Digitale Brieftasche: Deutschland startet EUDI-Wallet ab Januar
26.06.2026 - 07:11:55 | boerse-global.de
Deutschland plant den Start für Januar 2027.
Gesetzlicher Rahmen steht
Die eIDAS-Verordnung 2.0 verpflichtet alle EU-Staaten zur Ausgabe der European Digital Identity (EUDI) Wallet. Öffentliche Stellen müssen die Wallet ab Ende 2026 als Identifikationsmittel akzeptieren. Für Banken, Energieversorger und Verkehrsbetriebe greift die Pflicht voraussichtlich ab Dezember 2027.
Parallel dazu treibt die EU die digitale Währung voran. Der ECON-Ausschuss des Europaparlaments stimmte am 25. Juni 2026 mit deutlicher Mehrheit für den Rechtsrahmen des digitalen Euros. Ein operativer Start frühestens 2029.
Pilotprojekte in Deutschland
Mehrere Behörden testen bereits die Praxistauglichkeit. Die Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen, das sächsische Sozialministerium und die Stadt Dresden unterzeichneten eine Absichtserklärung zur Integration der digitalen Ehrenamtskarte. Die Authentifizierung läuft über die bestehende BundID-Infrastruktur.
Der IT-Planungsrat einigte sich auf den Deutschland-Stack (D-Stack). Drei zentrale Komponenten bilden das Fundament: das National-Once-Only-Technical-System (NOOTS), die eID-Anbindung inklusive EUDI-Wallet und der Kommunikationsstandard FIT-Connect. Experten rechnen mit drei bis fünf Jahren für den vollständigen Umstieg in den Kommunen.
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Gesundheitswesen und Jugendschutz
Die Bundesdruckerei präsentierte einen Prototyp für Arztpraxen und Telemedizin. Versicherte loggen sich per QR-Code oder NFC ein, verifizieren sich über die Wallet und übertragen Daten an Praxisverwaltungssysteme – EU-weit interoperabel.
Der Landtag Nordrhein-Westfalen diskutierte am 25. Juni 2026 über schärfere Regeln für soziale Netzwerke. Ein Vorschlag: die EUDI-Wallet ab 2027 für rechtssichere Altersverifikation nutzen. Das könnte abgestufte Nutzungsmodelle ermöglichen – etwa jugendgerechte Versionen ohne algorithmische Empfehlungen.
Technik und Kritik
Die Wallet setzt auf moderne Standards: Verifiable Credentials 2.0 des W3C und Zero-Knowledge-Proofs minimieren den Datenaustausch. Doch kritische Stimmen mehren sich. In einem offenen Brief warnten IT-Experten vor Sicherheitsrisiken und bemängelten fehlende Optionen für pseudonyme Nutzung. Kritiker sehen ein potenzielles Ziel für großflächige Phishing-Angriffe.
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Estland, Digitalisierungs-Vorreiter, startete bereits die Ausschreibung für den Betrieb der nationalen Wallet-Infrastruktur. Angebotsfrist: 29. Juni 2026. Der Vertrag soll fünf Jahre laufen. Zudem plant das Land spezielle Identifikatoren für KI-Assistenten, um deren rechtliche Haftung im Geschäftsverkehr zu klären.
