Israel demonstriert Iran Ăberlegenheit
26.10.2024 - 14:35:14 | dpa.deDie iranische FĂŒhrung in Teheran gibt sich am Tag danach zurĂŒckhaltend: Zwei Soldaten seien getötet worden, die SchĂ€den nach den israelischen SchlĂ€gen gering. Dennoch fĂŒrchtet die Region eine Eskalation. Frankreich und GroĂbritannien rufen beide Seiten zur MĂ€Ăigung auf.
Der israelische Angriff war die Antwort auf den Beschuss mit rund 200 ballistischen Raketen am 1. Oktober durch die Revolutionsgarden, Irans Elitestreitmacht.
Arabischer Sender: MilitĂ€rexperten halten Angriff Israels fĂŒr maĂvoll
MilitÀrexperten schÀtzen nach Informationen des Fernsehsenders Al-Arabija den israelischen Angriff als wohl kalkuliert ein. Israel habe seine FÀhigkeiten demonstrieren wollen, ohne die Lage im Nahen Osten weiter zu destabilisieren. Der Sender hat seinen Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Auch israelische Experten verwiesen darauf, dass der Konflikt eher nicht aus dem Ruder laufen werde. Die "Jerusalem Post" schrieb beispielsweise: "Das Tabu fĂŒr direkte Angriffe gibt es nicht mehr, beide LĂ€nder glauben, den Konflikt handhaben zu können."
Miri Eisin, frĂŒhere israelische Regierungssprecherin, sagte CNN, der Angriff habe die Ăberlegenheit Israels, seine militĂ€rischen und geheimdienstlichen FĂ€higkeiten demonstriert. Der Armeesprecher habe Beginn und Ende offiziell kommuniziert. Man hĂ€tte das auch als verdeckten Einsatz machen können.
Die Website Axios berichtete, Israel habe den Iran vor dem Angriff vor einer Antwort darauf gewarnt. FĂŒr den Fall eines Gegenschlags sei ĂŒber Mittelsleute eine schwerere Attacke angedroht worden, insbesondere wenn es dabei Opfer in der israelischen Bevölkerung geben sollte, schrieb Axios unter Berufung auf anonyme Quellen.
US-Regierung an den Iran: Nicht weiter eskalieren
Kurz vor der PrÀsidentenwahl am 5. November hoffen die USA, dass der israelische Vergeltungsschlag der Schlusspunkt in der Eskalation sein wird. Ein ranghoher Regierungsbeamter in Washington verwies darauf, dass Israel der US-Empfehlung gefolgt sei, die Attacke auf militÀrische Ziele zu begrenzen und Opfer in der Bevölkerung zu vermeiden. PrÀsident Joe Biden und sein Team hÀtten Israel zu einer angemessenen Antwort auf den iranischen Raketenangriff vom 1. Oktober ermutigt, sagte der Regierungsbeamte dem "Wall Street Journal".
Die USA hatten Israel aufgefordert, keine Atomanlagen oder Ălfelder im Iran anzugreifen.
US-Verteidigungsminister Lloyd Austin sprach in einem Telefonat mit seinem israelischen Kollegen Joav Galant ĂŒber das "eiserne Bekenntnis" zu Israels Sicherheit. Austin betonte, die USA hĂ€tten ihre StreitkrĂ€fte verstĂ€rkt, um das US-Personal, Israel und die Partner in der Region angesichts der Bedrohung durch den Iran und die vom Iran unterstĂŒtzten Terrororganisationen zu schĂŒtzen.
Laut US-Medien waren die amerikanischen StreitkrÀfte in der Region nicht an dem Angriff beteiligt.
Scholz ruft den Iran zur ZurĂŒckhaltung auf
Bundeskanzler Olaf Scholz hat den Iran zur ZurĂŒckhaltung aufgerufen. "Das sollte jetzt nicht immer weitergehen, indem jetzt massive eskalatorische Reaktionen stattfinden, sondern es muss jetzt einmal zu Ende kommen, damit eine Möglichkeit fĂŒr eine friedliche Entwicklung im Nahen Osten eröffnet wird", sagte der SPD-Politiker im indischen Goa.
Irans Medien melden "begrenzte SchÀden" und zwei Tote
Iranische Medien meldeten "begrenzte SchĂ€den" an MilitĂ€rstĂŒtzpunkten im Land. Sie berichteten von Explosionen im Raum der Hauptstadt Teheran, in der 15 bis 20 Millionen Menschen leben. Am frĂŒhen Morgen waren auch Explosionen im Stadtzentrum zu hören und Feuer der Luftabwehr zu sehen.
Bei dem israelischen Angriff starben zwei Soldaten, wie die Agentur Tasnim unter Berufung auf eine Mitteilung der Armee meldete.
"Es besteht kein Zweifel daran, dass Israel auf jede Aktion eine angemessene Antwort erhalten wird", zitierte Tasnim eine Quelle. Tasnim gilt als Sprachrohr der Revolutionsgarden.
Das MilitĂ€r arbeitet laut einem Medienbericht an mehreren Angriffsszenarien. Die Islamische Republik könnte bis zu 1.000 ballistische Raketen auf den erklĂ€rten Erzfeind abfeuern, die Angriffe verbĂŒndeter Milizen in der Region noch ausweiten und den Schiffsverkehr im Persischen Golf und der StraĂe von Hormus stören. Andererseits könnte die FĂŒhrung in Teheran nach Angriff und Gegenangriff auch einen vorlĂ€ufigen Schlussstrich ziehen.
Israel: "Tage der Umkehr" zielte auf Raketenfabriken und -stellungen
Man fĂŒhre "als Reaktion auf die seit Monaten andauernden Angriffe des iranischen Regimes" auf Israel prĂ€zise Angriffe auf militĂ€rische Ziele im Iran durch, teilte das MilitĂ€r zu Beginn der Operation "Tage der Umkehr" mit. Nach etwa fĂŒnf Stunden mehrerer Angriffswellen erklĂ€rte die Armee den Einsatz fĂŒr beendet. Die "Mission" sei erfĂŒllt. Israels Luftangriff erfolgte in mehreren Wellen ĂŒber eine Distanz von etwa 1500 Kilometern.
Israel: Haben das Recht zu reagieren
Israels Kabinett hatte den Vergeltungsschlag örtlichen Medienberichten zufolge kurz vor dem Angriff autorisiert. Eine entsprechende Telefonkonferenz mit Regierungschef Benjamin Netanjahu und Verteidigungminister Joav Galant habe am Freitagabend stattgefunden, berichtete die Zeitung "Haaretz".
Am 1. Oktober hatten die iranischen Revolutionsgarden mit ihrem Raketenangriff Vergeltung fĂŒr eine Reihe gezielter Tötungen durch Israel gesucht, die sich gegen Akteure in Irans Netzwerk wie der libanesischen Hisbollah-Miliz und der islamistischen Hamas richteten. Israel hatte daraufhin Vergeltung angekĂŒndigt. Der Angriff begann wĂ€hrend des jĂŒdischen Ruhetags Sabbat. Die hohen jĂŒdischen Feiertage waren am Donnerstagabend zu Ende gegangen.
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