Baerbock besucht PalÀstinenser-Siedlung im Westjordanland
08.01.2024 - 06:35:02ZunĂ€chst wollte die GrĂŒnen-Politikerin an diesem Montag (ca. 10.00 Uhr) zu einem palĂ€stinensischen Dorf fahren und mit Bewohnerinnen und Bewohnern sprechen. SpĂ€ter war in Ramallah ein Treffen mit AuĂenminister Riad al-Maliki geplant. Am Abend stand die Weiterreise nach Ăgypten auf dem Programm. Dort ist am Dienstag unter anderem ein Treffen mit AuĂenminister Samih Schukri vorgesehen.
Am Mittwoch wollte Baerbock den Libanon besuchen, bevor sie von dort auf die Philippinen, nach Malaysia und Singapur fliegt.
Kritik an Siedlergewalt im Westjordanland
Am Sonntagabend hatte Baerbock nach GesprĂ€chen mit Israels PrĂ€sident Izchak Herzog und dem neuen AuĂenminister Israel Katz in Jerusalem gesagt, sie habe eine tiefe Sorge ĂŒber die Gewalt und Vertreibung von Menschen im Westjordanland durch radikale jĂŒdische Siedler. "Diese Gewalt hat seit dem 7. Oktober drastisch zugenommen. Diese Gewalt muss enden." Auch hier stehe die israelische Armee in der Pflicht, PalĂ€stinenserinnen und PalĂ€stinenser zu schĂŒtzen. Der illegale Siedlungsbau "stellt ein erhebliches Hindernis fĂŒr dauerhaften Frieden in der Region dar".
Eine Zweistaatenlösung sei "die einzige Chance, damit Israelis und PalÀstinenser Seite an Seite in Frieden leben können. Jetzt ist der Moment, diesen Kurs einzuschlagen", sagte Baerbock.
Auslöser des Gaza-Kriegs war der beispiellose Ăberfall der islamistischen Hamas und anderer palĂ€stinensischer Terrorgruppen auf Grenzorte in Israel am 7. Oktober. Dabei wurden nach israelischen Angaben rund 1200 Menschen getötet und rund 240 Menschen in den Gazastreifen entfĂŒhrt. Die Zahl der getöteten PalĂ€stinenser ist nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde inzwischen auf mehr als 22 700 gestiegen, mehr als 58 000 Menschen wurden demnach verletzt.
Menschenrechtler: 2023 Mehr Siedlergewalt als zuvor
Israelischen Menschenrechtlern zufolge hat es im Westjordanland 2023 mehr registrierte FÀlle von Gewalt israelischer Siedler gegen PalÀstinenser gegeben als zuvor. Laut israelischen Medien nahm in den vergangenen anderthalb Jahren im Westjordanland zugleich die Zahl der Angriffe palÀstinensischer AttentÀter auf israelische Zivilisten und SicherheitskrÀfte zu.
Im Sechs-Tage-Krieg hatte Israel 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Dort leben inzwischen Hunderttausende Siedler inmitten von rund drei Millionen PalĂ€stinensern. Die PalĂ€stinenser fordern die Gebiete fĂŒr einen eigenen Staat.
Baerbock an Israel: Mehr humanitÀre Hilfe in Gaza ermöglichen
Baerbock forderte Israel am Sonntagabend angesichts des Leids der palĂ€stinensischen Zivilbevölkerung im Gazastreifen auf, zielgenauer vorzugehen und mehr humanitĂ€re Hilfe zu ermöglichen. "Das Leid so vieler unschuldiger Beteiligter kann so nicht weitergehen. Wir brauchen eine weniger intensive OperationsfĂŒhrung", verlangte sie. Zugleich forderte sie von Israel, die Abwicklung von Hilfslieferungen in den Gazastreifen praktikabler zu machen.
Baerbock: Regierung offen fĂŒr Eurofighter-Lieferung an Saudi-Arabien
Laut Baerbock ist die Bundesregierung offen fĂŒr die Lieferung von Eurofighter-Kampfjets an Saudi-Arabien. Indem Riad von den jemenitischen Huthis auf Israel abgeschossene Raketen abfange, trage es zur Sicherheit Israels und zur Verhinderung eines FlĂ€chenbrandes in der Region bei. "Gerade deshalb sehen wir nicht, dass wir uns als deutsche Bundesregierung den britischen Ăberlegungen zu weiteren Eurofightern fĂŒr Saudi-Arabien entgegenstellen", sagte sie.
RĂŒstungsexporte nach Saudi-Arabien sind wegen der Menschenrechtslage in dem Königreich und wegen des Eingreifens der aufstrebenden MilitĂ€rmacht in regionale Konflikte umstritten. Die Bundesregierung hatte im Juli entschieden, die Lieferung von Eurofightern an den reichen Golfstaat bis zum Ende der Wahlperiode im Herbst 2025 zu unterbinden. Die Kampfjets sind ein europĂ€isches Gemeinschaftsprojekt, an dem Deutschland beteiligt ist - Berlin hat deswegen ein Vetorecht bei Exportentscheidungen. Gefertigt werden sie in GroĂbritannien, das zur Lieferung nach Saudi-Arabien bereit wĂ€re.
Baerbock betonte, gerade Saudi-Arabien kenne seit geraumer Zeit die Gefahr, die von den Huthis fĂŒr die Sicherheit in der Region ausgehe. "Dass die saudische Luftwaffe dabei auch Eurofighter einsetzt, ist, glaube ich, ein offenes Geheimnis. Das zeigt die BemĂŒhungen Riads um eine bessere Zukunft in der Region."

