VerschÀrfte EM-Grenzkontrollen sollen auslaufen
14.07.2024 - 15:52:55Sie seien zeitlich befristet und als ultima ratio (letztes Mittel) anzuwenden, hieà es Wochenende vom Bundesinnenministerium. Zuvor hatte es von Union und FDP Forderungen nach VerlÀngerung gegeben, um irregulÀre Migration einzudÀmmen.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hatte bei der EU wegen der EM an allen Grenzen Kontrollen bis zum 19. Juli angemeldet. Danach wird es wie zuvor weiter temporĂ€re Kontrollen an den Grenzen zu Schweiz, Tschechien und Polen bis einschlieĂlich 15. Dezember sowie Ăsterreich bis 11. November geben.
WÀhrend der EM waren Tausende unerlaubte Einreisen unterbunden, zahlreiche Schleuser vorlÀufig festgenommen und Hunderte offene Haftbefehle vollstreckt worden. Eine vorlÀufige Bilanz will das Ministerium einem Sprecher zufolge am Montagvormittag ziehen.
FDP und Union: Grenzkontrollen wirken
FDP-Fraktionschef Christian DĂŒrr bilanzierte, die Polizeikontrollen fĂŒhrten dazu, "dass wir sehr effektiv diejenigen aufgreifen, die illegal ins Land kommen wollen". Eine Beibehaltung halte er fĂŒr bedenkenswert, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.
Die CSU sieht dies Ă€hnlich. Parteichef Markus Söder sagte im ZDF-Sommerinterview, ein Auslaufen dieser Kontrollen wĂ€re "ein RĂŒckfall und auch ein Bruch des Versprechens des Bundeskanzlers, den Schutz Deutschlands voranzubringen" CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt warnte, eine NichtverlĂ€ngerung wĂ€re "absolut fahrlĂ€ssig". Auch die Innenminister der unionsgefĂŒhrten BundeslĂ€nder warben auf ihrer Konferenz in Dresden am Freitag fĂŒr eine VerlĂ€ngerung.
Ministerium betont besondere UmstĂ€nde fĂŒr die Grenzkontrollen bei EM
Das Bundesinnenministerium wies darauf hin, dass anlassbezogene vorĂŒbergehende Grenzkontrollen an den Schengen-Binnengrenzen eine ernste Bedrohung der öffentlichen Ordnung oder inneren Sicherheit voraussetzen. Ein Sprecher betonte, dass die Bundespolizei auch nach der EM im Grenzgebiet zu DĂ€nemark, den Benelux-Staaten und Frankreich mit dem zulĂ€ssigen Instrument der Schleierfahndung - also gezielten Kontrollen - gegen grenzĂŒberschreitende KriminalitĂ€t vorgeht.
Die GrĂŒnen halten wenig von DĂŒrrs VorstoĂ. "Es ist eine Sache, mit temporĂ€ren Grenzkontrollen den Kontrolldruck auf Hooligans, potenzielle Terroristen und andere Kriminelle zu erhöhen, und eine andere, mit stationĂ€ren Kontrollen an 2.000 Kilometern Binnengrenze jahrelang zu versuchen, die Migration zu reduzieren", sagte der GrĂŒnen-Innenexperte Marcel Emmerich dem "Tagesspiegel".
Bundespolizeigewerkschaft: "Auf Dauer nicht durchhaltbar"
Die Bundespolizei war nach Ministeriumsangaben vom Mittwoch bei der EM tĂ€glich mit 22.000 Beamtinnen und Beamten im Einsatz. FĂŒr die Forderung von Union und FDP fehlt aus Sicht der Gewerkschaft Personal und AusrĂŒstung. "Die Grenzkontrollen haben wĂ€hrend der EM zu 100 Prozent funktioniert. Es ist aber nicht auf Dauer durchhaltbar, die Grenzen in dieser IntensitĂ€t zu schĂŒtzen", machte Polizeigewerkschafter RoĂkopf im Interview des Redaktionsnetzwerkes Deutschland (RND) klar.
Justizminister will Leistungen fĂŒr bestimmte Asylbewerber kĂŒrzen
Ein neuer VorstoĂ zur Reduzierung irregulĂ€rer Migration kommt von Bundesjustizminister Marco Buschmann. In der "Welt am Sonntag" sprach sich der FDP-Politiker dafĂŒr aus, Sozialleistungen fĂŒr Asylbewerber zu kĂŒrzen, die ĂŒber ein anderes EU-Land nach Deutschland einreisen. Buschmann verwies auf das Dublin-System, wonach der EU-Staat fĂŒr einen FlĂŒchtling zustĂ€ndig ist, in dem dieser die EU betreten hat. "Viele kommen aber trotzdem nach Deutschland", beklagte Buschmann. Die Sozialleistungen sollten seiner Ansicht nach in diesen FĂ€llen auf die Finanzierung der RĂŒckkehrkosten beschrĂ€nkt sein.

