Erneuerbare Energien, Immobilien

Dormagen auf Solarkurs: Drees & Sommer entwickelt PV-Masterplan fĂŒr 180 stĂ€dtische GebĂ€ude

21.11.2025 - 08:05:00

Dormagen - Bis 2030 sollen mindestens 80 Prozent des deutschen Stroms aus erneuerbaren Energien stammen. Die nordrhein-westfĂ€lische Stadt Dormagen will ihren eigenen Beitrag dazu leisten und drĂŒckt in Sachen Photovoltaik-Ausbau aufs Tempo. Um das Solarpotenzial auf ihren kommunalen Liegenschaften zu heben, hat die Stadt Drees & Sommer mit einem Photovoltaik-(PV)-Masterplan beauftragt. FĂŒr 180 GebĂ€ude in rund 90 Liegenschaften entwickelt das auf Bau, Immobilien und Infrastruktur spezialisierte Beratungsunternehmen mit Hauptsitz in Stuttgart ein Gesamtkonzept inklusive technischer Erfassung, Potenzialanalyse, Machbarkeitsstudie und strategischer Priorisierung aller betrachteten Immobilien. Die Gesamtergebnisse sollen 2026 vorliegen.

Schulen, RathĂ€user und Gemeindezentren: Öffentliche GebĂ€ude in Deutschland verfĂŒgen ĂŒber enorme KapazitĂ€ten fĂŒr Photovoltaik, die oft noch ungenutzt bleiben. Einer Analyse zufolge befinden sich bundesweit lediglich 1,1 Prozent aller Solaranlagen auf den DĂ€chern kommunaler GebĂ€ude1. "Auch auf Dormagens DĂ€chern ist das Photovoltaik-Potenzial nochsehrgroß. Der PV-Masterplan ist daher ein konsequenter Schritt, um unsere kommunalen Liegenschaften zukunftsfĂ€hig aufzustellen und die Klimaschutzziele der Stadt zu erreichen", betont Dr. Martin Brans, technischer Beigeordnete der Stadt Dormagen.

Die 65.000-Einwohner-Stadt im Rhein-Kreis Neuss treibt bereits seit Jahren den Klimaschutz und den Ausbau erneuerbarer Energien voran. Erst im Sommer 2025 erhielt Dormagen den Fördermittelbescheid ĂŒber 330.000 Euro fĂŒr Photovoltaikanlagen auf kommunalen DĂ€chern und plant, diese auf einer Sportanlage in Zons, der Stadtbibliothek und zwei Schulen zu installieren. Der Photovoltaik-Masterplan soll weitere Potenziale und Umsetzungswege aufzeigen.

Vom Brandschutz bis zur DachbegrĂŒnung - alles im Blick

"Die Analyse geht weit ĂŒber die rein technische Umsetzbarkeit hinaus", erklĂ€rt Yuri Leon-Dvoryaninov, Verantwortlicher fĂŒr das Projekt bei Drees & Sommer das Vorgehen. "Neben Faktoren wie Standsicherheit, elektrische Infrastruktur, Brandschutz oder Denkmalschutz bewerten wir auch die Kombination von Photovoltaik mit extensiver oder intensiver DachbegrĂŒnung", berichtet der Fachexperte. ZusĂ€tzlich berĂŒcksichtige das Expertenteam Förderprogramme, betriebswirtschaftliche Ziele sowie Anforderungen aus dem GebĂ€udeenergiegesetz (GEG) und der Energy Performance of Buildings Directive, einer EU-Richtlinie zur Gesamtenergieeffizienz von GebĂ€uden.

"Unser Ziel ist, eine klare und wirtschaftlich tragfĂ€hige Umsetzungsstrategie fĂŒr die Stadt zu entwickeln. Neben belastbaren Aussagen zu AnlagengrĂ¶ĂŸen und Investitionskosten liefert sie Informationen zu möglichen Betreibermodellen und der Amortisationszeit", fĂŒhrt Yuri Leon-Dvoryaninov fort. Auch die bereits realisierten Anlagen und GebĂ€ude mit laufenden Photovoltaik-Projekten werden dem Experten zufolge in das Gesamtkonzept integriert. Nach der Auswertung der bestehenden Unterlagen starteten bereits die ersten Vor-Ort-Begehungen und die Analyse der potenziellen DachflĂ€chen.

Mehr Solarstrom, geringere Betriebskosten

In Deutschland machen die Energiekosten rund 30 Prozent der gesamten Betriebsausgaben kommunaler GebĂ€ude aus2, begleitet von hohen CO2-Emissionen. Photovoltaik-Anlagen auf öffentlichen GebĂ€uden, besonders denen mit hohem Tagesverbrauch wie Schulen oder Sporthallen, sind daher auch wirtschaftlichen sinnvoll. "Auf lange Sicht profitieren von dem PV-Masterplan nicht nur die kommunalen Liegenschaften, die den gewonnenen Strom primĂ€r fĂŒr Eigenbedarf nutzen und damit ihre Betriebskosten senken", meint Dr. Martin Brans, technischer Beigeordneter der Stadt Dormagen. Indem der ĂŒberschĂŒssige Strom ins öffentliche Stromnetz eingespeist wird, komme dieser spĂ€ter auch den Einwohnern der Stadt zugute. Insgesamt schĂ€tzt die Stadt das PV-Potential auf Dormagens DĂ€chern - sowohl öffentlichen als auch privaten - auf etwa 225.000 Megawattstunde (MWh) pro Jahr ein.

Die Gesamtergebnisse des Photovoltaik-Masterplans sollen 2026 vorliegen und der Stadt Dormagen als wichtige Entscheidungsgrundlage fĂŒr Investitionen in Photovoltaik-Anlagen dienen. Neben allgemeiner Machbarkeit prĂŒft das Expertenteam im Rahmen des Auftrags auch Speicherlösungen und Mieterstrommodelle. Wie schon in einigen BundeslĂ€ndern besteht auch in Nordrhein-Westfalen seit 2024 eine Solarpflicht fĂŒr alle Neubauten von NichtwohngebĂ€uden. Im Juli vergangenen Jahres wurde diese auf grundlegende Dachsanierungen bei kommunalen und landeseigenen GebĂ€uden ausgeweitet.

Quellen:

1: Viessmann Climate Solutions: Erneuerbare Energien im öffentlichen Sektor

2: Kom.EMS Leitfaden: Energiemanagement in Kommunen. Eine Praxishilfe, S. 60

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