Geiselfreilassung offenbar erst Freitag - Die Nacht im Ăberblick
23.11.2023 - 06:35:10Laut ĂŒbereinstimmenden israelischen Medienberichten dĂŒrfte sie nicht vor Freitag erfolgen. Die Zeitung "Haaretz", der TV-Sender N12 und die "The Times of Israel" beriefen sich dabei auf ĂuĂerungen von Israels Sicherheitsberater Tzachi Hanegbi. Die Hamas hatte am Vortag noch erklĂ€rt, die vereinbarte Kampfpause solle am Donnerstag um 9.00 Uhr MEZ beginnen. Entsprechend war der erste Austausch von in Israel entfĂŒhrten Geiseln gegen palĂ€stinensische HĂ€ftlinge noch fĂŒr denselben Tag erwartet worden. Derweil gab es laut Israels Armee am Donnerstagmorgen wieder Raketenalarm im Grenzgebiet.
Armeesprecher: RĂŒckfĂŒhrung der Geiseln kann dauern
"Die GesprĂ€che ĂŒber die Freilassung unserer Geiseln schreiten voran und werden laufend fortgesetzt", wurde Hanegbi am Mittwochabend zitiert. Die "Times of Israel" zitierte Hanegbi mit den Worten: "Die Freilassung wird gemÀà der ursprĂŒnglichen Vereinbarung zwischen den Parteien beginnen, und nicht vor Freitag." Das israelische MilitĂ€r bereite die Umsetzung der ersten Phase der Vereinbarung zwar vor, sagte Armeesprecher Daniel Hagari am Mittwochabend. Die RĂŒckfĂŒhrung der in den abgeriegelten KĂŒstenstreifen verschleppten Menschen könne allerdings Zeit in Anspruch nehmen und in mehreren Etappen ablaufen.
Ein israelischer Beamter erklĂ€rte die Verzögerung laut "Times of Israel" zufolge damit, dass entgegen der bisherigen Auffassung der israelischen Seite sowohl Israel als auch die islamistische Hamas zunĂ€chst ein Dokument zur Ratifizierung des Abkommens unterzeichnen mĂŒssten, damit es in Kraft treten könne. Das Dokument werde hoffentlich innerhalb der nĂ€chsten 24 Stunden unterzeichnet, so dass die ersten Geiseln am Freitag freigelassen werden könnten. Die "Jerusalem Post" sprach von einer "Komplikation in letzter Minute".
Beide Seiten hatten sich zuvor auf eine maximal zehntÀgige Feuerpause in Israel und dem Gazastreifen geeinigt. Teil der Vereinbarung ist ein Austausch von bis zu 100 Geiseln aus Israel gegen bis zu 300 palÀstinensische Insassen israelischer GefÀngnisse.
Israels Luftwaffe fĂŒhrt Schlag gegen Hisbollah aus
Die in Verbindung zur Hamas stehende und ebenfalls mit Israel verfeindete Hisbollah-Miliz im Libanon, die sich seit Beginn des Gaza-Krieges vor knapp sieben Wochen immer wieder gewaltsame Auseinandersetzungen mit Israels MilitÀr liefert, ist der "Jerusalem Post" zufolge nicht Teil des Abkommens. Die ZwischenfÀlle an der Grenze zum Libanon, die zu eskalieren drohen, hÀtten keinen Einfluss darauf. Unterdessen griff Israel nach eigenen Angaben in der Nacht zu Donnerstag Ziele der proiranischen Miliz im Libanon an.
Sicherheitskreise: Elite-Mitglieder der Hisbollah getötet
Das israelische MilitĂ€r meldete, Kampfflugzeuge hĂ€tten Infrastruktur der Schiiten-Miliz attackiert. Die Hisbollah gab bekannt, dass mindestens fĂŒnf ihrer Mitglieder getötet worden seien. Darunter sei der Sohn des Vorsitzenden des parlamentarischen Blocks der Hisbollah im libanesischen Parlament, Mohamed Raad. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus libanesischen Sicherheitskreisen erfuhr, handelte es sich um Mitglieder der Elite-Brigade der Hisbollah, Al Radwan. Demnach wurde ein Haus im Dorf Beit Yahoun in SĂŒdlibanon getroffen.
Es besteht Sorge, dass sich der Gaza-Krieg auf den Libanon ausweiten könnte. Die Hisbollah gilt als einflussreicher und deutlich schlagkrĂ€ftiger als die Hamas. Zudem gilt die Hisbollah als wichtigster nichtstaatlicher VerbĂŒndeter des Irans und zĂ€hlt zur selbst ernannten "Widerstandsachse", einer Front von Milizen mit dem Ziel, Irans Erzfeind Israel zu bekĂ€mpfen.
