DWS-Grundbesitz Europa: Anleger erhalten ab 28. Oktober nur 10 Prozent
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 21:13 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Fondsanbieter DWS schränkt die Rücknahme von Anteilen an seinem offenen Immobilienfonds Grundbesitz Europa massiv ein. Fällige Rücknahmeaufträge von Anlegern werden künftig grundsätzlich nur noch zu 10 % bedient.
Der verbleibende, nicht ausgeführte Teil der Aufträge verfällt ersatzlos. Investoren, die ihr Kapital vollständig abziehen wollen, müssen ihre Anteile unter Einhaltung einer erneuten zwölfmonatigen Kündigungsfrist abermals zur Rückgabe anmelden.
Die Auszahlungsquote von 10 % gilt ab dem 28.10.2026. Zuvor wurden fällige Aufträge noch vollständig abgewickelt. Der Auszahlungsbetrag entspricht dabei 10 % der liquiden Mittel. Auslöser für den Schritt war das Erreichen einer regulatorischen Schwelle: Die Rücknahmeaufträge der vergangenen 20 Wertermittlungstage hatten mindestens 10 % der liquiden Vermögenswerte des Fonds erreicht.
Zeitgewinn gegen drohende Notverkäufe
Der Grundbesitz Europa verwaltet ein Portfolio von 63 Immobilien mit einem Fondsvolumen von rund 4,3 Mrd. Euro, wobei in der Branche teils auch 4 Mrd. Euro genannt werden. Die DWS begründet die Maßnahme mit dem Ziel, Zeit für geordnete Immobilienverkäufe und Kredittilgungen zu gewinnen, um Notverkäufe von Objekten unter Wert zu verhindern. Zudem strebe die Fondsgesellschaft an, die Auszahlungsquote im Zeitverlauf schrittweise anzuheben.
Gesetzlich ist die verhängte Rücknahmebeschränkung auf einen Zeitraum von maximal zwölf Monaten begrenzt und läuft damit spätestens bis zum 27.10.2027. Die Quote kann währenddessen an die Liquiditätslage angepasst und die Beschränkung bei einer Entspannung auch vorzeitig aufgehoben werden.
Nach Ablauf der Frist ist allerdings auch eine erneute Verhängung der Beschränkung rechtlich möglich. Neben dem Grundbesitz Europa führt die DWS weitere Immobilienfonds im Portfolio, darunter den Grundbesitz Global mit 1,9 Mrd. Euro sowie den Grundbesitz Fokus Deutschland mit 557 Mio. Euro.
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Zunehmender Liquiditätsdruck auf die Fondsbranche
Die Beschränkung folgt auf massive Mittelabzüge. Allein in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 summierten sich die Abflüsse aus dem Grundbesitz Europa auf über 640 Mio. Euro; binnen eines Jahres zogen Anleger fast 1,1 Mrd. Euro ab.
Gleichzeitig geriet die Bewertung der Liegenschaften unter Druck. Laut Berichten sank der Anteilwert des Fonds im Zeitraum von Juli bis September 2026 um mehr als 11 %, nachdem im September 2026 eine Abwertung von 7,3 % vorgenommen worden war.
Die Krise betrifft die gesamte Anlageklasse. Die 2013 eingeführte gesetzliche Kündigungsfrist von zwölf Monaten reicht angesichts der anhaltenden Verkaufswelle nicht mehr aus, um den Liquiditätsbedarf zu decken.
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Laut Bundesbank beliefen sich die Nettoabflüsse aus offenen deutschen Immobilienfonds im Vorjahr auf 7,6 Mrd. Euro und lagen damit höher als im Jahr 2024. Branchenweit haben bereits neun Fonds die Rücknahme ausgesetzt, beschränkt oder befinden sich in der Abwicklung.
Marktweit stehen über 100 Mrd. Euro an Anlegergeldern in offenen Immobilienfonds unter Druck. Seit der Zinswende im Jahr 2022 infolge des Ukraine-Kriegs haben sich viele Investoren abgewandt. Gewerbeimmobilien, die Anfang 2022 noch mit 100 Mio. Euro bewertet wurden, kamen noch im selben Jahr für 70 bis 80 Mio. Euro auf den Markt, ohne dass die Werte seither wieder stiegen.
Bei Wettbewerbern lag die Liquiditätsquote zur Jahresmitte 2026 unterschiedlich hoch: Der Deka-ImmobilienEuropa wies 16,4 % aus, der UniImmo: Deutschland 20,8 %.
Auch in Österreich verloren offene Immobilienfonds seit Jahresbeginn bis Ende September rund 1 Mrd. Euro oder 15 % ihres Gesamtvolumens von Ende 2025; dort führten Fonds wie Real Invest Austria und Erste Immobilienfonds Beschränkungen ein, während der LLB Semper Real Estate abgewickelt wird.
Zudem machten sich die Wertkorrekturen bereits im Vorjahr in den Bilanzen von Investoren bemerkbar: Eine Auswertung von Jahresabschlüssen des Jahres 2025 durch den Platow Brief zeigte bei 20 Sparkassen teils Millionenabschreibungen auf Bestände an Immobilienfonds.
