US-Notenbank Fed hat es mit Zinssenkungen nicht eilig
13.06.2024 - 01:14:02Die US-Notenbank Fed deutet fĂŒr das laufende Jahr nur eine Zinssenkung an - eine Abkehr von den bisher drei prognostizierten Zinsschritten. Alle seien sich einig, dass das weitere Vorgehen von den Daten abhĂ€ngen werde, sagte Fed-Chef Jerome Powell.
Zuvor hatte die Notenbank der gröĂten Volkswirtschaft der Welt den Leitzins im Kampf gegen die hohen Verbraucherpreise zum siebten Mal in Folge in der Spanne von 5,25 bis 5,5 Prozent belassen. Die Fed veröffentlichte zugleich neue WirtschaftsschĂ€tzungen - und erhöhte ihre Inflationsprognosen leicht. Die Konjunkturprognose fĂŒr die USA belieĂ die Notenbank hingegen auf dem Niveau von MĂ€rz.
Aktuell rechnen sieben WĂ€hrungshĂŒter mit nur einem Zinsschritt, acht mit zweien und vier sehen 2024 keine Zinssenkung. Die Entscheider der Fed gehen fĂŒr dieses Jahr im Mittel mit einem Leitzins von 5,1 Prozent (MĂ€rz: 4,6 Prozent) aus, was auf einen Zinsschritt von 0,25 Prozentpunkten hindeutet. Fed-Chef Powell machte jedoch deutlich, dass es sich um eine Prognose und nicht um einen festen Plan handele. Er sagte, dass es durchaus lĂ€nger dauern könne, bis die Fed das Vertrauen haben werde, das sie brauche, um mit einer Lockerung der Geldpolitik zu beginnen. Anders als die Fed hatte die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) bereits vergangene Woche die Zinswende eingeleitet und den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte gesenkt.
«Alles in allem gibt es nichts, was eine Zinssenkung im September ausschlieĂen wĂŒrde. Es hĂ€ngt alles von den kĂŒnftigen Daten ab», resĂŒmierte Paul Ashworth, Analyst bei Capital Economics, nach der Fed-Sitzung. Er schlieĂt auch zwei Zinssenkungen in diesem Jahr in diesem Jahr nicht aus. Elmar Völker, Analyst bei der LBBW, urteilte, dass der «enorm wechselhafte Eindruck», welchen die US-Makrodaten insgesamt in den zurĂŒckliegenden Wochen hinterlassen hĂ€tten, die Sicht sowohl fĂŒr Prognostiker als auch fĂŒr die US-Notenbanker vernebele. Sofern das Pendel in den kommenden drei Monaten zu einer verlĂ€sslichen Wiederaufnahme des Disinflationstrends ausschlage, liege die Option einer Zinswende im September auf dem Tisch.
Viel dĂŒrfte dabei von den weiteren Inflationsdaten abhĂ€ngen. Aus dem US-Arbeitsministerium kamen Stunden vor der Fed-Sitzung zunĂ€chst positive Signale. Demnach hat sich in den USA der Preisauftrieb unerwartet etwas abgeschwĂ€cht. Die Verbraucherpreise stiegen im Mai zum Vorjahresmonat um 3,3 Prozent. Im April hatte die Rate 3,4 Prozent betragen. Die Fed lieferte kurze Zeit spĂ€ter allerdings etwas pessimistischere Zahlen und hob ihre Prognose der Inflationsrate leicht an. Die Notenbank rechnet in diesem Jahr in den USA mit einer etwas höheren Teuerungsrate von durchschnittlich 2,6 Prozent (MĂ€rz: 2,4 Prozent). FĂŒr das Jahr 2025 geht die Fed von einer Inflationsrate von 2,3 Prozent aus (MĂ€rz: 2,2 Prozent). Powell nannte die Zahlen «konservative» SchĂ€tzungen.
Notenbanken erhöhen die Zinsen, um die Nachfrage zu bremsen. Steigen die Zinsen, mĂŒssen Privatleute und Wirtschaft mehr fĂŒr Kredite ausgeben - oder sie leihen sich weniger Geld. Das Wachstum nimmt ab, Unternehmen können höhere Preise nicht unbegrenzt weitergeben - und idealerweise sinkt die Inflationsrate. FĂŒr die Fed ist der Kampf gegen die hohen Verbraucherpreise ein Balanceakt. Bei zu hohen Zinsen besteht die Gefahr einer Rezession. Die US-Wirtschaft ist allerdings trotz hoher Zinsen ĂŒberraschend stark.


