DSGVO-Compliance, Dury

DSGVO-Compliance: 80 Prozent der großen Unternehmen verstoßen

Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 19:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Dury Consult deckt auf: Nur jedes fünfte Unternehmen führt ein aktuelles Verarbeitungsverzeichnis. Datenschutzbeauftragte werden oft übergangen.

DSGVO-Studie: 80 Prozent der Firmen verstoßen gegen Datenschutz
Digitales Tablet mit Datenschutz-Symbolen und Vorhängeschloss vor einem verschwommenen, modernen Büro-Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine aktuelle Untersuchung des Beratungsunternehmens Dury Consult zeigt erhebliche Defizite bei der Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in der deutschen Wirtschaft auf. Laut den am Dienstag veröffentlichten Ergebnissen verstoßen rund 80 Prozent der befragten Unternehmen gegen die geltenden Datenschutzbestimmungen. Die Studie verdeutlicht, dass insbesondere bei der Dokumentation und der operativen Einbindung von Datenschutzexperten in Kernprojekte gravierende Lücken bestehen.

Für die Erhebung befragte Dury Consult im April und Mai 2026 insgesamt 500 Datenschutzverantwortliche in Unternehmen mit jeweils mehr als 500 Mitarbeitern. Damit konzentriert sich die Studie auf eine Unternehmensgröße, die aufgrund ihrer Personalstärke und Datenmengen besonders hohen regulatorischen Anforderungen unterliegt.

Mängel in der Dokumentationspflicht und beim Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten

Ein zentraler Befund der Studie betrifft das Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten (VVT), welches ein fundamentales Element der DSGVO-Compliance darstellt. Nur 21 Prozent der befragten Unternehmen verfügen über ein VVT, das sich auf dem aktuellen Stand befindet. Die Mehrheit der Betriebe vernachlässigt diese Pflicht zur kontinuierlichen Aktualisierung: 60 Prozent der Teilnehmer gaben an, ein veraltetes Verzeichnis zu nutzen.

Besonders kritisch bewerten Experten den Umstand, dass jedes fünfte Unternehmen (20 Prozent) überhaupt kein Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten führt. Da das VVT die Grundlage für die Rechenschaftspflicht gegenüber Aufsichtsbehörden bildet, setzen sich diese Organisationen einem hohen Risiko von Bußgeldern und rechtlichen Konsequenzen aus. Das Fehlen oder die mangelhafte Pflege dieses Verzeichnisses deutet darauf hin, dass Datenschutzprozesse in vielen großen Unternehmen nicht ausreichend in die täglichen Arbeitsabläufe integriert sind.

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Fehlende Einbindung von Datenschützern in Kernprozesse

Neben der rein formalen Dokumentation offenbart die Studie strukturelle Probleme bei der Projektplanung. In vielen Fällen werden Datenschutzverantwortliche nicht oder erst zu einem sehr späten Zeitpunkt in neue Vorhaben einbezogen. Besonders deutlich wird dies im Personalbereich: Laut Dury Consult geben 86 Prozent der Befragten an, bei HR-Projekten nicht eingebunden zu werden. Dies ist insofern bemerkenswert, als gerade im Personalwesen hochsensible Mitarbeiterdaten verarbeitet werden.

Auch bei technologischen Neuerungen und der IT-Infrastruktur herrscht ein Mangel an fachübergreifender Kooperation. Bei der Einführung neuer Software werden 79 Prozent der Datenschutzverantwortlichen nicht konsultiert. Im Bereich der IT-Sicherheit sowie bei Kundenprojekten liegt diese Quote bei jeweils 75 Prozent.

Diese Zahlen legen nahe, dass das Prinzip des „Privacy by Design“ – also der Datenschutz durch Technikgestaltung bereits in der Entwicklungsphase – in der Praxis oft unberücksichtigt bleibt. Wenn Datenschutzexperten erst nach Abschluss der Planungsphase oder gar nach dem Rollout neuer Systeme hinzugezogen werden, führt dies häufig zu nachträglichen Korrekturbedarfen, die sowohl zeitaufwendig als auch kostspielig sein können.

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Herausforderungen für große Unternehmen

Die Ergebnisse der Befragung von April und Mai 2026 unterstreichen, dass die Größe eines Unternehmens nicht zwangsläufig mit einem höheren Reifegrad in der Datenschutz-Compliance einhergeht. Trotz personeller Ressourcen und spezialisierter Fachabteilungen in Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern scheitern viele Organisationen an der praktischen Umsetzung der DSGVO-Vorgaben.

Branchenexperten sehen in der hohen Quote von 80 Prozent an Verstößen ein Warnsignal. Die Studie von Dury Consult verdeutlicht, dass Datenschutz in der Unternehmenskultur oft noch als isolierte Compliance-Aufgabe und nicht als integraler Bestandteil der strategischen Projektentwicklung wahrgenommen wird. Die mangelnde Aktualität der Dokumentationen und die Umgehung von Experten in sicherheitsrelevanten Bereichen stellen demnach die größten Hürden für eine rechtssichere Daten verarbeitung dar.

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