Nahverkehrstarife, Verbraucherzentrale

Nahverkehr: Verbraucherzentralen fordern Tickets für 15 oder 60 Minuten

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 07:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Verbraucherzentralen wollen den Tarifdschungel im Nahverkehr mit bundesweit einheitlichen Zeit-Tickets ersetzen. Vorgesehen sind fünf Gültigkeitsstufen von 15 Minuten bis 24 Stunden – Preise nennt das Konzept zunächst nicht.

  • Tarifsysteme im Nahverkehr haben oft komplizierte Zonen und Ticketvarianten. (Archivbild) - Bild: Christoph Soeder/dpa/dpa-tmn
    Tarifsysteme im Nahverkehr haben oft komplizierte Zonen und Ticketvarianten. (Archivbild) - Bild: Christoph Soeder/dpa/dpa-tmn
  • Verbraucherschützerin Pop fordert ein Tarifsystem, «das überall gleich funktioniert».  - Bild: Britta Pedersen/dpa
    Verbraucherschützerin Pop fordert ein Tarifsystem, «das überall gleich funktioniert». - Bild: Britta Pedersen/dpa
  • Der Preis des Deutschlandtickets für 2027 wird bald ermittelt. (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
    Der Preis des Deutschlandtickets für 2027 wird bald ermittelt. (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
Tarifsysteme im Nahverkehr haben oft komplizierte Zonen und Ticketvarianten. (Archivbild) - Bild: Christoph Soeder/dpa/dpa-tmn Verbraucherschützerin Pop fordert ein Tarifsystem, «das überall gleich funktioniert».  - Bild: Britta Pedersen/dpa Der Preis des Deutschlandtickets für 2027 wird bald ermittelt. (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa

Die Verbraucherzentralen schlagen ein bundesweit einheitliches Preismodell für Busse und Bahnen vor, bei dem sich der Fahrpreis ausschließlich nach der im Fahrplan vorgesehenen Nutzungszeit richtet.

Fünf Ticketstufen sollen reichen

Statt unterschiedlicher Zonen, Ringe und Verbundtarife soll es nach dem Vorschlag nur noch Fahrscheine für 15, 30, 60 und 120 Minuten sowie für 24 Stunden geben. Das Modell solle leicht verständlich sein und nach einmaligem Verständnis überall genutzt werden können.

Ramona Pop, Chefin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Wer in Deutschland Bus und Bahn nutzt, braucht ein Tarifsystem, das überall gleich funktioniert.» Das Deutschlandticket sei ein wichtiger Anfang, löse aber nicht das Problem gelegentlicher Nutzerinnen und Nutzer.

Digital und am Automaten

Das Zeitmodell soll nach den Vorstellungen der Verbraucherschützer sowohl digital als auch analog funktionieren. Möglich wären demnach weiterhin Fahrscheinautomaten sowie digitale Ein- und Auscheckverfahren, bei denen automatisch der günstigste Preis berechnet wird.

Die Fahrzeit soll nach dem Fahrplan bestimmt werden. Verspätungen oder Zugausfälle dürften dadurch nicht zu einer längeren Abrechnung führen. Preise nennt das Positionspapier nicht; das Modell könne grundsätzlich auf dem Niveau der bisherigen Fahrgeldeinnahmen ausgestaltet werden.

Modellrechnung mit fünf Preisen

Ein Gutachten hat auf Basis der Preise des Jahres 2026 beispielhaft mögliche Tarife berechnet. Demnach könnte ein 15-Minuten-Ticket 2,50 Euro kosten, ein 30-Minuten-Ticket 3,50 Euro, ein 60-Minuten-Ticket 5 Euro und ein 120-Minuten-Ticket 6,50 Euro. Für 24 Stunden werden 14,50 Euro genannt. Ein Ermäßigungstarif könnte jeweils die Hälfte kosten.

Deutschlandticket vor Preisanpassung

Das 2023 eingeführte Deutschlandticket nutzen inzwischen 14,5 Millionen Menschen. Es gilt im Regional- und Nahverkehr bundesweit, wird monatlich kündbar angeboten und kostet seit Jahresbeginn 63 Euro.

Für 2027 soll der Preis erstmals anhand eines Indexes berechnet werden, der unter anderem Personal- und Energiekosten berücksichtigt. Eine Entscheidung wird demnächst erwartet. Bund und Länder zahlen bereits jeweils 1,5 Milliarden Euro jährlich als Ausgleich für Einnahmeausfälle der Verkehrsunternehmen.

Die Verbraucherzentralen sehen ihr Zeitmodell als Ergänzung zum Deutschlandticket: Die Flatrate erleichtere Fahrten für Pendler und Vielfahrer, während die fünf Zeitstufen vor allem Menschen ansprechen sollen, die nur gelegentlich Busse und Bahnen nutzen und kein Abonnement abschließen möchten.

Einfachheit als Zugangshürde

Der Vorschlag setzt an einem Problem an, das besonders Gelegenheitsfahrgäste betrifft: Nahverkehrstarife unterscheiden sich je nach Verkehrsverbund, Stadt und Strecke. Zonen, Ringe, Kurzstreckenregeln und Anschlussbedingungen machen den Preis vor Fahrtbeginn oft schwer einschätzbar. Ein bundesweit einheitliches Zeitmodell würde diese erste Entscheidung deutlich vereinfachen.

Die Orientierung an der Fahrzeit hätte zugleich eine praktische Grenze. Fahrgäste müssten zuverlässig wissen, welche tariflich relevante Zeit der Fahrplan für eine Verbindung vorsieht. Bei Umstiegen, längeren Wegen zum Bahnsteig oder unterschiedlichen Fahrplanauskünften könnten neue Abgrenzungsfragen entstehen. Die geplante Berechnung nach Fahrplan würde Verspätungen zwar aus der Preisberechnung herausnehmen, aber nicht jede Alltagssituation lösen.

Preis und Zuständigkeit

Entscheidend wäre deshalb die konkrete Preisgestaltung. Ein 15-Minuten-Ticket müsste für kurze Wege attraktiv bleiben, während ein 24-Stunden-Ticket im Verhältnis zu regionalen Angeboten und zum Deutschlandticket stehen müsste. Das Ziel der Erlösneutralität könnte die Umstellung erleichtern, würde aber nicht automatisch garantieren, dass jede heutige Fahrt günstiger oder teurer würde.

Für Bund, Länder und Verkehrsverbünde entstünde zudem erheblicher Abstimmungsbedarf. Das Deutschlandticket zeigt, dass einheitliche Regeln bundesweit verständlich vermittelbar sind, wird jedoch über ein monatliches Abonnement finanziert. Ein Zeit-Ticketmodell für Einzel- und Gelegenheitsfahrten müsste dagegen Einnahmen, Vertrieb, Sozialtarife und die technische Abrechnung vieler Verkehrsunternehmen zusammenführen.

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