Auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas warf Putin vor, nicht an Verhandlungen interessiert zu sein. "Er hat kein Interesse daran, sich an einen Tisch zu setzen. Hier geht es nur um Zeit", sagte Kallas im ZDF-"heute journal". "Es ist klar, dass die Amerikaner, die Ukrainer und die EuropĂ€er Frieden möchten. Was wir von der russischen Seite aber gesehen haben, ist, dass sie nur Spiele spielen und dass sie Hindernisse formulieren."

Vor allem die Frage der Sicherheitsgarantien sei essenziell fĂŒr einen dauerhaften Frieden in der Ukraine, sagte Kallas weiter. "Bei den Sicherheitsgarantien ist es klar, dass diese nicht nur auf dem Papier stehen mĂŒssen, sondern sie mĂŒssen glaubwĂŒrdig und robust sein und tatsĂ€chlich funktionieren, und dafĂŒr brauchen wir alle Parteien, die diese Sicherheitsgarantien auf den Tisch bringen können."

@ dpa.de