Firmenpleiten, Zahl

Mehr Firmenpleiten 2024 erwartet

04.03.2024 - 06:06:13

Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland wird nach EinschÀtzung des Finanzinformationsdienstes Crif im laufenden Jahr wieder auf Vor-Corona-Niveau steigen.

Nach einer Zunahme um gut ein FĂŒnftel (22,4 Prozent) auf knapp 17 850 FĂ€lle im vergangenen Jahr rechnet Crif nach Mitteilung vom Montag fĂŒr 2024 mit 19 800 Unternehmensinsolvenzen. Das wĂ€ren in etwa so viele wie in den Jahren vor der Pandemie (2018: 19 552, 2019: 19 005).

Amtliche Zahlen des Statistischen Bundesamtes fĂŒr 2023 werden Mitte MĂ€rz erwartet. Von Januar bis November 2023 stieg die Zahl der Firmenpleiten der Wiesbadener Behörde zufolge zum Vorjahreszeitraum um knapp ein Viertel (23,2 Prozent) auf 16 264 FĂ€lle. Im Gesamtjahr 2022 hatte das Bundesamt 14 590 Firmenpleiten gezĂ€hlt. Zum Vergleich: Im Jahr der Wirtschaftskrise 2009 hatte es fast 33 000 Firmenpleiten hierzulande gegeben.

Trotz steigender Zahlen keine "Pleitewelle"

Von einer "Insolvenzwelle" könne daher trotz des Trends nach oben keine Rede sein, ordnete Crif-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Frank Schlein ein: "Der Großteil der Unternehmen ist weiterhin finanziell gut aufgestellt, auch wenn eine steigende Anzahl an Großinsolvenzen zu weiteren Insolvenzen fĂŒhren kann."

Regional betrachtet hĂ€tten die Zahlen im vergangenen Jahr mitunter allerdings "alarmierend" angezogen: so etwa in Bremen (plus 53,9 Prozent), wo es den Crif-Berechnungen zufolge auch die höchste Insolvenzdichte mit 113 Pleiten je 10 000 Unternehmen gab. Über dem Bundesschnitt von 59 Pleiten je 10 000 Firmen lagen auch Berlin (100), Hamburg (78), Nordrhein-Westfalen (76), das Saarland (70), Schleswig-Holstein (64) und Hessen (60). Die wenigsten Pleiten je 10 000 Unternehmen gab es im Jahr 2023 demnach in ThĂŒringen (38).

Mehr Insolvenzen in allen BundeslÀndern

In allen BundeslĂ€ndern stiegen den Crif-Zahlen zufolge die Insolvenzzahlen im Vergleich zum Vorjahr. Mehr Pleiten als ein Jahr zuvor wurden demnach vor allem bei Pflegeeinrichtungen, Call-Centern, in der Gastronomie, bei Fitnessstudios und privaten Sicherheitsdiensten gezĂ€hlt. Absolut gesehen meldeten nach Crif-Angaben 2023 Nordrhein-Westfalen (4639), Bayern (2492) und Baden-WĂŒrttemberg (1862) die meisten Firmenpleiten.

Auch andere Experten rechnen damit, dass im laufenden Jahr die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland weiter steigt. GeschwÀcht von den Corona-Jahren, hohen Energiepreisen und gestiegenen Zinsen geraten immer mehr Firmen in Deutschland in Schieflage. Zudem sind Ausnahmeregelungen ausgelaufen, mit denen der Staat versucht hatte, eine Pleitewelle wÀhrend der Pandemie abzuwenden. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform beispielsweise hatte Anfang Dezember eine Zahl von "um die 20 000" Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2024 als realistisch bezeichnet. Analysten von Allianz Trade erwarten etwa 20 260 FÀlle.

@ dpa.de