E-Rechnung, Mittelstand

E-Rechnung ab 2027: Mittelstand unvorbereitet auf Umstellung

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 18:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Viele deutsche Firmen sind laut Datev nicht ausreichend auf die ab 2027 geltende E-Rechnungspflicht vorbereitet.

E-Rechnungspflicht in Deutschland: Mittelstand hinkt hinterher
Digitales Tablet mit Finanzdaten und Rechnungsdiagrammen auf einem modernen Schreibtisch zur Visualisierung der E-Rechnung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Einführung der verpflichtenden elektronischen Rechnung in Deutschland stockt. Viele mittelständische Unternehmen sind nicht rechtzeitig vorbereitet, wie aktuelle Daten des Softwarehauses Datev zeigen.

Im ersten Halbjahr 2026 verarbeitete Datev über 51 Millionen E-Rechnungen. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 waren es 64 Millionen Dokumente. Der Anstieg ist deutlich – doch Datev-Chef Robert Mayr warnt: Besonders mittelständische Betriebe haben die Vorbereitungen für die kommenden Umstellungsphasen nicht ausreichend vorangetrieben.

Fristen rücken näher

Der gesetzliche Zeitplan ist ambitioniert. Ab dem 1. Januar 2027 müssen Unternehmen mit einem Vorjahresumsatz von mehr als 800.000 Euro ihre B2B-Rechnungen elektronisch versenden. Ein Jahr später, ab dem 1. Januar 2028, gilt die Pflicht für alle Unternehmen – unabhängig von der Umsatzgröße. Eine zentrale staatliche Plattform für den Rechnungsaustausch ist in Deutschland nicht vorgesehen.

Fehlerquellen bei der Umstellung

Für die rechtssichere Umsetzung sind spezifische Formate wie XRechnung, ZUGFeRD oder Peppol BIS 3.0 zugelassen. Die technische Implementierung geht aber über die reine Datenübertragung hinaus. Besonders Rundungsdifferenzen bereiten Probleme.

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Der Steuerbetrag muss auf den Cent genau berechnet werden. Die dritte Dezimalstelle entscheidet über die kaufmännische Rundung. Unterschiedliche Rundungslogiken in verschiedenen Systemen führen oft dazu, dass Rechnungen automatisiert abgelehnt werden. Hinzu kommt: Elektronische Rechnungen müssen acht Jahre revisionssicher archiviert werden.

Internationale Entwicklung

Auch andere Länder verschärfen die Anforderungen. Belgien hat die E-Rechnungspflicht bereits Anfang 2026 eingeführt. In den Vereinigten Arabischen Emiraten müssen große Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 12,5 Millionen Euro bis Oktober einen Anbieter wählen. Bei Verstößen drohen monatliche Strafen von 5.000 Dirham.

Vietnam führt zum 1. Juli 2026 eine E-Rechnungspflicht für Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde Dong ein. Auf EU-Ebene plant die ViDA-Initiative ab 2030 verpflichtende E-Rechnungen für grenzüberschreitende Transaktionen.

Kampf gegen Steuerbetrug

Die E-Rechnung ist Teil eines größeren Pakets der Bundesregierung. Finanzminister Klingbeil und Justizministerin Hubig legten einen 26-Punkte-Plan vor. Steuerhinterziehung soll künftig als Verbrechen mit Haftstrafen von bis zu 15 Jahren eingestuft werden. Die Straffreiheit bei Selbstanzeigen soll entfallen.

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Ab 2028 greift zudem eine Registrierkassenpflicht für bargeldintensive Betriebe mit mehr als 100.000 Euro Umsatz. Durch KI-gestützte Datenanalyse und verlängerte Aufbewahrungsfristen von bis zu 15 Jahren erhofft sich die Regierung Mehreinnahmen von einer Milliarde Euro für 2027.

Der Europäische Gerichtshof stellte zudem am 16. Juli 2026 klar: Die bloße Entgegennahme und Weiterleitung von Geldern Dritter ist nicht zwingend ein Zahlungsdienst nach PSD2 – wenn es nur eine Nebenfunktion darstellt. Das sorgt für zusätzliche Rechtssicherheit bei komplexen Zahlungsströmen.

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