Druckzentrum Hagen: FUNKE schließt letzten NRW-Standort bis Mitte 2027
Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 06:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Rund 70 eigene und 150 externe Beschäftigte sind betroffen. Die FUNKE Mediengruppe gibt ihren letzten eigenen Druckstandort in Nordrhein-Westfalen auf. Wie der Konzern heute mitteilte, soll das Druckzentrum in Hagen-Bathey bis Mitte 2027 geschlossen werden. Künftig setzt der Verlag verstärkt auf externe Partner und die Digitalisierung.
Produktion wandert nach Düsseldorf und Münster
Die Druckaufträge für die nordrhein-westfälischen Titel gehen künftig an externe Dienstleister. Als mögliche Standorte nannte das Unternehmen Firmen in Düsseldorf und Münster. Die Gespräche mit den Sozialpartnern über einen Interessenausgleich und Sozialplan haben bereits begonnen.
Konzerngeschäftsführer Christoph Rüth dankte den Mitarbeitern für ihren Einsatz. Einziger verbliebener konzerneigener Standort ist das Druckzentrum Niedersachsen in Braunschweig. Dort prüft FUNKE derzeit, ob Teile des Hagener Druckvolumens übernommen werden können.
Digitalisierung als Treiber der Entscheidung
Der anhaltende Rückgang der Print-Auflagen macht den wirtschaftlichen Betrieb eigener Großdruckereien immer schwieriger. Allein im zweiten Quartal 2026 verloren regionale Titel wie die Westfalenpost und die Westfälische Rundschau in Hagen 11,3 Prozent ihrer Auflage. Die Konzerngeschäftsführung nennt die Ausrichtung auf digitale Wachstumsfelder als Hauptgrund für den Schritt.
Die Schließung ist der Schlusspunkt einer längeren Konsolidierungsphase. Bereits 2020 hatte die Mediengruppe ihren Druckstandort in Essen dichtgemacht.
Angesichts der Schließung des Druckzentrums stehen Betriebsräte nun vor der Herausforderung, faire Bedingungen für die Belegschaft zu sichern. Dieser kostenlose Ratgeber unterstützt Arbeitnehmervertreter mit Mustern und Verhandlungshilfen dabei, die Mitbestimmungsrechte beim Sozialplan optimal zu nutzen. Kostenlosen Ratgeber für einen gerechten Sozialplan herunterladen
Scharfe Kritik von Betriebsrat und DJV
Die Ankündigung traf die Belegschaft unvorbereitet. Ein Betriebsratsvertreter sprach von einem Schock. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) in Nordrhein-Westfalen bezeichnete die Entscheidung als „Tragödie für den Medienstandort“.
Der Verband gibt zu bedenken: Das Printgeschäft sei nach wie vor die wichtigste Erlösquelle des Unternehmens. Wer die eigene Druckerei schließe, schwäche diese Säule. Der DJV forderte die Geschäftsführung auf, ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden und einen fairen Sozialplan auszuhandeln.
Wenn betriebsbedingte Kündigungen drohen, entscheiden die Details des Interessenausgleichs über die Zukunft vieler Mitarbeiter. Erfahren Sie in diesem kostenlosen PDF-Report, wie Sie als Betriebsrat den Sozialplan aktiv beeinflussen und typische Fehler bei der Verhandlung vermeiden. Jetzt Gratis-E-Book zur Sozialauswahl sichern
Branchenweiter Trend zur Konsolidierung
FUNKE steht mit diesem Schritt nicht allein. Sinkende Nachfrage nach gedruckten Erzeugnissen sowie hohe Energie- und Personalkosten setzen die gesamte Branche unter Druck:
- Die Westermann-Gruppe stellt die Produktion in ihrem Druckhaus in Zwickau bereits zum 31. August 2026 ein. 170 Arbeitsplätze sind betroffen.
- Der Bertelsmann-Konzern schließt die Druckerei Vogel Druck in Höchberg mit rund 280 Beschäftigten bis Ende 2027.
Verlage bündeln ihre Druckaufträge zunehmend oder vergeben sie an spezialisierte Fremdfirmen. Das senkt Fixkosten und macht sie flexibler für den digitalen Wandel.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
