EZB stĂŒtzt Konjunktur mit achter Zinssenkung seit Juni 2024
05.06.2025 - 14:27:39Damit wird es fĂŒr Firmen tendenziell billiger, sich fĂŒr Investitionen Geld zu leihen - das kann die Konjunktur ankurbeln. Sparerinnen und Sparer jedoch mĂŒssen mit niedrigeren Tages- und Festgeldzinsen rechnen.
Die EZB senkt den fĂŒr Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,0 Prozent. Damit hat die Notenbank den Einlagenzins seit Beginn der Zinssenkungen im vergangenen Sommer halbiert.
Zudem setzen die Euro-WĂ€hrungshĂŒter den Zins weiter herunter, zu dem sich GeschĂ€ftsbanken frisches Geld bei der Notenbank besorgen können: Statt 2,4 Prozent werden nun 2,15 Prozent fĂ€llig.
Zum weiteren Kurs gab es zunĂ€chst keine konkreten Hinweise der Notenbank: Die Lage sei weiterhin von "auĂergewöhnlich hoher Unsicherheit" geprĂ€gt.
Zollstreit Gift fĂŒr Konjunktur
Volkswirte hatten mit dem Schritt gerechnet, da die Inflation im Euroraum deutlich zurĂŒckgegangen ist. Zugleich belastet der Zollstreit mit US-PrĂ€sident Donald Trump die Konjunktur. Allein die Unsicherheit ist Gift, wie EZB-VizeprĂ€sident Luis de Guindos in einem Interview betonte: Der Handelskonflikt beeintrĂ€chtige Investitionen, schwĂ€che das Vertrauen der Haushalte und verringere die Wachstumsaussichten der europĂ€ischen Wirtschaft.
"Die Handelsverhandlungen sind noch nicht abgeschlossen, aber letztlich werden die Zölle wahrscheinlich höher ausfallen als vor dem Antritt der neuen US-Regierung", sagte de Guindos. Sollte zudem China wegen US-Handelsschranken Exporte nach Europa umleiten, werde das weitere "erhebliche Auswirkungen" haben.
Starker Euro als Chance im Welthandel
EZB-PrĂ€sidentin Christine Lagarde sieht durch die ErschĂŒtterung der seit Jahrzehnten bestehenden Weltordnung ebenfalls erhebliche Risiken fĂŒr die Wirtschaft, wie sie jĂŒngst in Berlin sagte. "An die Stelle der multilateralen Zusammenarbeit sind Nullsummendenken und bilaterale Machtspiele getreten", kritisierte Lagarde, ohne Trump wörtlich zu nennen. Zugleich eröffneten sich neue Chancen: "Angesichts des derzeitigen Wandels scheint die Zeit reif zu sein fĂŒr eine gröĂere internationale Rolle des Euro."
Inflation auf dem RĂŒckzug
Hauptziel der EZB sind stabile Preise und damit ein stabiler Euro. Erreicht sieht sie das mittelfristig bei einer Inflationsrate von 2,0 Prozent im WÀhrungsraum der 20 Staaten. Im Mai unterschritt die Teuerungsrate einer ersten SchÀtzung des Statistikamtes Eurostat zufolge das EZB-Ziel sogar und fiel auf 1,9 Prozent.
Je höher die Inflation, umso geringer die Kaufkraft der Menschen, weil sie sich dann fĂŒr einen Euro weniger leisten können. Aber auch dauerhaft sinkende Preise wollen Zentralbanken möglichst vermeiden: Denn in diesem Fall könnten Firmen und Verbraucher Investitionen in der Hoffnung auf bald noch gĂŒnstigere Preise aufschieben - das wĂŒrde die Konjunktur bremsen.
Vorerst letzte Zinssenkung?
Manches deutet darauf hin, dass die nun beschlossene Zinssenkung vorerst die letzte im Euroraum war. Selbst BefĂŒrworter einer lockeren Geldpolitik wie Griechenlands Notenbankchef Yannis Stournaras erwarten nach der Juni-Zinssenkung eine Pause, wie er kĂŒrzlich sagte.
Auch EZB-Direktorin Isabel Schnabel trat jĂŒngst auf die Bremse und plĂ€dierte fĂŒr eine Zinspolitik der "ruhigen Hand". Und Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel mahnte seine Kolleginnen und Kollegen im EZB-Rat, angesichts hoher Unsicherheiten in der Geldpolitik "vorsichtig" zu bleiben.

