Digital Markets Act: Threema lehnt WhatsApp-Anbindung ab
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 21:17 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Schweizer Messenger-Dienst Threema hat detaillierte datenschutzrechtliche Bedenken bezüglich der Interoperabilitätspflicht veröffentlicht, die sich aus dem Digital Markets Act (DMA) der Europäischen Union ergibt. In einer aktuellen Stellungnahme lehnte das Unternehmen die Anbindung an den Marktführer WhatsApp ab. Threema begründet diesen Schritt mit erheblichen Risiken für die Privatsphäre der Nutzer sowie mit unüberwindbaren technischen und wettbewerblichen Hürden.
Datenschutz und Anonymität im Fokus
Ein wesentlicher Grund für die Ablehnung liegt laut Threema in der unterschiedlichen Handhabung der Nutzeridentitäten. Während Threema auf anonymen IDs basiert, verlangt WhatsApp die Verknüpfung mit einer Mobilfunknummer. Eine Zusammenführung dieser Konzepte würde dazu führen, dass der Datenschutz auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduziert werde. Das Unternehmen betonte, dass die Anonymität der Nutzer durch eine solche Schnittstelle nicht mehr gewährleistet werden könne.
Zudem herrsche Ungewissheit darüber, wie Meta, der Mutterkonzern von WhatsApp, die anfallenden Metadaten im Falle einer Vernetzung verwenden würde. Threema verwies darauf, dass der Schutz der Nutzerdaten bei einer Interoperabilität mit einem Anbieter, dessen Geschäftsmodell auf Datenauswertung basiert, massiv gefährdet sei. Das Unternehmen bewertete das Vorhaben der EU-Regulierung in einer Mitteilung vom 23. Juli 2026 als zwar gut gedacht, jedoch schlecht umgesetzt.
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Wettbewerbsverzerrung und Geschäftsmodell in Gefahr
Neben den Sicherheitsaspekten sieht Threema durch die erzwungene Öffnung auch das eigene Geschäftsmodell bedroht. Da Threema als kostenpflichtige App verkauft wird, stelle die Interoperabilität mit kostenlosen Diensten eine wirtschaftliche Gefahr dar. Das Unternehmen befürchtet zudem, dass die Verpflichtung zur Vernetzung die Monopolstellung von WhatsApp eher zementiere, anstatt den Wettbewerb zu fördern.
Es fehle für Nutzer schlicht der Anreiz, zu einem sichereren Messenger zu wechseln, wenn sie alle Kontakte weiterhin über ihre bestehende WhatsApp-Umgebung erreichen könnten. Die Marktdominanz von Meta führe dazu, dass kleinere Anbieter durch die Interoperabilität ihre Alleinstellungsmerkmale verlieren würden, ohne dass ein echter Wettbewerb um die besten Sicherheitsfeatures entstünde.
Technische Barrieren und fehlende Transparenz
Auch auf technischer Ebene sieht Threema ungelöste Probleme. Derzeit gebe WhatsApp die Protokolle für die Vernetzung vor, was die Souveränität anderer App-Entwickler einschränke. Ein weiterer Kritikpunkt sei, dass WhatsApp nicht Open Source ist, was eine unabhängige Überprüfung der Sicherheitsmechanismen erschwere.
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Aktuell würden zudem nur Einzelchats unterstützt, was den Nutzwert einer solchen Verbindung stark einschränke. Die technische Komplexität, unterschiedliche Verschlüsselungsstandards ohne Sicherheitsverlust zu verbinden, wird von den Schweizer Entwicklern als zu hoch eingeschätzt.
Die DMA-Vorgaben verpflichten Meta bereits seit dem Herbst 2025 dazu, WhatsApp für andere Messenger-Dienste zu öffnen. Während die EU-Kommission damit die Marktmacht der sogenannten Gatekeeper brechen und die Wahlfreiheit der Verbraucher erhöhen wollte, sehen spezialisierte Anbieter wie Threema darin eher eine Schwächung des Datenschutzniveaus in Europa. Die Entscheidung von Threema verdeutlicht den Konflikt zwischen regulatorisch gewollter Offenheit und dem Schutz geschlossener Sicherheitssysteme.
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