Edeka darf 178 Tegut-Supermärkte übernehmen
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 17:50 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEdeka darf 178 Filialen der Supermarktkette Tegut übernehmen und künftig weiterbetreiben.
24 Standorte bleiben zunächst ausgeschlossen
Das Bundeskartellamt in Bonn genehmigte die Übernahme mit weitreichenden Auflagen. Edeka hatte ursprünglich den Erwerb von 202 der rund 300 Tegut-Supermärkte geplant.
Die Wettbewerbshüter befürchteten, dass der Marktanteil von Edeka in einzelnen Regionen zu hoch werden und dadurch der Wettbewerb zulasten der Verbraucherinnen und Verbraucher beeinträchtigt werden könnte. Edeka verpflichtete sich deshalb, 24 der vorgesehenen Standorte vier Jahre lang nicht zu erwerben.
Übernahme umfasst auch Logistikzentrum und Teo-Märkte
Die meisten der 178 freigegebenen Filialen liegen in Hessen, Bayern und Thüringen. Zum Paket gehören außerdem das Tegut-Logistikzentrum in Hünfeld-Michelsrombach, die Bäckerei Herzberger sowie 41 personallose Teo-Minimärkte.
Kartellamtspräsident Andreas Mundt erklärte, mit dem Verzicht auf die 24 Märkte werde verhindert, dass sich die Lage für Verbraucher in den betroffenen Regionen durch die Übernahme verschlechtere.
Edeka kündigt Integration an
Der Edeka-Verbund begrüßte die Entscheidung. Rund 3.700 Beschäftigte erhielten dadurch eine klare Zukunftsperspektive. Die übernommenen Filialen sollen schrittweise in den genossenschaftlichen Edeka-Verbund integriert werden; ein Teil soll künftig von Netto Marken-Discount betrieben werden.
Edeka bedauerte zugleich, auf 24 Standorte verzichten zu müssen. Die Marke Tegut soll aufgegeben werden. Migros Zürich hatte im März angekündigt, die Supermarktkette verkaufen zu wollen.
Weitere Übernahmen stehen bevor
Das Bundeskartellamt teilte mit, Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland sowie Aldi hätten 2025 zusammen mehr als 90 Prozent der bundesweiten Umsätze im Lebensmitteleinzelhandel auf sich vereint. Eine einzelmarktübergreifende kollektive Marktbeherrschung der führenden Unternehmen habe die Behörde jedoch nicht festgestellt.
Tante Enso erhielt im Juni bereits die Freigabe für 36 Tegut-Märkte. Rewe möchte bis zu 40 weitere Filialen übernehmen; die Entscheidung steht noch aus. Die Prüffrist wurde bis Ende Oktober verlängert.
Für die übrigen Tegut-Filialen läuft nach Angaben der Migros ein weiteres Bieterverfahren. Tegut wurde 1947 in Fulda gegründet, gehört seit 2013 zur Migros-Gruppe und beschäftigt nach Unternehmensangaben knapp 7.500 Menschen.
Wettbewerb im Lebensmittelhandel
Die Freigabe zeigt, wie stark Übernahmen im deutschen Lebensmitteleinzelhandel inzwischen regional geprüft werden. Entscheidend ist nicht allein die bundesweite Größe eines Konzerns, sondern die Frage, ob Kundinnen und Kunden an einzelnen Orten noch zwischen ausreichend vielen Anbietern wählen können. Das Bundeskartellamt hat deshalb 24 der ursprünglich geplanten Standorte vom Erwerb ausgenommen.
Für Edeka bedeutet die Entscheidung dennoch eine erhebliche Erweiterung des Filialnetzes: 178 Märkte, ein Logistikzentrum, eine Bäckerei und 41 unbemannte Teo-Märkte können in den Verbund integriert werden. Die schrittweise Umstellung dürfte für Beschäftigte und Kundschaft vor allem dort sichtbar werden, wo Tegut bislang eine wichtige Nahversorgungsfunktion erfüllt. Sortiment, Preise, Öffnungszeiten und die künftige Betreiberstruktur können sich je nach Standort unterscheiden.
Offene Zukunft für weitere Märkte
Die Marke Tegut soll verschwinden, während die übrigen Standorte noch in einem laufenden Bieterverfahren vergeben werden. Dadurch bleibt offen, ob alle Märkte erhalten bleiben und unter welchem Namen sie künftig betrieben werden. Die geplante Rewe-Übernahme von bis zu 40 Filialen ist zudem noch nicht entschieden. Zusammen mit der bereits genehmigten Übernahme durch Tante Enso dürfte sie die regionale Verteilung der Tegut-Märkte weiter verändern.
