Drohnensicherheit, Bund

Drohnensicherheit: Bund investiert 50 Millionen und verdoppelt Einsatzkräfte

Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 00:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neues DLR-Zentrum in Magdeburg-Cochstedt soll Drohnenbedrohung bekämpfen. Bund erhöht Budget für Abwehrtechnik auf 50 Millionen Euro.

Bundesregierung startet Drohnenabwehrzentrum in Sachsen-Anhalt
Ein modernes Drohnen-Detektionssystem auf einem Flugfeld vor einem Hangar im DLR-Forschungszentrum. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Bundesregierung hat am Dienstag das neue Technologiezentrum Drohnensicherheit in Sachsen-Anhalt in Betrieb genommen. Die Einrichtung am Standort Magdeburg-Cochstedt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) bildet die dritte Säule einer umfassenden Strategie zur Abwehr unbemannter Flugsysteme. Das Projekt wird mit staatlichen Investitionen von bis zu 10 Millionen Euro gefördert und soll in der Region bis zu 40 neue Arbeitsplätze schaffen.

Strategische Forschung gegen den „Schattenkrieg“

Das neue Zentrum ergänzt die bestehenden Maßnahmen der Bundesregierung, die neben der Forschung auch eine mobile Abwehreinheit sowie das Gemeinsame Drohnenabwehrzentrum (GDAZ) umfassen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bezeichnete die aktuelle Sicherheitslage bei der Eröffnung als einen Schattenkrieg des 21. Jahrhunderts. Er betonte, dass Angriffe auf Deutschland faktisch ganz Europa beträfen.

Der Minister verwies auf ein technologisches Wettrüsten zwischen der Entwicklung von Drohnen und deren Abwehr. Dies erfordere dedizierte Forschungseinheiten, da die Innovationszyklen in Konfliktregionen wie der Ukraine oder Israel derzeit lediglich acht bis zwölf Wochen betragen würden.

Das DLR betreibt das neue Zentrum in Cochstedt, das bereits seit 2021 als nationales Erprobungszentrum fungiert. Weitere Kapazitäten stehen an den DLR-Standorten in Braunschweig und am Flughafen Magdeburg-Cochstedt zur Verfügung.

Steigende Bedrohungslage an kritischer Infrastruktur

Die Notwendigkeit verbesserter Abwehrmaßnahmen wurde Anfang August deutlich, als ein Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle die Sicherheitsbehörden alarmierte. Die Bundesanwaltschaft stufte die Entdeckung einer mit Sprengstoff bestückten Drohne nahe der Südpiste am 5. August als schwerwiegenden Angriff ein. Die Ermittlungen wurden am Folgetag von der Karlsruher Behörde übernommen.

Statistiken der Deutschen Flugsicherung unterstreichen die Zunahme der Problematik. Im ersten Halbjahr 2026 wurden bundesweit 145 Behinderungen durch Drohnen registriert. Besonders betroffen waren der Hamburger Flughafen mit zehn Vorfällen und der Flughafen Hannover mit 13 Behinderungen – ein Wert, der bereits nach sechs Monaten über der Gesamtzahl des Vorjahres liegt.

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Ausbau der Abwehrkapazitäten und Kompetenzstreit

Als Reaktion auf die Gefährdungslage hat der Bund seine Mittel für die Drohnenabwehr massiv aufgestockt. Nachdem im Vorjahr 30 Millionen Euro bereitgestellt wurden, beläuft sich das Budget für 2026 auf 50 Millionen Euro. Ein wesentlicher Teil fließt in personelle Ressourcen: Die Bundespolizei verdoppelt ihre mobile Drohnenabwehreinheit von bisher 130 auf 300 Einsatzkräfte.

Trotz der Investitionen gibt es Kritik an der Umsetzung. Fachleute und Opposition bemängeln mögliche Doppelstrukturen, da das Verteidigungsministerium bereits im Februar ein Entwicklungszentrum in Erding in Betrieb nahm. Ein Experte für Drohnensicherheit gab zu bedenken, dass teilweise Lösungen erforscht würden, die bereits marktreif existierten.

Während der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Grote, ein Kompetenzwirrwarr bestritt, forderten Vertreter der Vereinigung Cockpit einheitliche Standards. Das Hauptproblem sei derzeit die Detektion der Flugobjekte, an der die Abwehrkette oft scheitere.

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Zusätzliche Diskussionen gibt es um den Umfang des Schutzes. Das geplante Kritis-Dachgesetz sieht vor, acht Verkehrsflughäfen als besonders schutzbedürftig einzustufen, während die Bundespolizei den Bedarf bei 13 Standorten sieht.

Niedersachsen hat bereits angeboten, bis zu 5 Millionen Euro beizusteuern, um den Flughafen Hannover in diesen Kreis aufzunehmen. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther forderte unterdessen eine Grundgesetzänderung, um der Bundeswehr weitergehende Befugnisse bei der Drohnenabwehr im Inland zu ermöglichen.

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