Neue WindrĂ€der - welche HĂŒrden die Energiebranche sieht
18.07.2023 - 15:54:09Der Ausbau von WindrĂ€dern in Deutschland kommt voran - die Messlatte aber wird bei Weitem noch nicht erreicht. Vier bis fĂŒnf neue WindrĂ€der im Schnitt pro Tag bis 2030, das war die Ansage von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). Im ersten Halbjahr dieses Jahres waren es noch nicht einmal zwei.
Die Diskrepanz zwischen dem aktuellen Zubau und dem politisch gewollten Zielpfad sei weiterhin groĂ, sagte Dennis Rendschmidt, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Verbands VDMA Power Systems. Es sei ein vierfaches Ausbautempo nötig, sagte die PrĂ€sidentin des Bundesverbands Windenergie, BĂ€rbel Heidebroek. Die Branche sieht noch viele Hindernisse.
Mehr WindrÀder im ersten Halbjahr
Im ersten Halbjahr 2023 wurden 331 WindrÀder mit einer Gesamtleistung von rund 1,56 Gigawatt errichtet, wie die BranchenverbÀnde mitteilten. Weil auch alte Anlagen stillgelegt wurden, ergab sich ein sogenannter Netto-Zubau von rund 1,32 Gigawatt - 50 Prozent mehr als im Vorjahreshalbjahr.
Im ersten Halbjahr 2023 wurden auĂerdem Genehmigungen fĂŒr 585 neue Windenergieanlagen mit einer Leistung von zusammen rund 3,2 Gigawatt erteilt. Die Genehmigung eines Windrads durch die zustĂ€ndigen Behörden gilt als entscheidende HĂŒrde. Danach gibt es eine Ausschreibung, danach den Bau eines Windrads.
Die Bundesregierung hatte im vergangenen Jahr umfangreiche MaĂnahmen beschlossen, um den Ausbau der erneuerbaren Energien aus Wind und Sonne zu beschleunigen. Dies spielt eine SchlĂŒsselrolle fĂŒr das Erreichen der Klimaschutzziele und die Entkopplung von Energien wie Kohle und Gas. Das Ziel: 80 Prozent des verbrauchten Stroms soll 2030 aus erneuerbaren Quellen kommen, derzeit ist es etwas mehr als die HĂ€lfte. Die Branche sieht WindrĂ€der an Land als das «Zugpferd» der Energiewende, also dem Ersatz fossiler Energien aus Kohle, Gas und Ăl.
Das Ziel der Bundesregierung bis 2030 ist eine installierte KapazitÀt von rund 115 Gigawatt bei WindrÀdern an Land in Deutschland. Aktuell sind nach Branchenangaben rund 28 500 WindrÀder mit zusammen rund 59 Gigawatt Leistung in Betrieb. Von 2025 an sollen pro Jahr 10 Gigawatt ans Netz gehen. Dabei nimmt die Leistung des einzelnen Windrads immer mehr zu.
Starkes GefÀlle unter LÀndern
Mit 38 Prozent des Zubaus im ersten Halbjahr 2023 sei Schleswig-Holstein unangefochtener Spitzenreiter, so die VerbĂ€nde. Es folgten mit deutlichem Abstand Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. Insbesondere in SĂŒddeutschland stocke der Ausbau
weiterhin.
Im flĂ€chenmĂ€Ăig gröĂten Bundesland Bayern gibt es laut Branche umgerechnet auf die LandesflĂ€che eine Leistung von 37 Kilowatt pro Quadratkilometer - Schleswig-Holstein liegt bei einem Wert von 505 Kilowatt pro Quadratkilometer.
Das Ziel ist, dass zwei Prozent der gesamten BundesflĂ€che an Land fĂŒr WindrĂ€der ausgewiesen werden. Dazu wurden die LĂ€nder gesetzlich verpflichtet, mehr FlĂ€chen bereitzustellen. FĂŒr die einzelnen LĂ€nder gelten bis Ende 2032 unterschiedliche Ziele, weil es unterschiedliche Voraussetzungen fĂŒr den Ausbau der Windenergie gibt. Aktuell wĂŒrden aber nur etwa 0,7 Prozent der FlĂ€chen ausgewiesen, so Heidebroek. «Das ist natĂŒrlich viel zu wenig.» AuĂerdem sei das Jahr 2032 zu weit weg, das FlĂ€chenziel mĂŒsse zeitlich vorgezogen werden.
HĂŒrden fĂŒr den schnelleren Ausbau
Die Bundesregierung habe zwar vieles auf den Weg gebracht - das sei aber an der «Basis» oft noch nicht angekommen, sagte Heidebroek - also in den Behörden vor Ort in den Kommunen und Landkreisen. Jahrelang habe es eher die Tendenz gegeben, zu schauen, was gegen ein Projekt sprechen könnte. WindrÀder sind vor Ort oft umstritten. Es sei nun ein Umdenken in den Behörden nötig, so Heidebroek: wie könne ein Windrad realisiert werden? Es brauche zudem mehr Digitalisierung und mehr Personal. Die Planungs- und Genehmigungsverfahren dauerten immer noch viel zu lange. Nach Angaben der VerbÀnde hat sich die Dauer zuletzt sogar noch erhöht, auf im Durchschnitt 24,5 Monate.
Ein groĂes Problem sieht die Branche auch beim Transport - WindrĂ€der gelangen meist auf der StraĂe zum Zielort. In Deutschland brauche man durchschnittlich zwölf Wochen fĂŒr die Genehmigung eines groĂen Schwertransports, sagte Rendschmidt. «In Holland sind das vier bis fĂŒnf Tage.» Bei einem geplanten Zubau von 10 Gigawatt Windkraft pro Jahr seien ungefĂ€hr 120 000 Genehmigungen fĂŒr Schwertransporte in Deutschland nötig. Drei Viertel davon könnten wegfallen, indem Standards vereinheitlicht wĂŒrden.


