Dobrindt: 'Schattenkrieg' soll Deutschland destabilisieren
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 11:59 Uhr | dpa, AD HOC NEWSLetzterer habe noch Grenzen gekannt, die heute aber verwischten, sagte der CSU-Politiker bei einer Tagung des Bundesamts fĂŒr Verfassungsschutz (BfV) in Berlin.
Ziel Destabilisierung
Dobrindt sprach von einem Schattenkrieg. Dieser habe ein Ziel, das weit ĂŒber jene des Kalten Kriegs hinausgehe. "Er hat das eindeutige Ziel, uns zu destabilisieren, uns abschlieĂend zu destabilisieren", sagte der Minister. "Er hat das Ziel, uns nicht militĂ€risch zu besiegen, sondern uns politisch und gesellschaftlich zu bezwingen."
Dieser Ansatz sei "nicht gĂ€nzlich unerfolgreich", rĂ€umte Dobrindt ein. Es gebe Destabilisierung im gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Bereich. BfV-PrĂ€sident Sinan Selen sagte: "Das demokratische SelbstverstĂ€ndnis soll verunsichert werden. Das gesellschaftliche Fundament solle erschĂŒttert werden."
Warum Deutschland laut Dobrindt Zielscheibe ist
Die sogenannte Zeitenwende dĂŒrfe kein rein auĂenpolitisches Projekt sein, sagte Dobrindt, sondern "ein voll umfassendes Transformationsprojekt" von Staat, Gesellschaft und Wirtschaft. Die damalige Bundesregierung aus SPD, GrĂŒnen und FDP unter Kanzler Olaf Scholz (SPD) hatte nach Russlands Ăberfall auf die Ukraine einen Richtungswechsel in der deutschen AuĂen- und Sicherheitspolitik eingeleitet inklusive eines 100 Milliarden Euro schweres Sondervermögen zur Modernisierung der Bundeswehr.
Deutschland sei Zielscheibe von Angriffen als starke Wirtschaftsnation, innovativer Industriestandort, Wissenschaftszentrum und zentralem Akteur fĂŒr die europĂ€ische Verteidigung und bei der UnterstĂŒtzung der Ukraine, sagte Dobrindt. "Wenn man den Westen destabilisieren will, dann zielt man auf Deutschland. Wenn man Europa destabilisieren will, dann zielt man auf Deutschland, weil wir der Garant fĂŒr die StabilitĂ€t im Westen und in Europa sind."
"Unsere Ordnung soll zerstört werden", warnte Dobrindt unter Verweis auf Desinformation, Sabotage, Spionage und Cyberattacken. Es gebe wie im Kalten Krieg auch ein Zusammenspiel staatlicher Akteure mit organisierter KriminalitÀt, Terrorismus, "mit all dem, was wir auf der bösen Seite identifizieren". Er glaube, die IntensitÀt dieser Zusammenarbeit sei stÀrker geworden.
Dobrindt wirbt fĂŒr Nachrichtendienst-Reform
"Wir mĂŒssen aufrĂŒsten", sagte Dobrindt, der fĂŒr die geplante Reform der Nachrichtendienste warb, ĂŒber die nun der Bundestag befinden muss. Geplant ist, dass sowohl der Inlandsnachrichtendienst Verfassungsschutz als auch der Bundesnachrichtendienst (BND) kĂŒnftig stĂ€rker nicht nur Informationen sammeln, sondern auch aktiv werden dĂŒrfen.
So könnte der BND zum Beispiel in Zukunft die IT einer staatlich gelenkten Hackergruppe zerstören oder Produktions- oder Lieferketten manipulieren, um die Herstellung von Drohnen, Waffen oder Sprengstoff zu behindern. Der Verfassungsschutz soll unter engen Voraussetzungen Wohnungen oder GeschĂ€ftsrĂ€ume heimlich betreten dĂŒrfen - etwa, um SpĂ€hsoftware fĂŒr eine Online-Durchsuchung einzusetzen.
Selen: "Die AnschlÀge werden kommen"
BfV-PrÀsident Selen sagte, binnen zwei Jahren werde man Bilanz ziehen können, ob die Neuaufstellung der deutschen Nachrichtendienste gelungen sei. "Die AnschlÀge werden kommen", sagte er voraus. "Wird es uns gelingen, hier eine effektive Abwehr auf die Beine zu stellen? Das wird man messen können." Nötig sei, sich operativ, technologisch, aber auch in der Haltung umzuorientieren.
Dobrindt sagte, er wolle bei der BekÀmpfung von Extremismus auch den Linksextremismus stÀrker in den Fokus nehmen. "Jeder Extremist ist Mist und muss von uns bekÀmpft werden."
Angesprochen auf den Spionageverdacht gegen den frĂŒheren BND-PrĂ€sidenten August Hanning, betonte Selen, es gebe eine stabile Zusammenarbeit und ein starkes VertrauensverhĂ€ltnis mit Diensten anderer LĂ€nder. Er sei "extrem zuversichtlich", dass kein nachhaltiger Schaden entstehe. "Trotzdem ist das natĂŒrlich eine ganz Ă€rgerliche Situation."

