Wirtschaftsforscher erwarten null Wachstum im laufenden Jahr
05.09.2024 - 15:12:27 | dpa.deDas MĂŒnchner Ifo-Institut und das IWH in Halle rechnen fĂŒr dieses Jahr jetzt mit null Wirtschaftswachstum, das RWI in Essen mit 0,1 Prozent. Ifo-Konjunkturchef Timo WollmershĂ€user sagt: "Die deutsche Wirtschaft steckt fest", wĂ€hrend "andere LĂ€nder den Aufwind spĂŒren". Das liege nicht nur an der Konjunktur: "Wir haben eine strukturelle Krise."
Die Auftragspolster in der Industrie und auf dem Bau seien abgeschmolzen, beide Branchen schrumpften, es herrsche weithin Auftragsmangel. Vor allem in der Industrie werde zu wenig investiert, die ProduktivitĂ€t trete schon seit Jahren auf der Stelle, sagt der MĂŒnchner Professor. Obwohl die Weltwirtschaft wĂ€chst, schwĂ€chelt der Export: "Die deutschen Unternehmen verlieren dadurch Weltmarktanteile", sagt RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt.
Schwierige Standortbedingungen
Als GrĂŒnde fĂŒhren die Forscher die Klimawende, Energiepreise, Digitalisierung, Demografie und die wachsende Konkurrenz Chinas an, aber auch hausgemachte HĂŒrden wie im internationalen Vergleich hohe Unternehmenssteuern und sehr hohe BĂŒrokratielasten. "Die Unternehmen brauchen bessere Standortbedingungen, damit sie wieder investieren und BeschĂ€ftigte einstellen", sagt WollmershĂ€user. Punktuelle Subventionen seien da kaum hilfreich.
Zu den grundlegenden Problemen kommt noch eine konjunkturelle Krise dazu. Die Löhne steigen, und die Inflation geht deutlich zurĂŒck. Aber "die Kaufkraftgewinne fĂŒhren nicht zu steigendem Konsum, sondern zu höherer Ersparnis, weil die Leute verunsichert sind", sagt WollmershĂ€user. Nach 5,9 Prozent Inflation im vergangenen Jahr erwarten die drei Institute dieses Jahr eine Inflationsrate von 2,2 oder 2,3 Prozent, nĂ€chstes Jahr zwischen 2,0 und 2,4 Prozent.
Arbeitsmarkt insgesamt relativ robust
Die Arbeitslosenquote dĂŒrfte nach ihren Prognosen von 5,7 Prozent auf 6,0 Prozent im laufenden Jahr steigen. FĂŒr nĂ€chstes Jahr erwartet das IWH einen weiteren leichten Anstieg, Ifo und RWI einen leichten RĂŒckgang.
Das Wirtschaftswachstum dĂŒrfte nach EinschĂ€tzung der drei Institute nĂ€chtses Jahr zwischen 0,9 und 1,0 Prozent betragen. Aber bei den mittelfristigen Prognosen "liegen wir seit einigen Jahren systematisch falsch", sagt WollmershĂ€user.
Hoffnungsschimmer und Lichtblicke
Als "Hoffnungsschimmer" wertet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag, dass der Auftragseingang der deutschen Industrie im Juli gegenĂŒber Juni um 2,9 Prozent gestiegen ist und im Drei-Monats-Vergleich um 1,7 Prozent. Allerdings ist der Anstieg im Juli nur auf GroĂauftrĂ€ge zurĂŒckzufĂŒhren - ohne sie wĂ€re der Auftragseingang wieder geschrumpft.
Im Mittelstand hat sich das GeschĂ€ftsklima nach Angaben der staatlichen Förderbank KfW im August zum vierten Mal in Folge verschlechtert. Die aktuelle Lage werde so schlecht eingeschĂ€tzt wie seit vier Jahren nicht mehr. Es gebe nur wenige Lichtblicke, darunter beim mittelstĂ€ndischen Einzelhandel und bei GroĂunternehmen der Bauindustrie, die im Tiefbau oder Wirtschaftsbau tĂ€tig sind.
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