ROUNDUP, Krisenherd

Familienfirma stĂŒrzt Regierung

12.03.2025 - 19:24:38

Die undurchsichtigen GeschĂ€fte eines Unternehmens der Familie von MinisterprĂ€sident LuĂ­s Montenegro haben seine konservative Minderheitsregierung in Portugal zu Fall gebracht - und das Land in Ungewissheit gestĂŒrzt.

StaatsprĂ€sident Marcelo Rebelo de Sousa verlor keine Zeit und traf am Tag nach dem erfolgreichen Misstrauensvotum die verschiedenen Parteichefs, um ĂŒber eine mögliche Neuwahl zu beraten.

Montenegro war in den vergangenen Wochen von der Opposition, die ihm Vorteilnahme und einen Interessenkonflikt vorwirft, zunehmend in die Ecke getrieben worden - bis der 52-JĂ€hrige im Parlament die Vertrauensfrage stellte und bei der Abstimmung darĂŒber eine vernichtende Niederlage erlitt.

Rebelo de Sousa könnte nun zwar auch einen anderen Politiker des RegierungsbĂŒndnisses Demokratische Allianz (AD) oder aber OppositionsfĂŒhrer Pedro Nuno Santos von der Sozialistischen Partei (PS) mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragen. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass er nach der Konsultationsrunde und der Beratung mit dem Staatsrat - einem Gremium, dem aktuelle und ehemalige MandatstrĂ€ger sowie andere Persönlichkeiten angehören - Wahlen ausrufen wird - und zwar fĂŒr den 11. oder 18. Mai.

Werden die Rechtspopulisten profitieren?

Aber egal, wie die Entscheidung Rebelos ausfĂ€llt - Portugals Zukunft ist ungewiss. Viele befĂŒrchten eine Erstarkung der Rechtspopulisten von Chega, die schon jetzt die dritte Kraft sind. Kolumnist Manuel Fonseca hatte bereits vor der Abstimmung in der Zeitung "Correio da Manha" prophezeit: "Heute gewinnt Chega." Ähnlich Ă€ußerten sich spĂ€ter Kommentatoren im Sender CNN Portugal.

Speziell in Deutschland dĂŒrften einige nun sorgenvoll auf das beliebte Urlaubsland blicken. Die geschĂ€ftsfĂŒhrende Regierung hat nur beschrĂ€nkte Befugnisse. Viele Projekte werden auf Eis gelegt, darunter auch die Privatisierung der Fluggesellschaft TAP, an der unter anderem auch die Lufthansa interessiert ist.

Alles schien in Portugal bis vor kurzem in Ordnung

Dabei kam die Krise durchaus ĂŒberraschend. Der einstige EU-SchuldensĂŒnder verzeichnet auch nach dem Regierungswechsel vom FrĂŒhjahr 2024 gute Wachstumsraten und eine historisch niedrige Arbeitslosigkeit bei anhaltend strikter Ausgabendisziplin. Doch zuletzt ĂŒberschlugen sich die Ereignisse.

Die Opposition wirft Montenegro Vorteilnahme vor. Das von Montenegro 2021 gegrĂŒndete Beratungs- und Immobilienunternehmen Spinumviva soll demnach von der Position des MinisterprĂ€sidenten profitiert haben, um VertrĂ€ge mit Privatfirmen zu unterzeichnen. Montenegro bestreitet jede UnregelmĂ€ĂŸigkeit. Informationen etwa zu den Kunden gab er allerdings nicht preis.

Im Rahmen der AffĂ€re ĂŒberstand Montenegro immerhin zwei Misstrauensvoten. Da die Opposition aber trotzdem ihre PlĂ€ne fĂŒr eine Untersuchungskommission nicht aufgab, stellte er sich der Vertrauensfrage. Die Neuwahl sei ein "notwendiges Übel". "Zwei Monate InstabilitĂ€t sind besser als anderthalb Jahre langsamer Zerfall", betonte der nun scheidende Regierungschef.

Der Regierungschef wollte keine zermĂŒrbende Untersuchung

Nach EinschĂ€tzung von Beobachtern nimmt Montenegro die Neuwahl in Kauf, weil er eine zermĂŒrbende Untersuchung verhindern wollte - und weil sein AD laut Umfragen sogar auf einen Sieg mit einem besseren Ergebnis als im MĂ€rz 2024 hoffen kann. Der GestĂŒrzte meinte, er wolle wieder kandidieren. Die Parlamentsneuwahl wĂ€re bereits die dritte innerhalb von nur gut drei Jahren.

@ dpa.de