250 Milliarden Dollar Schaden durch Naturkatastrophen
09.01.2024 - 09:03:28Erdbeben, WirbelstĂŒrme, Ăberschwemmungen, Unwetter und sonstige Naturereignisse haben im vergangenen Jahr weltweit SchĂ€den von 250 Milliarden Dollar angerichtet und 74.000 Menschenleben gefordert. Das berichtet der RĂŒckversicherer Munich Re in der neuen Ausgabe seines jĂ€hrlichen Naturkatastrophenreports. Die meisten Opfer forderte die verheerende Erdbebenserie in der TĂŒrkei und Syrien im Februar.
Die Zahl der Todesopfer sei die höchste seit 2010, sagte Ernst Rauch, der Chef-Geowissenschaftler des Dax-Konzerns. «Das war vor allem das Erdbeben in der TĂŒrkei mit 58.000 Toten.» Mit volkswirtschaftlichen SchĂ€den von 50 Milliarden Dollar war dies laut Munich Re auch die finanziell schwerwiegendste Naturkatastrophe des vergangenen Jahres. Versichert war davon nur ein kleiner Anteil von 5,5 Milliarden Dollar. Weltweit ĂŒber das Gesamtjahr gerechnet ĂŒbernahmen Versicherer 95 der 250 Milliarden Dollar SchĂ€den.
Die Munich Re dokumentiert seit Jahrzehnten die weltweiten von der Natur verursachten Zerstörungen, da dies fĂŒr die Berechnung der VersicherungsbeitrĂ€ge von Bedeutung ist. Die 250 Milliarden Dollar (228 Mrd. Euro) volkswirtschaftlicher GesamtschĂ€den entsprechen demnach dem Schnitt der vergangenen fĂŒnf Jahre.
SchÀden steigen im langfristigen Trend
Der lÀngerfristige Trend zeigt nach oben: Inflationsbereinigt lagen die GesamtschÀden im Zehn-Jahres-Schnitt (2013 bis 2022) noch bei 230 Milliarden Dollar, im Mittel der 30 Jahre von 1993 bis 2022 waren es 180 Milliarden.
Das weltweite Schadensbild wich 2023 vom Gewohnten ab: Anders als in vielen anderen Jahren gab es laut Munich Re in den IndustrielĂ€ndern keine immensen SchĂ€den durch einzelne sehr groĂe WirbelstĂŒrme, Hochwasserfluten oder eine sonstige GroĂkatastrophe. «Typischerweise hatten wir in der Vergangenheit ein oder mehrere wirkliche GroĂereignisse, die einen groĂen Teil der Schadensumme verursacht haben», sagte Chef-Geowissenschaftler Rauch.
So hatte 2022 allein der Hurrikan Ian, der den US-Bundesstaat Florida und die Karibik traf, 60 von weltweit 125 Milliarden Dollar versicherter SchĂ€den verursacht. «Das war ein einzelnes Ereignis, auf das fast die HĂ€lfte der gesamten SchĂ€den zurĂŒckzufĂŒhren war.»
2023 traf keine derart groĂe Naturkatastrophe ein Industrieland. «In diesem Jahr haben wir keine Spitzenbelastung, weder gesamtwirtschaftlich noch fĂŒr die Versicherungswirtschaft, dennoch war es ein Jahr mit gravierenden und auffĂ€lligen SchĂ€den», sagte der Wissenschaftler. «Neu und sowohl gesellschaftlich als auch ökonomisch relevant ist, dass die SchĂ€den sehr stark von sogenannten Schwergewitterereignissen getrieben waren.»
Die Vielzahl mittelgroĂer und kleinerer Unwetter bewirkte nach Angaben des Unternehmens deutlich mehr als die HĂ€lfte der SchĂ€den. «Beim Ereignistyp Schwergewitter/Unwetter sehen wir seit Jahren eine Entwicklung zu immer höheren SchĂ€den, also so etwas wie einen Trend, der wahrscheinlich mit dem Klimawandel zusammenhĂ€ngt», sagte Rauch.
Steigende Temperaturen begĂŒnstigen Unwetter
BegĂŒnstigt wurden die Unwetter durch die im globalen Schnitt sehr hohen Temperaturen. Der Dax-Konzern verwies darauf, dass die Durchschnittstemperaturen bis November rund 1,3 Grad Celsius ĂŒber denen der vorindustriellen Zeit (1850-1900) lagen und 2023 damit das wĂ€rmste Jahr seit Beginn der Temperaturmessungen war.
Laut Munich Re wurden sowohl in Nordamerika als auch in Europa noch nie derart hohe GewitterschĂ€den verzeichnet: In Nordamerika waren es 66 Milliarden Dollar. FĂŒr Europa bezifferte der Konzern die GesamtschĂ€den auf 10 Milliarden Dollar (rund 9,1 Mrd Euro).
«FĂŒr diese Unwetter gibt es in der Versicherungswirtschaft die Begriffe «secondary perils» und «non peak perils»», sagte Rauch. «Aber diese frĂŒheren Nebengefahren oder Nicht-Spitzenereignisse haben sich aufaddiert in eine Dimension bewegt, die bereits einzelnen GroĂereignissen nahe kommt.» Die Versicherungswirtschaft mĂŒsse ihr Risikomanagement anpassen. «Aber auch die breitere Gesellschaft muss darauf vorbereitet sein, dass Unwetterereignisse deutlich höhere SchĂ€den verursachen.»
PrĂ€vention ist jedoch nach Rauchs Worten möglich: «Bei der Höhe der von Naturkatastrophen verursachten SchĂ€den gibt es drei Treiber», sagte der Geologe. «Das Eine ist die Natur, das heiĂt die Schwere des Ereignisses. An zweiter Stelle steht der finanzielle Wert der beschĂ€digten GĂŒter, das ist aktuell durch die Inflation stark beeinflusst.»
An dritter Stelle stehe die VulnerabilitĂ€t - beziehungsweise Resilienz: «Wie gut sind GebĂ€ude oder Infrastruktur gegen Extremereignisse geschĂŒtzt? Dieser dritte Faktor ist die gröĂte Stellschraube, wenn man nach Lösungswegen sucht, um die Schadenentwicklung zu dĂ€mpfen.»