Biden: Machen uns fĂŒr Freilassung aller Geiseln stark
US-PrĂ€sident Joe Biden begrĂŒĂte den Deal mit der Hamas und versicherte Israels Regierung, sich fĂŒr die Freilassung aller Geiseln stark zu machen. Biden habe in einem Telefonat mit MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu am Mittwoch darĂŒber gesprochen, dass eine Feuerpause es ermöglichen werde, dringend benötigte humanitĂ€re Hilfe in den Gazastreifen zu bringen, so das WeiĂe Haus.
Israels Armee: Tunnel unter Schifa-Krankenhaus freigelegt
Die israelische Armee hat unterdessen nach eigenen Angaben weitere Teile eines mutmaĂlichen Hamas-Tunnelsystems unter dem Schifa-Krankenhaus im Gazastreifen freigelegt. Das MilitĂ€r veröffentlichte am Mittwochabend Videos und Bilder, auf denen weitere EingĂ€nge zu Tunneln sowie unterirdische RĂ€ume und Verstecke zu sehen waren. Die israelischen StreitkrĂ€fte vermuten unter dem gröĂten Krankenhaus im Gazastreifen eine Kommandozentrale der Hamas.
Erst vor wenigen Tagen entdeckte das MilitĂ€r wĂ€hrend des umstrittenen Einsatzes in der Klinik einen Schacht, der nach Angaben der Armee zu einer Tunnelstrecke fĂŒhrt, an dessen Ende sich nach 55 Metern eine "explosionssichere" TĂŒr befand. Wie die Armee nun bekanntgab, befinden sich hinter der erst kĂŒrzlich aufgebrochenen TĂŒr ein klimatisierter Raum und ein Badezimmer sowie weitere SchĂ€chte. Nach Angaben des MilitĂ€rs erstreckt sich das Tunnelsystem unter dem gesamten KrankenhausgebĂ€ude sowie weiteren GebĂ€uden in der Gegend.
Nach EinschĂ€tzung des MilitĂ€rsprechers Hagari sind die Ergebnisse der Erkundung Beweise fĂŒr die "bewusste Vorgehensweise der Hamas, unter KrankenhĂ€usern zu agieren". Die Klinik sei gezielt als Waffenlager und Kommandozentrale der Hamas genutzt worden. Die Hamas bestreitet dies. Die Angaben lieĂen sich nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.
Israel: Alle Hamas-FĂŒhrer sind dem Tod geweiht
Netanjahu hatte zuvor erklĂ€rt, der Krieg im Gazastreifen gegen die Hamas werde nach Umsetzung der Vereinbarung ĂŒber eine Feuerpause weiter fortgesetzt. Sein Verteidigungsminister Joav Galant sagte laut der "Times of Israel" am Mittwochabend, alle Hamas-FĂŒhrer wĂŒrden getötet. "Der Kampf ist weltweit: Vom Bewaffneten im Feld bis hin zu denen, die sich in Luxusjets vergnĂŒgen, wĂ€hrend ihre Abgesandten gegen Frauen und Kinder vorgehen - sie sind dem Tod geweiht".
In einem ersten Schritt geht es bei der Abmachung zwischen Israel und der Hamas um den Austausch von 50 israelischen Geiseln und 150 palĂ€stinensischen HĂ€ftlingen innerhalb von vier Tagen. In einem zweiten Schritt sollen abermals in kleineren Gruppen bis zu 50 weitere israelische Geiseln gegen bis zu 150 weitere palĂ€stinensische HĂ€ftlinge ausgetauscht werden. Erst wenn die Geiseln in Israel seien, wĂŒrden die Familien benachrichtigt, um "keine falschen Hoffnungen" bei den Angehörigen der im Gazastreifen Festgehaltenen zu wecken, die befreit werden sollen, schrieb die "Jerusalem Post" am Donnerstag.
Terroristen der Hamas und anderer Gruppierungen hatten am 7. Oktober im SĂŒden von Israel beispiellose Massaker verĂŒbt, rund 1200 Menschen getötet und etwa 240 Geiseln nach Gaza verschleppt, darunter auch Deutsche. Von den 240 Verschleppten wurden bislang vier weibliche Geiseln von der Hamas freigelassen. Eine junge Soldatin konnte vom MilitĂ€r befreit werden. Die Armee fand zudem die Leichen zweier Frauen. Wie viele insgesamt noch am Leben sind, ist unklar.
Was am Donnerstag wichtig
Unklar ist, ob die vereinbarte Feuerpause wie zunĂ€chst erwartet in Kraft gesetzt wird oder wie von israelischen Medien berichtet frĂŒhestens Freitag in Kraft tritt. An dem Tag soll den Berichten nach dann die Freilassung erster Geiseln sowie die Entlassung palĂ€stinensischer HĂ€ftlinge in Israel beginnen.

