E-Auto-PrÀmie, Milliarden

E-Auto-PrÀmie: 3 Milliarden Euro Budget könnten schon 2027 aufgebraucht sein

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 00:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
97.790 FörderantrĂ€ge waren Anfang Oktober bewilligt; zugleich wĂ€chst die Debatte ĂŒber soziale Treffsicherheit und ZuschĂŒsse fĂŒr Luxusmodelle.
Eine menschenleere Wohnstraße mit moderner Architektur bei ruhigem Morgenlicht. Illustration mit AI erstellt.

Die staatliche Förderung fĂŒr Elektrofahrzeuge von bis zu 6.000 Euro steht zunehmend in der Kritik. WĂ€hrend Medienberichte ĂŒber die Inanspruchnahme der PrĂ€mie informieren, Ă€ußern Vertreter des Automobilhandels Bedenken hinsichtlich der sozialen Ausgewogenheit und der tatsĂ€chlichen Verteilungspraxis.

Im Fokus der Diskussion stehen Konstruktionsmerkmale der Richtlinie sowie die Frage, welche KĂ€uferschichten tatsĂ€chlich von den ZuschĂŒssen profitieren.

Kritik aus dem Handel an sozialer Reichweite

Burkhard Weller vom Verband der AutomobilhĂ€ndler kritisierte die aktuelle Vergabepraxis. Die Förderung werde vor allem von Personen genutzt, die sich gĂŒnstigere Modelle leisten könnten, wĂ€hrend Geringverdiener außen vor blieben. Zwar belĂ€uft sich die PrĂ€mie oft auf mehrere tausend Euro, dennoch bleibe die Anschaffung eines neuen Elektrofahrzeugs fĂŒr Personen mit geringen Einkommen unerreichbar.

Auch auf regionaler Ebene fĂ€llt die Resonanz verhalten aus. Frankenthaler AutohĂ€user spĂŒren nach Berichten kaum einen zusĂ€tzlichen Verkaufsschub durch das Förderprogramm. Bei Kestenholz liegt der E-Auto-Anteil bei knapp 30 Prozent, wĂ€hrend der Hybrid-Anteil etwa doppelt so hoch ausfĂ€llt.

Das Autohaus Ebert setzt seinen Schwerpunkt auf Jahreswagen, wobei der Hybrid-Anteil bei Ford rund 85 Prozent betrÀgt. Bei Lind machen reine E-Autos 20 Prozent aus, bei Suzuki liegt der E-Anteil zwischen 5 und 8 Prozent, und bei Toyota entfallen 90 Prozent auf Hybridfahrzeuge.

Einkommensstaffelung und Debatte um Luxusmodelle

Die PrĂ€mie ist nach Haushaltseinkommen gestaffelt und bewegt sich je nach Einkommen und Kinderzahl zwischen 3.000 und 6.000 Euro fĂŒr reine Batterie-Elektrofahrzeuge sowie zwischen 1.500 und 4.500 Euro fĂŒr bestimmte Plug-in-Hybride oder Modelle mit ReichweitenverlĂ€ngerer. Die Basisförderung fĂŒr den Kauf oder das Leasing eines neuen reinen E-Autos betrĂ€gt 3.000 Euro (1.500 Euro fĂŒr Plug-in-Hybride).

ZuschlĂ€ge von jeweils 1.000 Euro werden fĂ€llig, wenn das zu versteuernde Jahreseinkommen höchstens 60.000 Euro beziehungsweise höchstens 45.000 Euro betrĂ€gt. Hinzu kommen 500 Euro je berĂŒcksichtigungsfĂ€higem Kind fĂŒr maximal zwei Kinder. Die Höchstförderung von 6.000 Euro steht damit einer Familie mit zwei Kindern und geringem Einkommen zu.

Die allgemeine Einkommensgrenze liegt bei 80.000 Euro zu versteuerndem Einkommen, gemessen am Durchschnitt der beiden neuesten Steuerbescheide. Sie steigt mit einem Kind auf 85.000 Euro und mit mindestens zwei Kindern auf 90.000 Euro. Besserverdiener oberhalb dieser Schwellen erhalten weniger oder keine Mittel.

