ROUNDUP, Doppelte

Doppelte Niederlage - Anfang vom politischen Ende Trumps?

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 09:26 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Schon vor der dramatischen Doppelniederlage der Republikaner bei den Kongresswahlen stand immer wieder eine Frage im Raum: Wird Donald Trump zum Problem fĂŒr seine Partei? SpĂ€testens jetzt lĂ€sst sich sagen: Er ist es bereits.

Die Partei des US-PrÀsidenten hat bei den Parlamentswahlen beide Kammern an die Demokraten verloren. In den vergangen 70 Jahren gab es einen solchen Wechsel nur zweimal - zuletzt vor 20 Jahren.

Die WĂ€hlerinnen und WĂ€hler haben Trump ĂŒberdeutlich ihre Unzufriedenheit gezeigt - auch in traditionellen republikanischen Hochburgen wie Texas. Wird der US-PrĂ€sident nun seinen Kurs Ă€ndern? Und was bedeutet das Ergebnis fĂŒr seinen RĂŒckhalt in der eigenen Partei? Wichtige Fragen und Antworten im Überblick:

Wird Trump seine Politik Àndern?

Damit ist nicht zu rechnen - zumindest nicht von sich aus. Das legt auch sein frĂŒheres Verhalten nach Niederlagen nahe. Als etwa der Oberste Gerichtshof Anfang des Jahres weite Teile von Trumps damaligen Zöllen fĂŒr rechtswidrig erklĂ€rte, versuchte der US-PrĂ€sident, an seiner aggressiven Zollpolitik festzuhalten. Er verhĂ€ngte auf Basis einer anderen Rechtsgrundlage umgehend neue Zölle.

Trumps zweite Amtszeit war zudem von einer massiven Ausdehnung seiner Exekutivbefugnisse geprĂ€gt, von einem Regieren per Dekret. Nun dĂŒrfte Trump noch stĂ€rker als ohnehin schon versuchen, am Parlament vorbeizuregieren.

Ist im Kongress nun mit mehr Gegenwind fĂŒr Trump zu rechnen?

Ja. Mit der Mehrheit in beiden Kammern haben die Demokraten kĂŒnftig mehr Macht, um etwa zu versuchen, Trumps Zollpolitik auch auf parlamentarischem Wege einzuhegen. Die HĂŒrden fĂŒr die Verabschiedung eigener Gesetzesinitiativen sind fĂŒr sie allerdings auch dann noch hoch. Denn im Senat reicht eine einfache Mehrheit fĂŒr vieles nicht aus. Um zentrale Maßnahmen voranzubringen, braucht es oft die Zustimmung von mindestens 60 Senatorinnen und Senatoren. Hier werden die Demokraten wahrscheinlich weiter auf republikanische Stimmen angewiesen sein.

Selbst wenn ein paar Republikaner zusammen mit den Demokraten gegen Teile von Trumps Politik stimmen wĂŒrden, kann dieser als PrĂ€sident noch sein Veto gegen Gesetze einlegen. Auf Truth Social suggerierte Trump bereits, dass er von diesem Recht Gebrauch machen könnte. In der Wahlnacht postete er dort eine rote Kappe mit der Aufschrift "VETO".

Um ein Veto des PrĂ€sidenten zu ĂŒberstimmen, braucht es in beiden Kongresskammern die Stimmen von jeweils zwei Dritteln der Mitglieder. Das ist Ă€ußert schwer zu erreichen.

Also sind die Demokraten letztlich machtlos gegen Trump?

Nein. Insbesondere beim Ringen um den Haushalt haben sie nun mehr Gewicht, um den Republikanern ZugestĂ€ndnisse fĂŒr ihre Anliegen abzutrotzen. Mit der Mehrheit in beiden Kammern haben sie außerdem sowohl die Möglichkeit, wichtige Personalentscheidungen Trumps zu blockieren als auch republikanische Gesetzesvorhaben.

KĂŒnftig muss der US-PrĂ€sident außerdem mit mehr Kontrolle seines Handelns rechnen: Ab Januar, wenn das neu gewĂ€hlte Parlament erstmals zusammentritt, können die Demokraten Untersuchungen gegen ihn und seine Kabinettsmitglieder einleiten, Aussagen erzwingen und sich interne Papiere vorlegen lassen. Der demokratische Abgeordnete Robert Garcia postete auf der Plattform X bereits eine knappe Warnung: "Nehmt euch AnwĂ€lte."

Die Demokraten haben schon lĂ€nger einige Themen fĂŒr mögliche Untersuchungen im Visier: Trumps unpopulĂ€ren Iran-Krieg etwa, das teils tödliche Vorgehen von US-Beamten im Zuge der Razzien gegen Migranten oder die geschĂ€ftlichen AktivitĂ€ten der Familie Trumps.

Im hĂ€rtesten Fall könnten Ergebnisse solcher Untersuchungen auch die Grundlage fĂŒr ein weiteres Amtsenthebungsverfahren ("Impeachment") gegen Trump oder seine Kabinettsmitglieder bilden - wie schon in seiner ersten Amtszeit, als die Republikaner in den Midterms 2018 die Mehrheit im ReprĂ€sentantenhaus an die Demokraten verloren hatten.

