Heftige Gefechte an Israels Grenze zum Libanon
17.07.2024 - 06:00:06Die proiranische Schiitenmiliz feuerte bis in die Morgenstunden Dutzende Raketen in mehreren Angriffswellen ab. Die Hisbollah reagierte damit nach ihren eigenen Angaben auf den Tod von fĂŒnf Syrern bei israelischen Angriffen im SĂŒden des Libanon, darunter drei kleine Kinder. Es gab zunĂ€chst keine Berichte ĂŒber mögliche Opfer des Beschusses auf israelischer Seite.
Israels Armee fing einige Raketen der Hisbollah nach eigenen Angaben ab, andere seien auf offenes GelĂ€nde gefallen. Bis zum spĂ€ten Abend habe es keine Verletzten gegeben. In den frĂŒhen Morgenstunden meldete die Armee dann erneuten Raketenalarm. Die israelische Luftwaffe griff in Reaktion auf den Raketenbeschuss Stellungen der Hisbollah im SĂŒden des Libanon an, wie das MilitĂ€r mitteilte. Keine der Angaben konnte unabhĂ€ngig geprĂŒft werden.
Berichte ĂŒber Tote im SĂŒdlibanon
Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete zuvor, dass bei einem israelischen Drohnenangriff auf ein Agrargebiet im SĂŒden des Libanon drei syrische Kinder im Alter zwischen fĂŒnf und zehn Jahren getötet worden seien. Bei einem weiteren israelischen Drohnenangriff auf ein Motorrad seien zudem zwei syrische MĂ€nner getötet worden. Israel und die Hisbollah liefern sich seit Beginn des Gaza-Kriegs nahezu tĂ€glich Gefechte. Es besteht die wachsende Sorge, dass es zu einem regelrechten Krieg kommt.
Israel will, dass sich die Hisbollah hinter den 30 Kilometer von der Grenze entfernten Litani-Fluss zurĂŒckzieht - so wie es eine UN-Resolution vorsieht. Die Schiitenmiliz will mit dem Beschuss Israels aber erst aufhören, wenn es zu einem Waffenstillstand im Gaza-Krieg zwischen Israel und der mit ihr verbĂŒndeten radikalislamischen Hamas kommt. Danach sieht es jedoch im Moment nicht aus. Die indirekten Verhandlungen, bei denen die USA, Katar und Ăgypten vermitteln, sollen in dieser Woche in Doha oder in Kairo fortgesetzt werden.
Befreite Geisel berichtet von Folter
Dabei geht es um den Austausch der noch rund 120 verbliebenen Geiseln in der Gewalt der Hamas gegen palĂ€stinensische HĂ€ftlinge in israelischen GefĂ€ngnissen sowie eine Waffenruhe. Israel lehnt bislang die Forderung der Hamas nach einer dauerhaften Waffenruhe ab. Der am 8. Juni bei einem dramatischen MilitĂ€reinsatz Israels zusammen mit drei anderen Geiseln befreite Andrey Kozlov berichtete kĂŒrzlich in Interviews von Folter und Bestrafungen wĂ€hrend seiner acht Monate langen Geiselhaft im abgeriegelten Gazastreifen.
Er habe geglaubt, dass seine EntfĂŒhrer ihn ermorden und dies filmen wĂŒrden, erzĂ€hlte er laut der "Times of Israel". "In den ersten drei Monaten hatten wir Angst vor jeder Bombe, die wir hörten", sagte der 27-JĂ€hrige. Die EntfĂŒhrer hĂ€tten sie dafĂŒr ausgelacht. Neben Psychoterror habe einer der WĂ€chter sie geschlagen und an sehr heiĂen Tagen mit vielen Decken zugedeckt. Der aus Russland stammende Mann war beim TerrorĂŒberfall am 7. Oktober vom Nova-Musikfestival entfĂŒhrt worden, wo er als Sicherheitsmitarbeiter tĂ€tig war.
Hamas-AnfĂŒhrer in Gaza angeblich unter Druck
Die MilitĂ€rbefehlshaber der Hamas im umkĂ€mpften Gazastreifen drĂ€ngen einem Medienbericht zufolge nach US-Erkenntnissen ihren AnfĂŒhrer Jihia al-Sinwar inzwischen zu einem Waffenstillstandsabkommen mit Israel. Das habe CIA-Direktor Bill Burns auf Basis von US-Geheimdienstinformationen auf einer Unternehmerkonferenz in den USA hinter verschlossenen TĂŒren gesagt, zitierte der US-Sender CNN eine informierte Quelle. Demnach dĂŒrfte sich Al-Sinwar derzeit in Tunneln unter Chan Junis im SĂŒden Gazas versteckt halten.
Al-Sinwar gilt als maĂgeblicher Planer des Massakers in Israel vom 7. Oktober. Dabei wurden rund 1.200 Israelis getötet und rund 250 Menschen nach Gaza verschleppt. Der Ăberfall war Auslöser des Krieges. Al-Sinwar ist fĂŒr die Hamas der wichtigste EntscheidungstrĂ€ger, wenn es darum geht, ein Abkommen zu akzeptieren. Burns sagte der Quelle zufolge, Al-Sinwar sei nicht "besorgt um seine Sterblichkeit". Er stehe aber unter Druck angesichts wachsenden Unmuts seiner Leute ĂŒber das enorme Leiden, das der Krieg ĂŒber die PalĂ€stinenser bringe.
Al-Sinwars eigene Befehlshaber wĂŒrden ihren AnfĂŒhrer dazu drĂ€ngen, einem auf dem Tisch liegenden Vorschlag fĂŒr ein Abkommen ĂŒber eine Waffenruhe und die Freilassung von Geiseln im Austausch gegen palĂ€stinensische HĂ€ftlinge in israelischen GefĂ€ngnissen zuzustimmen, berichtete CNN. UnabhĂ€ngig lieĂ sich das nicht ĂŒberprĂŒfen. Israels Armee hatte Al-Sinwars Stellvertreter, MilitĂ€rchef Mohammed Deif, am Samstag bei Chan Junis angegriffen. Dutzende Menschen wurden dabei getötet. Ob Deif darunter ist, ist noch unklar.
Israel: HĂ€lfte der Hamas-FĂŒhrungsriege tot
Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben inzwischen die HĂ€lfte der FĂŒhrungsriege des militĂ€rischen Hamas-FlĂŒgels getötet. Seit Kriegsbeginn vor mehr als neun Monaten seien "etwa 14.000 Terroristen eliminiert und festgenommen" worden, teilte das MilitĂ€r mit. Ob es sich dabei ausschlieĂlich um Mitglieder der Hamas oder aber auch um Mitglieder anderer Terrorgruppen handelte, gab die Armee nicht bekannt. Vor Kriegsbeginn soll es nach SchĂ€tzungen des MilitĂ€rs rund 30.000 Hamas-KĂ€mpfer gegeben haben.
Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden seit Beginn des Krieges mindestens 38.713 Menschen getötet. Auch diese Angaben, die nicht zwischen Zivilisten und KĂ€mpfer unterscheiden, lassen sich derzeit nicht unabhĂ€ngig verifizieren. Israel steht wegen der vielen Opfer unter der palĂ€stinensischen Bevölkerung und der immensen SchĂ€den in dem abgeriegelten KĂŒstenstreifen international stark in der Kritik.

