Studie: Zinsen treiben Bankgewinne hoch
16.07.2023 - 07:54:31Der schnelle Anstieg der Zinsen im vergangenen Jahr hat laut einer Studie die Gewinne der europĂ€ischen Banken in die Höhe getrieben. Die Betriebsergebnisse der Privatkundenbanken in elf europĂ€ischen LĂ€ndern legten 2022 demnach im Schnitt um 18 Prozent zu, die UmsĂ€tze um 8 Prozent. In Deutschland aber arbeitet die Durchschnittsbank nach wie vor weit weniger profitabel als im ĂŒbrigen Europa. Das ergab die Analyse des europĂ€ischen Bankensektors, die die Unternehmensberatung Strategy& in MĂŒnchen veröffentlichte.
Am meisten Geld verdienten demnach - wie bereits im Vorjahr - Schweizer Banken mit einem Gewinn von 426 Euro pro Kunde. Die österreichischen Institute lagen mit 292 Euro an fĂŒnfter Stelle, die deutschen HĂ€user mit 201 Euro auf Platz neun und damit unter den letzten drei. Die Unternehmensberatung zog auch den Vergleich zu den Privatkundenbanken in den USA und Australien - die europĂ€ischen HĂ€user wuchsen schneller und erzielten im Schnitt höhere Gewinne pro Kunde. In den Jahren nach der internationalen Finanzkrise 2008/09 galten die US-Banken international noch als wettbewerbsfĂ€higer.
«Die Rahmenbedingungen fĂŒr die europĂ€ischen Privatkundenbanken sind so gĂŒnstig wie lange nicht mehr», sagte Studienautor Andreas Pratz. Neben den steigenden Zinsen haben laut Strategy& mittlerweile auch die Sparprogramme der vergangenen Jahre einen Effekt: Demnach haben 80 Prozent der europĂ€ischen Banken ihre Gewinne in den vergangenen sechs Jahren durch die Umgestaltung ihrer GeschĂ€fts - und Betriebsmodelle gesteigert. Damit gemeint sind im wesentlichen die Welle der FilialschlieĂungen und der Ausbau des Online-Banking.
Die Autoren warnen Europas Banker jedoch davor, sich auf den FrĂŒchten ihrer Arbeit auszuruhen: «FĂŒr einen GroĂteil der Privatkundenbanken geht es aktuell bestĂ€ndig nach oben», sagte Koautor Johannes GĂ€rtner. «Das sollte aber nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass sich zugleich viele neue Anbieter in Stellung bringen, etwa aus dem Big-Tech-Bereich oder der Fintech-Szene.»