Was bedeutet der Sieg fĂŒr die Demokraten?

Nach ihrem Debakel bei der PrĂ€sidentschaftswahl 2024 wirkt ihr klarer Sieg bei den Midterms nun wie ein fulminantes Comeback. Dennoch bleibt die Frage: War das ein Sieg aus eigener Kraft - oder gewannen die Demokraten vor allem wegen Trumps SchwĂ€che? Ihr Wahlkampfendspurt in Michigan offenbarte, dass sie parteiinterne Streitigkeiten nicht hinter sich gelassen haben. Auch das Problem einer fehlenden FĂŒhrungsfigur sind die Demokraten nach wie vor nicht los.

Trumps Unbeliebtheit half ihnen bei den Wahlen in jedem Fall. Der Republikaner hatte laut einer Analyse der "New York Times" die niedrigsten Zustimmungswerte eines US-PrÀsidenten vor Midterms seit dem Demokraten Harry Truman im Jahr 1946.

Woran scheiterten Trumps Republikaner?

Trump war mit dem Versprechen angetreten, Kriege zu beenden. Bei seinem Wahlsieg 2024 profitierte er zudem von der Unzufriedenheit seiner Landsleute mit der wirtschaftlichen Lage unter seinem demokratischen VorgĂ€nger Joe Biden. Zwei Jahre spĂ€ter klagen viele Amerikaner ĂŒber die hohen Lebenshaltungskosten. Viele von ihnen machen Trump dafĂŒr verantwortlich.

Eine große Belastung fĂŒr die Republikaner war zudem der Iran-Krieg, den ihr PrĂ€sident vor mehr als acht Monaten gemeinsam mit Israel begonnen hatte - und noch immer nicht beilegen konnte. Die in der Folge gestiegenen Spritpreise waren eine zentrale Sorge der Amerikanerinnen und Amerikaner vor den Wahlen. Trump versprach wieder und wieder, dass die Ölpreise bald schon wieder sinken wĂŒrden. Vergebens.

Wie reagiert Trump?

Trump hatte die sogenannten Midterms in der Mitte seiner vierjĂ€hrigen Amtszeit explizit zu einer Abstimmung ĂŒber sich selbst erklĂ€rt. Angesichts einer sich abzeichnenden Niederlage wollte er am Wahlabend dann aber nichts mehr davon wissen: "Ich stand nicht auf dem Stimmzettel", schrieb der US-PrĂ€sident auf seiner Plattform Truth Social. "Und wenn ich darauf gestanden hĂ€tte, hĂ€tten wir ERDRUTSCHARTIG gewonnen!".

Er ließ allerdings durchblicken, dass er sich auf die nun nötige Zusammenarbeit mit den erstarkten Demokraten einlassen will. In einem Interview der "New York Times" kĂŒndigte er an, die Ergebnisse zu akzeptieren. "Wir werden mit den Demokraten zusammenarbeiten, und wir freuen uns schon darauf. Wir werden wahrscheinlich eine Lösung finden", sagte er.

Wenden sich nun auch Republikaner von Trump ab?

Im Wahlkampf war bereits zu beobachten, wie sich einzelne republikanische Kandidaten von Trumps Politik distanzierten. In Michigan etwa forderte der Republikaner Mike Rogers ein Ende des Zollkonflikts mit dem Nachbarn Kanada.

Noch deutlicher fiel die Distanzierung einiger Republikaner zu Trumps jĂŒngster AnnĂ€herung an Moskau aus. Der Kurs des US-PrĂ€sidenten im Ukraine-Krieg legte bereits mehrfach Risse in seiner Partei offen.

Den offenen Bruch wagte allerdings nahezu niemand, der erneut fĂŒr ein politisches Amt kandidierte. Denn wer den Zorn des PrĂ€sidenten auf sich zog, musste bei den Vorwahlen und den Midterms mit der Quittung seiner AnhĂ€nger rechnen. Doch mit dem Ende der Wahl fĂ€llt dieses disziplinierende Element nun weg. Möglich ist also, dass sich nun mehr Parteikollegen mit offener Kritik am PrĂ€sidenten aus der Deckung wagen.

Das gilt umso mehr, als das sich der Blick nach den Midterms bereits auf die nĂ€chste große Wahl richtet: die PrĂ€sidentschaftswahl 2028. Trump darf gemĂ€ĂŸ der US-Verfassung nicht noch einmal antreten. Bleiben seine Beliebtheitswerte so schlecht, dĂŒrfte das den Anreiz fĂŒr seine Republikaner erhöhen, sich von ihm abzuwenden. SpĂ€testens wenn sich AnwĂ€rter auf seine Nachfolge aus der Deckung wagen, dĂŒrfte sich dann auch mehr und mehr herauskristallisieren, wie eine republikanische Partei nach Trump aussehen könnte.

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