Digitaler, Euro

Digitaler Euro: EZB sucht Partner für Tests, Bewerbung bis 9. November

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 17:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die EZB bereitet Tests für 2027 vor; Einführung und endgültige Ausgestaltung des digitalen Euro bleiben von EU-Recht abhängig.
Ein minimalistisches, modernes Architekturinterieur mit klaren Linien und natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am 28. September 2026 einen Aufruf zur Interessenbekundung für eine Innovationsplattform rund um den digitalen Euro eröffnet. Marktteilnehmer und Technologieanbieter können entsprechende Bewerbungen noch bis zum 9. November 2026 um 17:00 CET einreichen.

Mit diesem Schritt bereitet das Eurosystem weitere praktische Schritte zur technischen Erprobung einer europäischen Digitalwährung vor, wenngleich ein endgültiger Beschluss über eine Einführung weiterhin aussteht.

Geplante Testphasen und Schwerpunkte für 2027

Für das Jahr 2027 sieht die Notenbank zwei zentrale Arbeitsströme auf der Plattform vor. Der erste Bereich, bezeichnet als Experimentation, soll von Januar bis Juni 2027 laufen und praktische Anwendungsfälle testen. Dazu zählen unter anderem integrierte elektronische Belege, Multi-Payer- und Multi-Payee-Lösungen, bedingte Zahlungen sowie Funktionen für Bezahl-Apps.

Parallel dazu ist für das erste und zweite Quartal 2027 der Bereich Exploration geplant, der sich schwerpunktmäßig mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz im Zahlungsverkehr sowie mit öffentlichen Anwendungsmöglichkeiten befasst.

Unter der Voraussetzung, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen fristgerecht vorliegen, soll in der zweiten Hälfte 2027 zudem ein zwölfmonatiges Pilotprojekt anlaufen. An diesem internen Testlauf ohne Beteiligung der breiten Öffentlichkeit sollen 36 Finanzunternehmen aus 19 Ländern teilnehmen, darunter Institute wie die Deutsche Bank, die DZ-Bank und die Landesbank Hessen-Thüringen.

Ebenfalls eingebunden werden ausgewählte Händler sowie Beschäftigte der EZB und nationaler Notenbanken. Eine mögliche Erstausgabe des digitalen Euro könnte demnach für 2029 bereitstehen, ist bislang jedoch nicht verbindlich beschlossen.

Politischer Zeitplan und europäische Souveränität

Der Zeitplan steht allerdings unter erheblichem politischem Druck. EZB-Präsidentin Christine Lagarde erklärte auf der Jahresversammlung des Internationalen Währungsfonds, dass die europäische Gesetzgebung zum digitalen Euro bis Ende 2026 abgeschlossen sein müsse. Andernfalls gerate die für 2027 anvisierte Testphase in Verzug.

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Ein finaler Ausgabebeschluss kann erst nach Verabschiedung der entsprechenden Rechtsvorschriften durch die EU-Institutionen gefasst werden. Gemäß den Verordnungsentwürfen soll der digitale Euro kein programmierbares Geld darstellen. Zudem betont die Notenbank, dass es sich nicht um einen Kryptowert handle; das Instrument wäre 1:1 an den Euro gekoppelt und direkt durch das Eurosystem garantiert.

Ein zentrales Motiv für das Vorhaben liegt in der strategischen Autonomie des europäischen Finanzsektors. Nach Angaben des Rats der EU sind 13 von 20 Mitgliedstaaten der Eurozone bei Kartenzahlungen stark von internationalen Zahlungssystemen wie Visa und Mastercard abhängig.

Bundesbankpräsident Joachim Nagel merkte dazu im Frühjahr in einer Rede in Brüssel an, es sei nicht klug, die eigene Souveränität auszulagern. Mehr als zwei Drittel aller Kartenzahlungen im Euroraum laufen über US-amerikanische Konzerne, während in 13 der 21 Euroländer keine nationalen Bezahlsysteme existieren.

Vorbehalte in der Bevölkerung und offene Ausgestaltungsfragen

Das Konzept sieht vor, dass der digitale Euro Offlinezahlungen per Smartphone oder Karte mit Zentralbankgeld ermöglichen soll – nahezu anonym und ohne Notwendigkeit eines herkömmlichen Girokontos. Obergrenzen für Bestände würde die EZB ein Jahr vor Einführung vorschlagen und nach Zustimmung der EU-Kommission den Mitgliedstaaten sowie dem Europäischen Parlament übermitteln, die die finale Entscheidung treffen.

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Gleichzeitig besteht in der Öffentlichkeit weiterhin Skepsis. Eine im Oktober 2026 durch das Meinungsforschungsinstitut Civey für die WirtschaftsWoche unter 10.000 Bundesbürgern ab 18 Jahren durchgeführte Umfrage ergab, dass 55 Prozent der Befragten die eigene Nutzung des digitalen Euro für sehr oder eher unwahrscheinlich halten.

Lediglich 24 Prozent äußerten Aufgeschlossenheit, wobei die Quote in der Altersgruppe von 18 bis 29 Jahren bei 40 Prozent potenzieller Nutzer lag. Zugleich gaben 70 Prozent an, sich sehr oder eher schlecht informiert zu fühlen, während 67 Prozent den Verlust finanzieller Anonymität befürchten.

Eine breite Mehrheit von 75 Prozent sprach sich für den uneingeschränkten Erhalt von Bargeld aus, weitere 11 Prozent votierten eher dafür und lediglich 4 Prozent hielten Münzen und Scheine für verzichtbar.

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