EH55-Förderung: Bundesregierung stockt Neubauprogramm bis Jahresende auf
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 12:19 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Bundesregierung stockt die Förderung für energieeffiziente Neubauten nach EH55-Standard auf, damit der Fördertopf bis zum Jahresende nicht vorzeitig ausgeschöpft wird.
Förderung für Neubauten wird verlängert
Das ursprünglich eingeplante Budget von 800 Millionen Euro wäre nach Angaben des Bauministeriums noch vor Jahresende ausgeschöpft gewesen. Durch zusätzliche Mittel sollen Bauherren mit einer bereits erteilten Baugenehmigung weiter Unterstützung erhalten.
Gefördert werden Häuser, die höchstens 55 Prozent des Energiebedarfs eines Standardhauses benötigen. Die Wärme muss vollständig aus erneuerbaren Energien stammen. Gebäude mit Öl- oder Gasheizung sind von dem Programm ausgeschlossen.
Kredite über die KfW
Die Förderung erfolgt über zinsverbilligte Kredite der staatlichen Förderbank KfW. Voraussetzung für den Antrag ist eine vorliegende Baugenehmigung. Wie viel zusätzliches Geld bereitgestellt wird, teilte das Ministerium zunächst nicht mit. Auch die Entwicklung der KfW-Zinssätze bis zum Jahresende ist offen.
52.100 Wohnungen in Umsetzung
Bauministerin Verena Hubertz (SPD) begründete die Aufstockung mit der deutlich gestiegenen Nachfrage. Wer eine Baugenehmigung habe, könne bis Jahresende weiter auf die Förderung setzen.
Nach Angaben der Ministerin sind rund 52.100 genehmigte, aber bislang nicht gebaute Wohnungen inzwischen in der Umsetzung. Die EH55-Förderung war zuvor zeitweise abgeschafft worden. Das hatte nach Darstellung des Ministeriums dazu geführt, dass Investoren Planungen zurückstellten.
Branche fordert verlässliche Förderung
Der Präsident des Verbands der Bauindustrie, Olaf Demuth, erklärte, das ursprüngliche Budget wäre bereits in der kommenden Woche ausgeschöpft gewesen. Eine Förderlücke hätte zusätzliche Unsicherheit am Wohnungsmarkt ausgelöst.
Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW geht von 250 Millionen Euro zusätzlichen Mitteln aus. GdW-Präsident Axel Gedaschko forderte, die Förderung müsse möglichst ohne Unterbrechung verfügbar sein, damit Wohnungsunternehmen langfristig planen könnten.
Neubau wird teurer
Parallel steigen die Kosten. Nach den in der Meldung genannten Zahlen des Statistischen Bundesamts lagen die Preise für den Neubau normaler Wohngebäude im August 5,5 Prozent über dem Vorjahresniveau. Besonders Dach-, Zimmer- und Holzbauarbeiten verteuerten sich; beim Innenausbau trieben unter anderem Elektro- und Heizanlagen die Kosten.
Förderung trifft auf angespannte Bauwirtschaft
Die zusätzliche EH55-Förderung soll genehmigte Neubauvorhaben über das Jahresende hinaus vor einem Förderstopp bewahren. Für Bauherren ist das besonders relevant, weil der Zugang zu den zinsverbilligten KfW-Krediten an eine bereits erteilte Baugenehmigung geknüpft ist. Wer sich noch in einer frühen Planungsphase befindet, profitiert damit nicht automatisch von der Entscheidung.
Der politische Hintergrund ist ein Zielkonflikt: Deutschland benötigt mehr Wohnungen, zugleich sollen Neubauten hohe energetische Standards erfüllen und ohne Öl- oder Gasheizung auskommen. Die Förderung unterstützt damit sowohl den Wohnungsbau als auch die Umstellung auf erneuerbare Wärme. Sie senkt jedoch nicht unmittelbar die Kosten für Grundstücke, Material, Handwerk oder Finanzierung.
Planungssicherheit bleibt entscheidend
Die angekündigte Aufstockung schafft kurzfristig Planungssicherheit für Projekte, deren Genehmigungen bereits vorliegen. Dass die Bundesregierung die Höhe der zusätzlichen Mittel zunächst nicht nennt, lässt allerdings offen, wie viele Vorhaben tatsächlich bis zum Jahresende berücksichtigt werden können. Auch die Entwicklung der KfW-Zinsen beeinflusst, ob genehmigte Projekte wirtschaftlich umgesetzt werden.
Die Baupreise für Wohngebäude lagen im August laut den Angaben der dpa-Meldung 5,5 Prozent über dem Vorjahresniveau. Damit bleibt die Förderung ein wichtiger Baustein, kann aber die strukturellen Belastungen des Wohnungsbaus nicht allein ausgleichen. Für Mieter und Wohnungssuchende ist entscheidend, ob aus den bereits genehmigten Vorhaben tatsächlich neue Wohnungen entstehen.