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Anders als beim Umweltbonus im Jahr 2023 existieren weder eine Preisobergrenze fĂŒr förderfĂ€hige Wagen noch Vorgaben zum europĂ€ischen Fertigungsanteil. Wie Handelsblatt und Spiegel berichteten, können dadurch auch KĂ€ufer von Luxusfahrzeugen wie Modellen von Porsche oder der Mercedes G-Klasse von den Geldern profitieren.

Da Fahrzeughalter und KĂ€ufer nicht zwingend identisch sein mĂŒssen, lĂ€sst sich die Zulassung auf Familienangehörige mit niedrigerem Einkommen ĂŒbertragen. Vor diesem Hintergrund fordern SPD und GrĂŒne, teure E-Autos kĂŒnftig vollstĂ€ndig von den ZuschĂŒssen auszuschließen.

Daten des Ministeriums und Bewilligungsstand

Das Bundesumweltministerium wies VorwĂŒrfe einer unausgewogenen Subventionierung zurĂŒck: Mehr als 80 Prozent der bisherigen Bewilligungen entfallen auf Fahrzeuge mit einem Referenzpreis unter 50.000 Euro. Fahrzeuge mit einem sechsstelligen Grundpreis lĂ€gen hingegen klar im Promillebereich.

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Nach Angaben des Ministeriums vom 5. Oktober 2026 sind etwa 90 Prozent der bewilligten Autos rein elektrisch angetrieben, wĂ€hrend sich KĂ€ufe und LeasingvertrĂ€ge in etwa die Waage halten. Rund die HĂ€lfte der Antragsteller verfĂŒgt ĂŒber ein jĂ€hrliches Haushaltseinkommen von bis zu 45.000 Euro.

Die Gesamtzahlen zeigen eine rege Nachfrage: Laut Bundesamt fĂŒr Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) lagen zum 1. Oktober 2026 insgesamt 97.790 bewilligte AntrĂ€ge vor, was einem Fördervolumen von 432 Millionen Euro und einer durchschnittlichen PrĂ€mie von 4.418 Euro entspricht.

Auf die niedrigste Einkommensgruppe entfielen 52,3 Prozent der Zusagen, wĂ€hrend die beiden höchsten Einkommensgruppen zusammen unter 3.000 Bewilligungen verzeichneten. Weniger als fÜnf Monate nach dem Antragsstart am 19. Mai ĂŒberschritt die Zahl Anfang Oktober die Marke von 100.000 Bewilligungen.

Wie die Bundesregierung am 8. Oktober 2026 mitteilte, sind insgesamt 3 Milliarden Euro fĂŒr das Programm vorgesehen. Das Budget war ursprĂŒnglich bis 2029 fĂŒr rund 800.000 Fahrzeuge konzipiert; beim aktuellen Schnitt reicht es rechnerisch fĂŒr etwa 680.000 Fahrzeuge, womit die Mittel bereits 2027 erschöpft sein könnten.

Hersteller und Marktentwicklung

Bei den bewilligten AntrĂ€gen liegt Tesla mit 12.155 Fahrzeugen an der Spitze, gefolgt von Skoda und Cupra. Auch Leapmotor und BYD rangieren unter den Top 5. Einzelmodelle wie der Citroen e-C3 und der Leapmotor T03 kommen auf jeweils ĂŒber 3.500 Bewilligungen. Branchenexperten weisen darauf hin, dass rund 77 Prozent der batterieelektrischen Fahrzeuge aus europĂ€ischer Fertigung stammen, darunter von Stellantis, Renault und deutschen Konzernen.

Auf dem Gesamtmarkt sorgte der Hochlauf fĂŒr deutliche ZuwĂ€chse. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) gab es im September 2026 insgesamt 256.774 Neuzulassungen, was einem Plus von 9,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht.

Davon entfielen 88.599 Einheiten auf Batterie-Elektrofahrzeuge. Das entsprach einem Rekordanteil von 34,5 Prozent und fast einer Verdopplung gegenĂŒber den 45.495 Fahrzeugen im September 2025. In den ersten neun Monaten von Januar bis September 2026 wurden 604.144 rein batterieelektrische Pkw neu zugelassen – ein Zuwachs von 58,1 Prozent.

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