Deutsche Konjunktur kommt nicht in Schwung
23.05.2024 - 12:34:37 | dpa.de"Die Konjunktur schmiert nicht ab, aber nach oben geht es auch nicht", sagte der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Martin Wansleben, am Donnerstag in Berlin bei der Vorstellung einer neuen Konjunkturumfrage.
GeschĂ€ftslage bleibt getrĂŒbt
Nur noch knapp drei von zehn Unternehmen bewerten laut Umfrage die aktuelle GeschĂ€ftslage als gut, ein Viertel als schlecht. Die DIHK verwies erneut auf strukturelle Probleme: Hohe Energie- und Personalkosten, FachkrĂ€ftemangel und eine ĂŒberbordende BĂŒrokratie belasteten die Betriebe. Dazu komme eine im internationalen Vergleich hohe Steuerlast.
Zwar hellen sich der Umfrage zufolge die GeschĂ€ftserwartungen der Firmen auf - es ĂŒberwiegen aber weiterhin die pessimistischen EinschĂ€tzungen. "Die Hoffnung der letzten Monate, dass ein gutes AuslandsgeschĂ€ft oder eine wieder anziehende Inlandsnachfrage als Motor der heimischen Unternehmen wirken könnten, hat sich nicht bestĂ€tigt", sagte Wansleben. Nur ein Viertel der Unternehmen plant laut Umfrage mit mehr Investitionen. Wansleben sprach von "alarmierenden Anzeichen einer schrittweisen Deindustrialisierung. Die DIHK prognostiziere beim Wirtschaftswachstum allenfalls eine Stagnation fĂŒr dieses Jahr. Die Bundesregierung sowie Wirtschaftsinstitute erwarten nur ein Mini-Wachstum.
Lage in einzelnen Branchen
Die Lagebewertung in der Industrie hat sich im Vergleich zum Jahresbeginn 2024 noch weiter verschlechtert. NeuauftrĂ€ge veharrten auf einem niedrigen Niveau, wĂ€hrend die Kosten fĂŒr Energie und Rohstoffe, Vorleistungen, Kredite oder Löhne hoch blieben oder gestiegen seien, so die DIHK. Die KonsumzurĂŒckhaltung belaste das GeschĂ€ft der VerbrauchsgĂŒterproduzenten. Eine gedĂ€mpfte Nachfrage spĂŒre auch der Handel. Im Baugewerbe dagegen entspanne sich die GeschĂ€ftslage leicht. Die Preise fĂŒr Baumaterialien seien gesunken.
"Schönreden hilft nicht"
Zwischen den SpitzenverbĂ€nden der Wirtschaft und Kanzler Olaf Scholz (SPD) gibt es Misstöne. Der Kanzler wirft der Wirtschaft vor, die Lage schlecht zu reden - er verweist auf eine sinkende Inflation, sinkende Energiekosten, eine hohe BeschĂ€ftigung sowie Fortschritte zum Beispiel beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Wansleben sagte am Donnerstag: "Schönreden hilft auch nicht." Die Bundesregierung mĂŒsse nun anpacken, dies mĂŒsse bei den Verhandlungen ĂŒber den Haushalt 2025 sichtbar werden. "Der Spirit muss gedreht werden."
Konkret fordert die DIHK vor allem steuerliche Entlastungen, um Anreize fĂŒr Investitionen zu geben. AuĂerdem mĂŒsse die BĂŒrokratie abgebaut und der Soli vollstĂ€ndig abgebaut werden. Letzteres will die FDP, das ist aber in der Koalition umstritten.
Der FDP-Wirtschaftspolitiker Reinhard Houben sagte: "Stagnation kann nicht der Anspruch der deutschen Wirtschaft sein. Die Bundesregierung muss die Weichen fĂŒr Wachstum und WettbewerbsfĂ€higkeit stellen." Ein Baustein sei BĂŒrokratieabbau. Houben wies zudem auf die Bedeutung hin, die Neuverschuldung zu begrenzen.
Warnung vor Handelsstreit
Belastend auswirken könnte sich eine VerschĂ€rfung des Handelsstreits mit China. US-PrĂ€sident Joe Biden hatte Sonderzölle von 100 Prozent gegen Elektroauto-Importe aus China verhĂ€ngt. Es könnte zu GegenmaĂnahmen Chinas kommen. Die EU untersucht derzeit, inwiefern China den Markt fĂŒr E-Autos verzerrt. Eine Entscheidung, ob die EU etwa Strafzölle erhebt, steht noch aus.
Wansleben sagte mit Blick auf die Bedeutung der deutschen Exportwirtschaft, aus deutscher Perspektive wĂŒrden Zölle keine Gewinner kennen. Politisch brĂ€chen die DĂ€mme, dies sei "brandgefĂ€hrlich". Deutschland wĂŒrde die Zeche zahlen.
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