Fehlverhalten im Gesundheitswesen: AOK-Ermittlungsteam holt 3,8 Millionen Euro zurĂŒck - AOK-Verwaltungsrat fordert Schwerpunktstaatsanwaltschaft fĂŒr Westfalen-Lippe
19.03.2024 - 15:00:21 | presseportal.de
Mehr ErmittlungsfÀlle nach Corona-Pandemie
Aktuell verfolgt das siebenköpfige Ermittlungsteam der AOK NordWest insgesamt 1.362 FĂ€lle aus allen Bereichen des Gesundheitswesens. Das ist ein Anstieg gegenĂŒber dem letzten TĂ€tigkeitsbericht 2020/2021 um 32,8 Prozent. "Wir fĂŒhren dies auch auf die Corona-Pandemie zurĂŒck, da in dieser Zeit unter anderem die QualitĂ€ts- und AbrechnungsprĂŒfungen des Medizinischen Dienstes ausgesetzt wurden und die HinweisprĂŒfungen und die Ermittlungen von NeufĂ€llen nur verzögert möglich waren", sagte Dr. JĂŒrgen Mosler, Leiter des Fachbereichs BekĂ€mpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen bei der AOK NordWest. Das AOK-Ermittlungsteam arbeitet eng mit anderen Krankenkassen sowie der Kriminalpolizei, den HauptzollĂ€mtern und den Staatsanwaltschaften zusammen. "BestĂ€tigt sich der Verdacht der Abrechnungsmanipulation, schalten wir die Staatsanwaltschaft ein und fordern die finanzielle Wiedergutmachung des Schadens ein. Ebenfalls prĂŒfen wir, ob eine weitere Zusammenarbeit mit dem Vertragspartner noch möglich ist", erklĂ€rte Dr. Mosler. Der AOK-Chefermittler wies darauf hin, dass die meisten Leistungserbringer korrekt abrechnen. Aber schon einige wenige schwarze Schafe können ein schlechtes Licht auf den gesamten Leistungsbereich werfen.
Konsequentes Vorgehen mit aller HĂ€rte des Gesetzes
Der alternierende AOK-Verwaltungsratsvorsitzende und Versichertenvertreter Lutz SchĂ€ffer betonte: "Jedes Jahr gehen durch Abrechnungsbetrug und Korruption im Gesundheitswesen hohe MillionenbetrĂ€ge verloren. Dieses Geld versickert in dunkle KanĂ€le und steht damit nicht fĂŒr die medizinische Versorgung der Versicherten zur VerfĂŒgung." Hinzu komme, dass die Gesundheit und mitunter sogar das Leben von Versicherten aufs Spiel gesetzt werden, wenn Behandlungen ohne die erforderliche Qualifikation durchgefĂŒhrt wĂŒrden. "Deshalb muss gegen die wenigen auffĂ€lligen Leistungserbringer konsequent und mit aller HĂ€rte des Gesetzes vorgegangen werden", sagte SchĂ€ffer.
GefÀlschte Abrechnungen von Pflegediensten
Bei den meisten FĂ€llen von Betrug haben erneut gefĂ€lschte Abrechnungen eine Rolle gespielt. Oft haben zum Beispiel Pflegedienste in Westfalen-Lippe Leistungen abgerechnet, die nie erbracht wurden. Oder die Dienste gaben die Qualifikation ihres Personals falsch an und berechneten zu hohe Kosten. In einigen anderen FĂ€llen haben einzelne PflegefachkrĂ€fte zeitgleich bei mehreren Patienten und an unterschiedlichen Orten Leistungen erbracht (Tatbestand des "Beamens"). Hier forderte die AOK NordWest sĂ€mtliche entstandene SchĂ€den zurĂŒck.
Physiotherapie ohne Qualifikation erbracht
In einem weiteren Fall wurden in einer Physiotherapiepraxis in Westfalen-Lippe Leistungen wie manuelle Therapie und Lymphdrainage von Mitarbeitenden erbracht ohne die entsprechende Qualifikation hierfĂŒr besessen zu haben. Der entstandene Schaden von rund 160.000 Euro wurde von den AOK-Ermittlern auch im Auftrag der anderen Krankenkassen zurĂŒckgefordert.
AOK fordert gesetzliche Ănderung und Nutzung von KI
AuĂerdem fordert die AOK klare datenschutzrechtliche Regelungen, um potentiellen BetrugsfĂ€llen noch intensiver nachgehen zu können. "Im Zeitalter der Digitalisierung könnte auch durch den Einsatz von kĂŒnstlicher Intelligenz und maschinellen Lernens Fehlverhalten im Gesundheitswesen verhindert werden. Im Zuge von Ermittlungen sollte es kĂŒnftig zudem ermöglicht werden, dass die SozialversicherungstrĂ€ger relevante Daten direkt untereinander austauschen dĂŒrfen und Abrechnungsbetrug und Korruption damit noch besser aufgedeckt werden könnten", so Dr. Mosler.
GeldrĂŒckflĂŒsse aus allen Leistungsbereichen
Die GeldrĂŒckflĂŒsse von insgesamt rund 3,8 Millionen Euro in den vergangenen zwei Jahren setzen sich durch erfolgreiche RĂŒckforderungen in den folgenden wesentlichen Bereichen zusammen: Arznei- und Verbandsmittel (2,3 Millionen Euro), HĂ€usliche Krankenpflege (636.000 Euro), Ă€rztliche Leistungen (328.000 Euro), versichertenbezogene Leistungen (281.000 Euro), Heilmittel (110.000 Euro) und zahnĂ€rztliche Leistungen (72.000 Euro)
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Jens Kuschel, Pressesprecher
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